Lehren mit Lehm: Zukunftslabor im Park

Eine begehbare Skulptur aus Naturlehm zeigt, wie zeitgemäß ein jahrtausendealter Baustoff sein kann. Studierende realisierten sie als Experimentierraum für nachhaltiges Bauen und Impuls für die Transformation des öffentlichen Raums.

Im Architekturstudium erlebt das Bauen mit Lehm eine Renaissance. Die Hochschule Kaiserslautern bekleidet dabei eine Vorreiterrolle. Bereits 2021 setzten Studierende mit dem Workshop „RE.THINK.EARTH“ den Grundstein für Lehmbau. Gemeinsam entwarfen und realisierten sie eine begehbare Skulptur, die als Impuls für die zukünftige Umgestaltung des Jean-Schoen-Parks dient. 

Raum aus Erde

Unter der Leitung von Prof. Brigitte Al Bosta und Prof. Carina Neff arbeiteten rund 30 Teilnehmende aus Architektur, Innenarchitektur und Bauingenieurwesen innerhalb von fünf Tagen an einer zeitgemäßen Stampflehmkonstruktion. Ziel war es, Entwurf, Forschung und handwerkliche Praxis zu verbinden und den traditionellen Baustoff als zukunftsfähige Ressource neu zu denken. 

Im Ergebnis des Workshops stand ein skulpturaler Baukörper aus zwei 60 Zentimeter starken Stampflehmwänden mit integrierten Sitzgelegenheiten. Die Intervention las sich weniger als fertiges Objekt denn als räumlicher Auftakt: ein Ort zum Verweilen, Beobachten und Nachdenken. Die rohe Materialität des Lehms blieb bewusst sichtbar und machte dessen Schichtung, Farbigkeit und handwerkliche Verarbeitung deutlich – ein unmittelbares Lernergebnis im öffentlichen Raum.

DesignBuild in Reinform

Im Sinne des Design-Build-Ansatzes führten die Studierenden den gesamten Prozess eigenständig aus. Sie brachten rund elf Tonnen erdfeuchten Lehm von Hand ein und verdichteten ihn mit pneumatischen Stampfern. Unterstützt wurden die Teams von regionalen Fachbetrieben aus dem Lehmbau- und Holzhandwerk. Das gemeinsame Arbeiten auf der Baustelle förderte nicht nur materialbezogenes Wissen, sondern auch interdisziplinäres Teamwork und ein Verständnis für konstruktive Abläufe jenseits des Zeichentisches.

Schutz durch Detail

Neben der experimentellen Materialarbeit standen konstruktive Fragen im Fokus. Ein Betonsockel schützt die Stampflehmwände vor Feuchtigkeit und Spritzwasser, während Cortenstahlabdeckungen den oberen Abschluss bilden. Auf der Wetterseite sorgen Trasskalkschichten dafür, den Regenwasserabfluss zu verlangsamen und Erosion zu minimieren. Nach der Wintertrocknung traten die charakteristische Textur und Farbigkeit des Lehms deutlich hervor.

„Lehm ist ein Material mit Geschichte – und mit Zukunft“, lautete das Fazit aus dem Workshop. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie traditionelle Bautechniken in eine zeitgemäße, nachhaltige Architekturpraxis übersetzt werden können – nicht theoretisch, sondern gebaut, im Maßstab 1:1.

Lehm im Mainstream

Im Architekturstudium ist Lehm zunehmend Bestandteil der Materiallehre. Projekte wie die Lehmverbunddecke Minimal Mineral oder der gedruckte Pavillon Volta zeigen, dass das natürliche Baumaterial wieder fest im Architekturdiskurs der westlichen Welt verankert ist. Auch unsere letzte Fokus-Ausgabe High on Low-Tech widmet sich der Rückbesinnung auf historische Bauweisen und der Suche nach dem richtigen Maß an Technik.