Schutt oder Chance: Bauschuttrezyklat in Stampflehm
Darlyn Richter und Alin Molavi zeigen in ihrer Masterthesis, wie sich Bau- und Abbruchabfälle zu einem tragfähigen Stampfbaustoff verarbeiten lassen. Dafür entwerfen sie eine Kreislaufstrategie für Berlin-Brandenburg.
Mineralische Bauabfälle: unterschätzte Ressource
Materialstudie Schutt-Stampf-Baustoff
In einer experimentellen Materialstudie testeten wir die Baustoffzusammensetzung aus rezyklierter Gesteinskörnung und bindigem Lehm aus Baustellenaushub für einen tragfähigen Schutt-Stampf-Baustoff aus 100%-Recycling-Material. In mehreren Prüfserien haben wir Stampfmischungen aus Bauschutt-Rezyklat verschiedener Korngrößen mit Lehm hergestellt. Die Prototypen wurden unter normgerechten Verfahren auf ihre Korngrößenverteilung, ihre Rohdichte und ihr Schwindverhalten untersucht und über den einaxialen Druckfestigkeitstest auf ihre Tragfähigkeit geprüft. Das Ergebnis: Mehrere Mischungen erreichten den praxisrelevanten Schwellwert von 2 N/mm² und damit die Tragfähigkeit, die für tragenden Stampflehm erforderlich ist.
Unser Experiment leistet damit eine fundierte Grundlage für die architektonische und bautechnische Weiterentwicklung eines ressourcenzirkulären Schutt-Stampf-Baustoffs, der den Materialkanon des Hochbaus erweitern könnte.
Urbane Implementierungsstrategie: Theorie trifft Praxis
Angesichts der zunehmenden Diskrepanz zwischen globalem Rohstoffbedarf und der Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen gewinnen urbane Räume als sekundäre Rohstoffquellen strategisch an Bedeutung. Unser Konzept schlägt eine systemisch gedachte, kreislauforientierte Strategie für die Etablierung des Schutt-Stampf-Baustoffs im Hochbau vor: Abbruchmaterialien werden lokal gesammelt, aufbereitet und in geschlossene Materialkreisläufe geführt, wodurch das urbane Rohstofflager dynamisch erschlossen werden kann.
Berlin als Labor
Die Region Berlin bietet dafür die besten Voraussetzungen: Über 140 Abbruchunternehmen und 37 Aufbereitungsanlagen bilden ein dichtes Netzwerk und eine infrastrukturelle Grundlage für eine lokal gebundene, emissionsarme Wiederverwertung. Recyclinghöfe können die Schnittstelle zwischen Rückbau, Materialaufbereitung und Vertrieb sein. Digitale Prozessketten und Vorfertigungstechniken erhöhen die Effizienz und schaffen die Grundlage, Sekundärrohstoffe in einem ganzheitlichen Materialkreislauf im Hochbau wiederzuverwerten.
Bauschutt ist kein Abfall, sondern eine Ressource. Der Schutt-Stampf-Baustoff eröffnet neue Perspektiven für eine nachhaltige Architektur und könnte helfen, Materialkreisläufe konsequent zu schließen.