Wastelandia: Wasser- und Holzpavillon für eine urbane Brache
Studierende entwickelten im Studio „Experimental Creation“ zwei Festivalpavillons, die das Brachland am Baakenhöft in Hamburg zum Resonanzraum für Erinnerung und Imagination machen sollten.
Im Sommer 2025 realisierten Erstsemester der Architektur an der HafenCity Universität Hamburg unter der Leitung von Prof. Michael Hirschbichler zwei temporäre Festivalarchitekturen für das von Studierenden initiierte Headland Festival. Auf dem Baakenhöft – einer ehemaligen Hafen- und Industriefläche östlich der Norderelbe – entstand Wastelandia, ein Holz- und Wasserpavillon. Mit künstlerisch-architektonischen Methoden sollte die Brache zum Ausgangspunkt räumlicher Erkundung werden.
Die Brache als methodischer Rahmen
Die Studierenden sollten die Brache nicht als Defizit, sondern als vielschichtige Landschaft betrachten und analysieren. Vegetative Selbstüberlassung, industrielle Relikte und die Abwesenheit funktionaler Programme sollten als zeitliche und materielle Sedimente gelesen werden, die räumliche Antworten herausfordern. Dabei kam die künstlerische Methode „Arts of Listening“ zum Einsatz: ein multisensorischer Ansatz, bei dem Skizzen, Fundstücke, Tonaufnahmen und körperliche Präsenz zum Werkzeug des Wahrnehmens werden.
Vom Sammeln zum Bauen
Der Entwurfs- und Bauprozess folgte einer DesignBuild-Strategie in fünf Etappen. Im Schritt „Collecting a Site“ sammelten die Studierenden Materialien und Eindrücke aus dem Baakenhöft und anderen urbanen Brachen. „Reassembling a Wasteland“ verdichtete diese Funde zu Assemblagen, die Atmosphären und räumliche Rhythmen des Ortes erforschten. In „Imagining a Festival“ wurden diese Strukturen als Ausgangspunkte möglicher Handlungen und kollektiver Rituale interpretiert. Die folgenden Phasen – „Designing“ sowie „Detailing & Building“ – führten über gemeinsame Entscheidungsprozesse zur Auswahl zweier Pavillonentwürfe, die im Juli 2025 vor Ort errichtet wurden.
Konstruktion und Skulptur
Der Holzpavillon kombiniert Dachstuhlreste mit wild gewachsenen Baumstämmen aus Hamburger Forsten. Die eine Hälfte folgt traditionellen Zimmermannstechniken, die andere ist mit Schraubenverbindungen zu einem waldähnlichen Gefüge aus organischen Stämmen und Ästen konstruiert. Beide Teile verschmelzen entlang des Firsts zu einer Struktur, die Ordnung und Unvorhersehbarkeit vereint.
Im Wasserpavillon haben die Teilnehmenden hingegen vorgefundene Stahlelemente für einen runden Versammlungsraum genutzt. Im Zentrum schwebt eine vernebelte Wolke aus gefiltertem Elbwasser, die eine fragile, atmosphärische Schicht bildet. Sie spielt mit Gegensätzen wie Stabilität und Flüchtigkeit, Metall und Wasser, Dauer und Veränderung.
Beide Konstruktionen sind reversibel, ressourcenschonend und ortsbezogen. Aktiviert durch ein transdisziplinäres Programm des Headland Festivals wurde Wastelandia schließlich auch für Besucher*innen geöffnet und diente als „Ritualraum“ zwischen Feier und Trauer, Stillstand und Erneuerung.