Brunnen, Forschungsstationen und schwimmende Energiespeicher: der BDB Student*innen Förderpreis
Wenn Wasser die Architektur bestimmt: Die Preisträger*innen des BDB-Student*innen-Förderpreises 2026 stehen schon fest.
Der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) vergab zum 24. Mal den Student*innen Förderpreis. Unter dem Leitthema „Mit dem Wasser planen und bauen“ wurden drei Hauptpreise, zwei Sonderpreise und zwei Anerkennungen ausgesprochen.
Drei Preise, drei Maßstäbe
Im Bereich Gebäude geht der Preis an Alicia Meier von der TU Delft. Ihre Masterarbeit „Can Aigua“ reagiert auf die verschwindenden Wasserkulturen Mallorcas. Meier liest die Insel über ihre historischen Wasserhierarchien und über das ganzjährige Verhältnis der lokalen Bevölkerung zum Wasser. Diese übersetzt sie in Architektur. Das geplante Badehaus wird zum Diagramm des natürlichen Kreislaufs: Es filtert, verdunstet, sammelt und leitet. Das Gebäude fügt sich organisch in die terrassierte Landschaft ein. Für eine überzeugende regionale Verankerung greift Meier auf traditionellen Trockenmauerbau zurück.
Im Bereich Ingenieurbau/Konstruktion überzeugte Luis Navarro Preuß von der Universität Innsbruck mit „SUFES – symbiotic urban floating energy storage“. Seine Abschlussarbeit verbindet schwimmenden Städtebau mit Energiespeicherung. In Amsterdam platziert er einen Tank im Wasser, auf dem gebaut wird. Wird Energie gespeichert, pumpt das System Wasser heraus, und der Gebäudekomplex steigt auf. Bei Bedarf flutet eine Turbine den Tank, erzeugt Strom, und die Struktur sinkt zurück. Das Prinzip der österreichischen Pumpspeicherkraftwerke trifft auf urbane Vision.
Den Preis im Bereich Landschafts- und Städtebau erhält Leonie Hartung von der UdK Berlin. „The River and the Risk“ reagiert auf den Wiederaufbau im Ahrtal nach der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2021. Hartung lehnt erneute Ufernähe und technischen Hochwasserschutz ab. Stattdessen entwirft sie eine imaginäre Zukunftserzählung bis 2124, in der Auen als dynamische Risikozonen verstanden werden. Fiktive Gesetze definieren fünf Bereiche der Flussaue mit jeweils eigenen räumlichen Qualitäten. Eine umfassende Recherche, Interviews und Archivarbeit untermauern die Szenarien.
Sonderpreise: Spekulation und Sinneswahrnehmung
Linus Starmann von der TU Braunschweig erhält einen Sonderpreis für „boi breem 90.0“. Seine Arbeit denkt das Jahr 2050: Die Arktis ist eisfrei, Bremen betreibt eine vollautomatisierte schwimmende Forschungsstation mit über 350 Metern Tiefgang in internationalen Gewässern. Weniger Bauprojekt als spekulatives Szenario, fragt die Arbeit nach den Folgen von Klimawandel und Geopolitik für die gebaute Umwelt.
Enrico Bischoff von der TU Dresden bekommt einen Sonderpreis für „Wasser in der Stadt – eine akustische Annäherung“. Seine Bachelorarbeit untersucht Dresdner Brunnen als Klangkörper. Bischoff dokumentiert sie in Booklets aus Fotografien, Beschreibungen und Klangaufnahmen, ergänzt um eine zeichnerische Klangkartierung. Ein eigens entwickelter Pavillon überführt die Erkenntnisse in einen begehbaren Resonanzraum. Während Wasser im Entwurf meist als Risiko oder Ressource auftaucht, rückt Bischoff seine atmosphärische Dimension nach vorn.
Anerkennungen für integrierte Strategien
Lisa Engel und Kristin Rodemann von der TH Ostwestfalen-Lippe erhalten eine Anerkennung für „Schutz schafft Raum zum Leben“. Ihr Quartiersentwurf macht den Retentionsgraben zum Rückgrat einer Siedlung aus Wohninseln, Stegen und Uferzonen.
Carmina Henzler Carrascal von der UdK Berlin wird für „Rosa Rohre“ ausgezeichnet. Ihre Masterarbeit reaktiviert einen stillgelegten Wasserturm in Neukölln. Eine textile Karte zeigt Berlins historische Wasserinfrastruktur, zwei Audio-Erzählungen aus den Jahren 2045 und 2055 schildern, wie der Turm in ein dezentrales Regenwassersystem eingebunden werden könnte.
Klimaessenziell, trotzdem nischig
Die Einreichungen nutzen Wasser als Gestaltungsinstrument für Spekulation, Forschung und konstruktive Präzision – ein Hinweis darauf, wie offen die Disziplin auf Klimafragen reagieren muss. Zugleich scheint die Auseinandersetzung mit der Ressource eine Nische zu bleiben: Nur rund 150 Arbeiten von 60 deutschen Universitäten und Hochschulen gingen in dieser Runde ein, halb so viele wie bei der 23. Edition. Der Preis ist erneut mit insgesamt 5.200 Euro dotiert.