Raumlabor in Frankfurt am Main: Neue Professur für Benjamin Foerster-Baldenius

Benjamin Foerster-Baldenius hat als erster Professor für das neugeschaffene Fach „Cohabitation“ am 01. April 2022 seine Stelle an der Städelschule in Frankfurt am Main angetreten.

Städelschule

jm | 13.05.2022

„Cohabitation“ ist in aller Munde – und die Frankfurter Städelschule widmet dem wichtigen Thema ab Sommersemester 2022 gleich eine neu eingerichte Klasse. Als erster Professor des Fachs betreut Benjamin Foerster-Baldenius die Studierenden rund um die Zukunftsfrage des Zusammenlebens auf einem beschädigten Planeten. Der Ansatz von Foerster-Baldenius basiert auf Interdisziplinarität. Wichtige Leitfragen des Kurses sind: Welches Verhältnis hat der Mensch zu allen anderen Lebensformen der Erde, welche Arten der Kommunikation gibt es untereinander und nicht zuletzt, wie kann sich das in einer räumlichen Praxis niederschlagen?

Vita

Benjamin Foerster-Baldenius studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin, der Universität der Künste Berlin sowie an der Royal Danish Academy of Arts in Kopenhagen. Vor seinem Antritt an der Städelschule hatte er bereits Professuren an der Akademie für Kunst, Architektur und Design Prag (VSUP), der Folkwang Universität der Künste Essen und der Royal Academy of Arts Den Haag inne. 

Lust am Experiment

Foerster-Baldenius versteht sich selbst als „darstellender Architekt“ und überschreitet damit die Grenzen des klassischen Berufsbildes. Die Inszenierung von Situationen spielt für ihn dabei eine ebenso große Rolle wie das Entwerfen von physischem Raum. So realisiert er neben Ausstellungen und Plätzen beispielsweise auch Szenografien und Dramaturgien für die Bühne. Zusammen mit seinem Berliner Kollektiv raumlabor betreibt er eine Raumpraxis, die sich bewusst von der konventionellen Bauindustrie abgrenzt. Profite und der Immobilienmarkt sind für die raumlabor Akteur*innen von untergeordnetem Interesse.  In einem ehemaligen Regenauffangbecken entwickelte das Kollektiv zum Beispiel den performativen Lernort Floating University Berlin, der als Bühne für den transdisziplinären Austausch der Beteiligten dienen soll. Dort finden seit 2018 Workshops zu Nachhaltigkeitsthemen statt. Das bei raumlabor praktizierte experimentelle und unorthodoxe Suchen nach neuen Konzepten für das Zusammenleben hat inzwischen auch internationale Aufmerksamkeit erregt. 2021 erhielten Foerster-Baldenius und seine Mitstreiter*innen dafür den Goldenen Löwen auf der Biennale Architettura in Venedig.

Lehrkonzept

Benjamin Foerster-Baldenius äußert sich zu seinen Vorstellungen für die Lehre:

„Raum ist das Produkt sozialer Interaktion, Gebäude sind heute nur noch Produkte des Marktes. Architekten sind aber nicht nur zwischen diesen beiden diametralen Auffassungen ihrer Praxis gefangen, sie müssen sich auch noch um den CO2-Fußabdruck, die Herkunft des investierten Geldes, die urbane Umwelt, nichtmenschliche Leidtragende ihres Entwurfs, politische Machtstrukturen und ihr eigenes Leben kümmern. Ich glaube, dass der Weg, der durch diesen Dschungel von Parametern zu einer resilienten, architektonischen Praxis führt, die Räume des glücklichen Zusammenlebens entwirft, nur in Zusammenarbeit gefunden werden kann.“ Benjamin Foerster-Baldenius

Mit dem Start der „Cohabitation“-Klasse soll die Stadt Frankfurt am Main als Versuchsfeld in das akademische Labor mit einbezogen werden. Wie die Rektorin der Städelschule Prof. Yasmil Raymond betont, decke sich Foerster-Baldenius' Drang zum Experimentieren und unkoventionellem Denken mit dem der Studierenden.