Über Reste: Drei Projekte zur Wiederverwertung
Ob Modellbaumaterial, ausgediente Feuerwehrschläuche oder Agrarreststoffe – Studierende zeigen, wie Abfall zur Ressource und zum Ausgangspunkt innovativer Gestaltung werden kann.
Sammelleidenschaft
Im Architekturstudium stapeln sich oft die Reste: Holz, Pappen, Kunststoffe – doch nach dem Abgabetermin landen sie zu oft im Müll. Am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel setzt die neue Materialbörse REST Stück dem ein Ende. Hier werden Materialien gesammelt, sortiert und wiederverwendet. Unterstützt durch das Green Office, wird das Projekt seit dem Sommersemester 2024 von Studierenden unter Leitung von Prof. Dr. Verena Brehm aufgebaut. In Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel wächst eine Plattform, die Ressourcenschonung lehrbar macht: Neben dem physischen Lager im MakerLab dokumentiert eine Website die verfügbaren Materialien. 42 „Re:Box“-Sammelstationen im Fachbereich ermöglichen das dezentrale Tauschen und Teilen. Experimente mit alternativen Werkstoffen – Kork, Jute, Holzfaserschaum – zeigen, wie Kreislaufdenken schon im Modellbau beginnt. REST Stück ist damit mehr als eine bloße Materialbörse, sondern auch ein Labor für nachhaltige Gestaltungskultur.
Nicht auf dem Schlauch gestanden
Die Architekturstudierenden Bela Mohr, Tim Schifer und Malte Heesen von der Technischen Universität Berlin haben im Entwurfsstudio „Trash as Treasure“ am Fachgebiet Making Matters unter der Leitung von Prof. Anupama Kundoo erforscht, wie sich Abfallmaterialien im Baukontext wiederverwenden lassen. Ausgangspunkt war die Frage, welche Potenziale vermeintliche Abfälle haben, wenn man sie als Ressource betrachten. Nach ersten Experimenten mit unterschiedlichen Materialien aus dem urbanen Raum stießen sie auf ausgediente Feuerwehrschläuche, von denen sie noch mehr von der Berliner Feuerwehr erhielten. Im Maßstab 1:1 entwickelten sie daraus verschiedene Konstruktions- und Verbindungstechniken, um das widerstandsfähige Material neu zu interpretieren.
Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der über 60 Seiten umfassende „Schlauchbauatlas“ – ein anschaulich gestalteter Katalog, der mithilfe von Fotos, Grafiken und kurzen Texten alle erprobten Methoden dokumentiert und zum Nachbauen und Weiterentwickeln einlädt. Mit ihrem Projekt zeigen die drei Studierenden, wie Reuse, experimentelles Bauen und praxisorientierte Forschung bereits im Hochschulkontext beginnen können.
Die Spreu vom Weizen trennen und nutzen
Wie lassen sich regionale Reststoffe zu neuen Baustoffen entwickeln? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Workshop „Bioregionale Baustoffentwicklung“ der HFT Stuttgart. Im Sommersemester 2025 fand dieser unter Leitung von Melissa Acker in Kooperation mit der „Denk- und Macherei“, vertreten durch Stefanie Huthöfer und Peter Gmeiner in der Oberpfalz statt. Das interdisziplinäre Wahlfach, offen für Studierende der Fakultät Architektur und Gestaltung, vereinte Teilnehmer*innen aus Architektur und Innenarchitektur von Bachelor bis Master. Ausgangspunkt war eine Recherche zu lokalen Nebenprodukten der Agrarwirtschaft – etwa Getreidespelzen oder Hanf. Vor Ort wurden daraus Materialproben entwickelt und in Experimenten auf ihre bauliche Eignung getestet. Begleitet von Exkursionen zu einer Mühle und einem Nutzhanffeld entstand eine Sammlung bioregionaler Materialansätze, die während des Workshops zu einer Ausstellung mit Dokumentation und Datenblättern zusammengeführt wurden. Eine Auswahl der Ergebnisse präsentierten die Studierenden im September 2025 im IBA-Raum der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart.