Zirkularität auf dem Campus: Das Weiterleben der Huber-Pavillons

Elias Knecht engagierte sich für die Weiterverwertung der Bauteile der abgerissenen Entwurfsräume an der ETH Zürich. Das Resultat: ein Paradebeispiel für zirkuläres Bauen, das sich unter anderem in Form eines preisgekrönten Pavillons manifestiert. 

Nach über 30 Jahren Nutzung als Studioräume mussten die „Huber Pavillons“ der ETH Zürich 2022 abgerissen werden. Damit einher ging die Frage nach der Wiederverwendung der Baumaterialien. Elias Knecht widmete sich in seiner Masterarbeit dem Thema und verfolgte es nach Abschluss seines Architekturstudiums weiter. Daraus entstand ein zirkuläres Projekt mit Vorzeigecharakter. 

#ToBeContinued präsentiert Abschlussprojekte, die eine Geschichte erzählen: Konzepte, die weiterentwickelt und umgesetzt wurden und den Absolvent*innen einen erfolgreichen Berufseinstieg ermöglicht haben.

Ein Abriss mit Zukunftsperspektive

Im Auftrag von Prof. Benedikt Huber wurden zwischen 1985 und 1991 auf dem Campus Hönggerberg drei temporäre Holzpavillons mit 130 Arbeitsplätzen errichtetet. Diese dienten als Entwurfsräume für die damals steigende Anzahl an Architekturstudierenden. Deren Abriss im Sommer 2022 sollte dem Lebenszyklus der Huber-Pavillons kein Ende setzen, sondern vielmehr ein neues Kapitel aufschlagen – so der Anspruch von Elias Knecht. Seine Masterarbeit „Future Learning Space“ bildete die Grundlage für die Weiterverwertung bzw. Wiederverwendung der abgebauten Materialien. Betreut und unterstützt haben ihn dabei Prof. Momoyo Kaijima vom Chair of Architectural Behaviorology, Gastdozentin und Gründerin des Baubüros in situ Barbara Buser sowie Prof. Catherine de Wolf vom Chair of Circular Engineering for Architecture

Baumaterial, nicht nur Spolie

Elias begleitete und dokumentierte den Abriss von Beginn an. Welche Bauteile können von wem und mit welchen Werkzeugen abgebaut werden? Welche Kosten entstehen dabei, und welcher Materialanteil eignet sich für eine Wiederverwendung? Um möglichst viele Bauteile im Kreislauf zu erhalten, inventarisierte er zunächst die verwendbaren Elemente und stellte sie auf die Bauteilbörse useagain.ch online. Etwa 30 Interessierte reagierten auf das Angebot zur kostenlosen Selbstabholung. So fand ein Teil der geretteten Elemente sofort Verwendung in neuen Bauprojekten.

Mit dem verbleibenden Baumaterial entwarf und baute der Architekturstudent den Mock-Up für einen Re-Use-Pavillon. Auch wenn er das Konzept nicht im Rahmen seiner Masterarbeit umsetzen konnte, erhielt Elias mit Unterstützung des Netzwerks von ETH-Partner*innen – Planungsbüros, Bauunternehmen, Holzlager – die Baugenehmigung für ein Forschungsobjekt auf dem Campus. 

Fortsetzung folgt

Nach Abschluss des Studiums 2023 konnte Elias Knecht das Projekt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ETH weiterführen. 30 Studierende aus den Fachbereichen Bauingenieurwissenschaften, Architektur, Maschinenbau, Informatik und Materialwissenschaften beteiligten sich an dem kollektiven Entwurf und Bau einer neuen Struktur mit dem Restmaterial der Huber-Pavillons. Externe Industriepartner*innen wie baubüro in situ, B3 Kolb und Wick Upcycling unterstützten das interdisziplinäre Unterfangen, betreut von Prof. Momoyo Kaijima und Prof. Catherine de Wolf. Elias übernahm das Projektmanagement. Innerhalb von sechs Tagen errichtete das Team die temporäre Struktur CircÛbi – eine mögliche Antwort auf die vielschichtige Frage der Weiterverwertung von Materialien. Kurz nach Fertigstellung erhielt der neue Pavillon den ArcAward der Schweizer Baudokumentation. CircÛbi wird bis 2025 als Symbol für zirkuläres Bauen auf dem ETH-Gelände stehen.

Zirkularität ist machbar

Die Masterarbeit von Elias Knecht legte den Grundstein für ein zirkuläres Projekt, das sich auf verschiedenen Ebenen weiterentwickelte. Einige Bauelemente fanden in Bauprojekten Verwendung, andere dienten als Ausgangspunkt für den neuen Entwurf. Jedes wiederverwertete Teil trug dazu bei, das jahrzehntelange Narrativ der Huber Pavillons fortzusetzen.