Wohnen überm Supermarkt: Die Ergebnisse des JOANES-Preises 2024/25

Die Berliner JOANES Stiftung rief im Wintersemester 2024/25 Architekturstudierende auf, Ideen für einen prototypischen genossenschaftlichen Wohnungsbau zu entwickeln. Nun stehen die Preisträger*innen fest.

Mit dem JOANES-Preis 2024/25 beabsichtigte die gleichnamige Stiftung, einen realisierbaren Prototyp für genossenschaftliches Wohnen über einem Supermarkt zu entwickeln – in Kooperation mit der ältesten Berliner Baugenossenschaft (bbg). Obwohl anfangs umstritten fand der Wettbewerb, kombiniert mit Werkstattverfahren und der Aussicht auf Realisierung, großen Anklang: 646 Studierende aus 63 Hochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg beteiligten sich. Insgesamt gingen 195 Entwürfe ein – die Jury prämierte vier davon. 

Wohnträume über dem Supermarkt

Der Entwurf „Schichtsalat“ von Henny Krätzschmar und Ludwig Schwarz (TU Dresden) gewann den ersten Preis mit Empfehlung zur Weiterentwicklung für eine Realisierung. Die Jury lobte die klare Struktur, die differenzierte Auseinandersetzung bezüglich der Nachbarschaft und die durchdachte städtebauliche Einbettung. „Schichtsalat“ nutzt das Grundstück komplett und verbindet zwei Wohnzeilen über einer gemeinschaftlichen Gartenterrasse, wobei verschiedene Wohntypen und werkstattartige Räume soziale Interaktion fördern. Betreut wurde das Projekt von Prof. Katharina Löser und Prof. Johannes Lott.

Den zweiten Preis erhielt das Projekt „Stadtfransen“ von Viktor Kalinov und Ferdinand Storjohann (TU Berlin). Der Entwurf hinterfragt die Schnittstelle zwischen Peripherie und Zentrum und schlägt ein flexibles, anpassbares System genossenschaftlichen Wohnens vor. Vier Volumina auf einem Sockel und eine kleinteilige Typologie mit gemeinschaftlicher Dachfläche bieten variable Wohnformen.

3. Platz:

Der dritte Preis ging an „Wolpertinger“ von Henrike Gosda und Felix Iburg (Bauhaus-Universität Weimar). Das Projekt überzeugte mit einer spielerischen, zugleich präzisen Typologie, die Vielfalt im Wohnen ermöglicht und Nachbarschaft neu interpretiert: Der kompakte, leicht gedrehte Baukörper schafft öffentliche Plätze und Zwischenzonen, ist jedoch stark auf den Standort zugeschnitten. 

Mit dem vierten Preis ausgezeichnet wurde außerdem das Projekt „InViva“ von Marija Sopova und Michael Zubko (FH Münster). Der Entwurf präsentiert einen großen Wohnriegel mit zentralem Treppenhaus, begehbarem Dach, Gewächshäusern und Hofgarten und erzeugt so eine urbane, grüne Atmosphäre; hier sind Privatsphäre, Mobilitätskonzept und Sichtbeziehungen noch zu prüfen.

Die Qual der Wahl

Die Entscheidung fiel in der zweiten Jurysitzung am 12. September 2025. Acht Fachleute aus Architektur, Ingenieurwesen, Genossenschaftswesen und Immobilienwirtschaft – darunter Vertreterinnen der bbg – diskutierten intensiv über die eingereichten Projekte. Die Jury legte besonderen Wert auf die Umsetzbarkeit, ohne die konzeptionelle Stärke der Entwürfe zu verlieren. Zwischen Wettbewerbs- und Preisentscheidung fand eine zweistufige Werkstattphase statt. Vier ausgewählte Teams arbeiteten mit Expert*innen aus Architektur, Bauwirtschaft und Genossenschaftswesen an der Schärfung ihrer Konzepte. Im Austausch mit Vertreter*innen einer großen deutschen Supermarktkette konnten sie Fragen zur Realisierbarkeit klären – von Brandschutz bis Haustechnik.

Wie geht es weiter?

Das Ziel ist klar: Die bbg will den Siegerentwurf „Schichtsalat“ in Zusammenarbeit mit dem studentischen Team und renommierten Partner*innen realisieren. Damit könnte der JOANES-Preis zu einem der wenigen studentischen Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum werden, dessen Ergebnisse wirklich gebaut werden – ein starkes Signal für die Zukunft genossenschaftlicher Wohnmodelle.

Die Preisverleihung des JOANES-Preises findet statt im Aedes Architekturforum am 04. November 2025 um 19:00 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Arbeiten der studentischen Teams zu feiern. Auch weitere bemerkenswerten Entwürfe werden dort gewürdigt und ausgestellt. Eine Voranmeldung wird erbeten.