Ein Eiskristall aus Holz: Der KIDE-Pavillon in Kuhmo

Zwischen Entwurf, Handwerk und Vorfertigung: Zum 30. Jubiläum des Wood Programs realisierten Studierende der Aalto University einen nutzungsoffenen Holzpavillon für besondere und alltägliche Aktivitäten.

Im finnischen Kuhmo errichtete das Wood Program der Aalto University im Studienjahr 2023/24 eine dauerhafte Holzstruktur. Der KIDE-Pavillon bietet einen überdachten Open-Air-Bereich für Konzerte, Festivals und den Wochenmarkt. Der Entwurf vereint forschendes Gestalten, präzises Handwerk mit der interdisziplinären DesignBuild-Methode, die das Wood Program seit über 30 Jahren prägt. Geleitet wurde das Projekt von Pekka Heikkinen, Laura Zubillaga, Dario Vidal und Tragwerksplaner Mauri Konttilla, unterstützt von 17 Masterstudierenden aus Architektur, Design und Ingenieurwesen. 

Ein Eiskristall für Feste und Markt 

Der Pavillon entstand aus einem konkreten Bedarf der 8.000-Einwohner-Stadt, 600 Kilometer nördlich von Helsinki. Kuhmo, bekannt für Forstwirtschaft und internationale Musikfestivals, brauchte eine wettergeschützte Struktur für Veranstaltungen auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus. Gemeinsam mit der Stadt entwarf das Team des Wood Programs einen Pavillon, der Bühne und Treffpunkt zugleich ist. Der Name „Kide“ – finnisch für Eiskristall – spiegelt die filigrane Form wider: Die Konstruktion greift die fraktale Geometrie von Schnee auf und übersetzt sie in eine dichte Holzstruktur. 

Holzbau 1:1 im interdisziplinären Team 

Wie alle Projekte des Wood Programs war auch KIDE das Ergebnis eines DesignBuild-Studios. Nach einer dreimonatigen Einführung mit Material- und Konstruktionsübungen entwickelten die Studierenden individuelle Entwürfe. Gemeinsam mit der Stadt wählte das Team einen Vorschlag aus, den die Gruppe weiter ausarbeitete. In rotierenden Teams arbeiteten die Studierenden an Entwurf, Tragwerk, Details und Fertigung. So übernahm jede*r Verantwortung in verschiedenen Projektphasen. Modelle im Maßstab 1:20 bis 1:1 und strukturelle Tests begleiteten den Prozess. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Gruppe und die Zusammenarbeit mit der Bauingenieur*innen-Abteilung gehörten zu den zentrale Bestandteilen des didaktischen Konzepts. 

Made in Helsinki, gebaut in Kuhmo

Die Werkstätten der Aalto University dienten als Produktionsort für den Pavillon. Acht ineinander verschränkte Brettschichtholz-Fachwerke bilden das tragende Gerüst, ergänzt durch vorgefertigte LVL-Dachelemente. Besonders anspruchsvoll waren die Verbindungen der sieben Meter weiten Auskragung. Die Konstruktion ruht auf zwei Punkten und überspannt den Platz, der sich darunter bildet. Eine transluzente Metallgitterhülle macht die Tragstruktur sichtbar. 

Das Team transportierte die vorgefertigten Teile nach Kuhmo und montierte sie innerhalb von zehn Tagen mithilfe eines Krans. Während des Austauschs mit Laura Zubillaga stellten wir uns die Frage nach der Vertretbarkeit des Transports von Helsinki in eine holzverarbeitende Region. Sie erklärte, dass die technische Ausrüstung der hochschuleigenen Werkstätten für die nötige Präzision unverzichtbar war.

Wood Program – lernen durch bauen

Das Wood Program der Aalto University kombiniert seit über 30 Jahren architektonisches Entwerfen mit praktischer Umsetzung. Es richtet sich an Studierende und Fachleute, die sich auf Holzbau spezialisieren möchten. Jährlich entsteht ein reales Bauprojekt – vom Pavillon bis zum Wohnhaus. KIDE markiert das 30. Jubiläumsprojekt und steht exemplarisch für den Ansatz des Programms: Mit Holz entwerfen, experimentieren und bauen – im Maßstab 1:1 und mit Blick auf eine langfristige Nutzung.