Architektur aus der Tonne: Studio Trash as Treasure
Keine Wegwerfarchitektur: Studierende der TU Berlin sammelten weggeworfene Materialien in der Stadt, interpretierten sie neu und entwarfen daraus Hands-on-Möbel und Raumstrategien.
Was sonst im Müll landet – Baustoffreste, Scherben, Folien, Offcuts – wurde im Studio Trash as Treasure an der TU Berlin zur Ressource. Das Projekt entstand als Zusammenarbeit zwischen den Fachgebieten Architektur und Entwurfsmethoden (Making Matters, Prof. Anupama Kundoo), Bauökonomie/Immobilienwirtschaft (Prof. Kristin Wellner) und Architektur und Tragwerk (Prof. Kerstin Wolff). Im Sommersemester 2025 erkundeten Studierende Straßenecken, Brachflächen und Recyclinghöfe, kartieren Materialien und erzählen ihre Geschichten in Form von Material-Porträts, Fotos und Maßangaben. Dazwischen entwickelte sich mehr als nur eine Idee, die beweist, welche Schätze sich im Müll verbergen.
Ask a Brick: Material mit Stimme
Der Gedanke des bekannten amerikanischen Architekten Louis Kahn wurde im Entwurf wörtlich genommen: Materialien sollen sprechen. In kleinen Gruppen entdeckten Studierende ihre Fundstücke neu – ob biegsam oder starr, weich oder hart – und erprobten sie durch falten, binden, weben, schichten. Das Ergebnis: Möbelstücke im Maßstab 1:1, die der Form des Rohmaterials folgen. Zu den Highlights zählten eine Liege aus alten Feuerwehrschläuchen und eine Hängematte aus ausrangierten Trampolinen, gefunden über „zu verschenken“ auf Ebay Kleinanzeigen.
Objekt, dann Raum
Die Möbelstücke sind dabei keine Selbstzweck-Skulpturen, sondern Ausgangspunkt für die weitere Auseinandersetzung im Entwurf: Reflexion über Eigenschaften wie Plastizität, Elastizität, Steifheit oder Tragfähigkeit wurde zur Grundlage für architektonisches Denken. Ausgehend vom Prototyp entwickelten die Studierenden ihre Ideen in einem 3 × 3 × 3 Meter großen Konzeptvolumen weiter – hin zu Wand, Dach, Raum und deren Zusammenhänge.
Material Moves
Parallel zur praktischen Erkundung entstand eine vergleichende Studie: Ein Material wie beispielsweise Holz, Glas, Beton wurde hinsichtlich Ressourcenherkunft, Produktionsweise, Umweltwirkung und Verfügbarkeit in Deutschland und global analysiert. Der gesamte Materialkreislauf, von Rohstoffgewinnung bis Rückführung, konnte so nachvollzogen werden. Ergänzend führten die Studierenden eine Kostenstudie durch, die den Einsatz unkonventioneller Materialien unter Berücksichtigung von Transport, Verarbeitung und Wiederverwertung ermittelte.
Trash is a Treasure
Trash as Treasure setzte ganz bewusst auf Wiederverwendung statt Neubeschaffung. Es machte Müll zur Ausgangssituation für einen Lernprozess über Material, Raumdenken und soziale Praxis. Doch wie geht es weiter? Oft bleiben Entwürfe zu Weiterverwendung von Wegwerfprodukten in den Kinderschuhen stecken. Inwieweit die Ansätze aus Trash as Treasure skalierbar sind, und ob das Projekt in Zukunft weiterverfolgt wird, bleibt offen.