Wenn KI mitplant: Der EINZ-Pavillon
Ein Pavillon, der zeigt, was Technik kann – und was Architekt*innen noch selbst entscheiden müssen.
Können Architekt*innen mit Methoden der Künstlichen Intelligenz nachhaltigere Bauweisen entwickeln? Seit 2023 untersucht das Forschungsprojekt „EINZ – Experimentalbau für Innovationen und Zirkularität“ an der Fachhochschule Dortmund und der Hochschule Bochum diese Frage. Initiiert von Prof. Volker Helm (FH Dortmund) und Prof. Sven Pfeiffer (HS Bochum) erforscht das Projekt, wie KI den Entwurfsprozess unterstützen kann und zugleich die Verwendung von Restmaterialien ermöglicht. Das Ergebnis? Ein leichter, offener und vollständig rückbaubarer Pavillon, der vom 8. Oktober 2025 bis April 2026 auf dem Campus der FH Dortmund (Fachbereich Architektur) ausgestellt wird.
KI verstehen, nutzen und weiterentwickeln
Anders als viele Pavillons, die wir bisher auf BauNetz CAMPUS vorgestellt haben, etwa der KIDE-Pavillon oder der PoliNature-Pavillon, rückt bei EINZ nicht das Material, sondern der digitale Entwurfsprozess in den Vordergrund. Von Anfang an war das Projekt darauf ausgelegt, computerbasierte Methoden wie generative Planungswerkzeuge, Virtual Reality und KI einzusetzen, um gefundene Materialien aus Restbeständen zu nutzen.
Zunächst trainierten die Forschenden gezielt bildbasierte KI-Modelle mit Informationen zu dem gewählten Materialsystem – bestehend aus Bewehrungsstählen – sowie mit einer zuvor entwickelten Konstruktionslogik. Auf Grundlage von Texteingaben (Prompts) generierte die KI anschließend Vorschläge, die zugleich die zu verbauenden Materialien, den Kontext des Baufeldes und den Aufbau von gewölbeartigen Raumtragwerken berücksichtigten. Diese Bildreihen wurden von den Planer*innen hinsichtlich Umsetzbarkeit, Detailtreue und Proportionen bewertet. Daraus ergaben sich neue Trainingsgrundlagen und optimierte KI-Modelle. Diese Feedback-Schleife wurde mehrfach wiederholt, bis die vielversprechendsten Varianten in ein 3D-Modell überführt wurden. Aus diesen Modellen ließen sich im nächsten Schritt fertigungsspezifische Informationen wie Biegewinkel der Stäbe, Längen und Positionen ableiten. Ein Tagging-System ordnete jedem Stahlstab seine jeweilige Position im Gesamtsystem zu. So entwickelte sich aus den generierten Bildentwürfen schrittweise eine baubare und effiziente Struktur.
Zwischen Algorithmus und Realität
In einer Werkshalle sortierte das Projektteam die Stäbe, schnitt sie auf Maß, markierte, bog und verschweißte sie zu Modulen. Die Montage der Module wurde zusätzlich durch Augmented Reality unterstützt – zuerst in der Halle, später am Aufbauort. Parallel dazu bereiteten sie die weiteren Elemente vor: 3D-gedruckte Halterungen, Membran zur Füllung einzelner Elemente des Raumtragwerkes, organische Photovoltaik-Module (OPV) und LED-Streifen. Parametrische Werkzeuge halfen dabei die Planung und den Aufbau zu optimieren. Außerdem sind alle Bauteile vollständig rückbaubar, trennbar und reparaturfähig.
KI hilft, Architekt*innen entscheiden
Am Ende steht eine fertige Struktur, die sich leicht zwischen die Bäume des Campus einfügt. Auf drei Punkten aufgeständert und zu zwei Seiten offen, schafft der Pavillon einen Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität. Tagsüber sammelt er Energie, abends verwandelt er sich in eine atmosphärische Lichtskulptur.
EINZ zeigt: Wir müssen lernen, KI gezielt einzusetzen. Sie kann monotone Aufgaben übernehmen, Strukturen berechnen und Formen visualisieren – die kreativen Entscheidungen aber bleiben bei uns. Uns ersetzen? Noch lange nicht! Entwerfen erfordert immer noch menschliches Gespür – das feine Verständnis dafür, wie sich ein Raum anfühlt, wie sich Menschen darin bewegen, und wie Architektur emotional wirken kann.