OutoftheNetz: Drei Plattformen für klimagerechtes Bauen

Die Baubranche verändert sich – und damit auch, wie wir nachhaltiges Bauen diskutieren, lehren und begreifen. Doch wie lässt sich dieses Wissen klar und wirkungsvoll vermitteln? Wir präsentieren drei Portale, die sich dieser Aufgabe angenommen haben.

In den Untiefen des Internets gibt es etliche Archive und Schätze zu architekturbezogenen Themen. In unserer Reihe #OutoftheNetz präsentieren wir Netzfundstücke, die einzigartige Sammlungen zu speziellen Themen bieten.

Schweizer Taschenmesser: Der Integrated Design Atlas

Der Integrated Design Atlas (IDA) will klimarelevantes Wissen aus der Architektur international zugänglich machen – unabhängig von Sprache, Fachstatus oder Softwarekenntnissen. Initiiert von Schweizer Hochschulen wie der ETH Zürich oder der Accademia di Architettura Mendrisio, richtet sich IDA an Studierende, Lehrende und Praktizierende gleichermaßen. Die Plattform strukturiert ihr Wissen über eine interaktive Matrix: Inhalte lassen sich nach Themen und Schwierigkeitsgrad filtern, von frei verfügbaren Tools bis hin zu Rhino / Grasshopper-Plugins für komplexe Sonnen- oder Energiestudien. Neben Technik geht es aber auch um das Zusammentragen anschaulicher Beispiele und Inspiration: Fallstudien, Prozesse oder Interventionen wie beispielsweise den Abrissatlas. Das Portal ist äußerst breit aufgestellt, lädt durch sein anregendes UX-Design zu stöbern ein und bietet den User*innen vielfältige Tools – quasi wie ein Schweizer Taschenmesser in Sachen nachhaltige Baukultur.  

E wie Einfach: die Plattform-E

Plattform-E befindet sich derzeit noch in Entwicklung. Aber wir können bereits jetzt erahnen, was hier passieren wird: Es geht um das einfache Bauen. Der Fokus liegt auf der sogenannten Gebäudeklasse E – ein Gegenmodell zu überregulierten Standards, das mit weniger Normen und mehr Spielraum neue Baupraktiken ermöglichen will. Die Plattform versteht sich als zukünftiger Ort des Austauschs – aus der Praxis für die Praxis: Berichte, Interviews und Werkzeuge sollen helfen, ressourcenschonendes und sozial gerechtes Bauen neu zu denken. Unterstützt durch KI-Tools, aber getragen von realen Erfahrungen, könne ein Wissensraum entstehen, der offen für Architekt*innen, Planer*innen, Jurist*innen, Bauherr*innen ist – kurz: für alle, die an der Transformation der Bauwirtschaft mitgestalten wollen. Wer schon Erfahrung im einfachen Bauen oder mit Projekten in der Gebäudeklasse E hat, ist bereits herzlich dazu aufgerufen, die entstehende Plattform mit ihrem wertvollen Wissen zu füttern und mitzugestalten.

Vom Wald zur Wand: Der Holzbau Atlas DE

Schon voll funktionsfähig und online ist der Holzbau Atlas DE. Er bietet eine interaktive Übersicht über aktuelle Holzbauprojekte, verknüpft mit Filterfunktionen und Kartenansicht. Das Natural Building Lab (NBL) der Technischen Universität Berlin hat die Plattform mitentwickelt. Nutzer*innen können gezielt nach Projekten suchen und dabei Kriterien wie Nutzung, Gebäudetyp oder geografische Lage flexibel kombinieren. Die Plattform erlaubt eine gezielte Recherche und liefert gleichzeitig Inspiration. Dabei sind realisierte Projekte, aber auch studentische Entwürfe und Visionen anwählbar. Die meisten Beispiele sind anschaulich mit hochwertigem Bild- und Planmaterial aufbereitet. Besonders bei der Suche nach konstruktiven Details erweisen sich die hier verfügbaren Zeichnungen als äußerst hilfreich. Beim Scrollen wird schnell klar: Holzbau ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der Bauwende. Der Atlas dokumentiert diese Entwicklung in Echtzeit und macht sie sichtbar, vergleichbar und nutzbar. 

Mit dem jüngsten Relaunch wurde der zuvor auf Berlin-Brandenburg begrenzte Atlas auf ganz Deutschland ausgeweitet – mit besonderem Fokus auf kommunale und gemeinwohlorientierte Projekte. Die Erweiterung entstand im Rahmen des Forschungsprojekts "Kommunaler Holzbau", einem Wissens- und Praxistransfer zwischen der TU Berlin und dem Verband des Holzbaus Tschechien (ADMD).