OutoftheNetz: Architektur im digitalen Archiv

Was geschieht mit Semesterprojekten nach der Endkritik? Eine wachsende Zahl von Instagram-Accounts bewahrt studentische Arbeiten, feiert den Entwurfsprozess und macht aus sozialen Medien lebendige Archive.

Mittlerweile gibt es in den Untiefen des Internets kuriose Informationsarchive zu architekturbezogenen Themen. In unserer Reihe OutoftheNetz präsentieren wir Netzfundstücke, die einzigartige Sammlungen zu speziellen Themen bieten.

Jedes Semester entstehen an Architekturfakultäten Pläne, Visualisierungen und Modelle – die meisten verschwinden nach der Endpräsentation. Auf Instagram hat sich eine Gegenkultur entwickelt: Accounts, die studentische Arbeiten sammeln, kuratieren und dauerhaft zugänglich machen. Manche zeigen die polierten Ergebnisse, andere das Unfertige dahinter – Skizzen, Arbeitsmodelle, Prozesse. Drei davon stellen wir hier vor.

 

Globale Schaufenster

Gegensätzlich zur digitalen Darstellung widmet sich der Account models_architecture ausschließlich physischen Architekturmodellen. Die 2010 von Joël Fernandes gegründete Plattform versteht Modelle nicht nur als Präsentationsmittel, sondern als eigenständige Entwurfswerkzeuge. Kuratiert werden Arbeiten, die durch architektonische Qualität, Materialvielfalt und handwerkliche Präzision überzeugen. Perspektivisch soll aus dem Account ein durchsuchbares Web-Archiv sowie eine Plattform für Ausstellungen und Publikationen entstehen.

 

Analoge Prozesse digitalisiert

Neben den Schaufenstern perfekter Endergebnisse etablieren sich Plattformen, die den Entwurfsprozess in den Mittelpunkt stellen. 2022 gegründet von Christian Sternhagen und Jonathan Burkard, entstand arch&krach aus dem Wunsch, studentische Arbeiten über die Semesterpräsentation hinaus sichtbar zu machen. Ihr Name ist Programm: Während „arch“ für den fertigen Entwurf steht, umfasst „krach“ das kreative Rauschen drumherum – Skizzen, Texte und Experimente. Die Kuration folgt keiner einheitlichen Ästhetik, sondern sucht nach Projekten, die eine klare Haltung zeigen oder ungewöhnliche Perspektiven eröffnen. Dass ihre digitale Arbeit auch physische Relevanz besitzt, zeigt der Sprung in die reale Welt: Neben einer ersten Printausgabe planen die Macher das Format „arch&krach – on the road", um die Sammlung direkt an Hochschulen zu bringen und vor Ort Diskussionen über unterschiedliche Arbeitsweisen anzustoßen.

 

Plädoyer für das Handwerk

Einen noch stärker methodisch geprägten Ansatz verfolgt achv.004. Als digitales Archiv des Arbeitsraums 004 am Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserslautern entstand die Initiative, weil universitäre Veröffentlichungen oft  verstreut und digital nicht mehr zeitgemäß waren. Heute geführt von Tobias Becker, hat sich achv.004 zu einem bewussten Plädoyer für das Analoge entwickelt: Stift, Papier, krakelige Skizzen und das klassische Arbeitsmodell stehen im Vordergrund. Der Account besetzt eine Nische, die im von Hochglanz-Renderings dominierten Diskurs oft zu kurz kommt. Er fragt: Verliert die Fachwelt durch ihren Fokus auf Perfektion das Grundhandwerk aus den Augen?

 

Vom digitalen Feed zum realen Diskurs

Alle drei Projekte zeigen, wie Instagram den akademischen Austausch erweitert. Während große Accounts die ästhetischen Highlights der weltweiten Architekturausbildung abbilden, schaffen kleinere Plattformen Räume für das Unfertige und den analogen Entwurfsprozess. Sie sind mehr als ein "Ästhetik-Feed" – sie sind eigenständige Archive einer neuen Generation.