Vom Kleid zum Raum: Die Installation „(Ge)wand“

Während der Kollisionswoche 2026 entwickelten Studierende aus 707 ausrangierten Kleidungsstücken die Installation „(Ge)wand“. Die textile Raumstruktur ist derzeit im Kunstgewerbemuseum Berlin zu sehen.

Was passiert mit Kleidung, nachdem wir sie aussortieren? Mit dieser Frage beschäftigten sich 20 Studierende aus Architektur, Modedesign und Visueller Kommunikation während der Kollisionswoche 2026 an der Universität der Künste Berlin. Vom 5. bis 9. Januar entwickelten sie im interdisziplinären Kurs von Prof. Christoph Gengnagel, Prof. Waldemar Kraus und Paula Keilholz die Installation „(Ge)wand“. Innerhalb einer Woche verwandelten sie ausrangierte Kleidung in eine textile Raumstruktur, die derzeit im Eingangsbereich des Kunstgewerbemuseums Berlin ausgestellt ist.

Was ist die Kollisionswoche?

Die Kollisionswoche der UdK findet jedes Jahr in der ersten Januarwoche statt und gilt inzwischen als zentrales transdisziplinäres Format der Hochschule. Rund 400 Studierende und etwa 40 Lehrende aus allen Studiengängen arbeiten gemeinsam an experimentellen Projekten. Unterschiedliche Disziplinen treffen hier bewusst aufeinander – Architektur begegnet Mode, Design trifft Kunst, Theorie verschmilzt mit Praxis. 

Vom Kleidungsstück zum Raumkörper

Arbeitsort war das Kunstgewerbemuseum Berlin. Zwischen historischen Objekten aus Kunst, Design und Mode fertigten die Studierenden hier eine temporäre Architektur aus Stoff an. Für das Projekt stellte der Textilhafen der Berliner Stadtmission nicht mehr verwertbare Stücke zur Verfügung – Materialien, die normalerweise aus dem Kreislauf fallen.

Die Installation besteht aus insgesamt 707 Kleidungsstücken: 101 Kopfbedeckungen, 51 Jacken, 237 Tüchern, 57 einzelnen Socken, 28 Teilen Unterwäsche, 53 Oberteilen, 70 Hemden, 4 Bettlaken, 20 Accessoires, 21 einzelnen Handschuhen und 65 Hosen.

Durch das Zusammenfügen dieser Fragmente entstand eine 11,50 × 4,50 Meter große textile Wandstruktur. Stoffe überlagern sich, hängen, falten sich und öffnen immer wieder Durchblicke. So wuchs aus den einzelnen Kleidungsstücken ein dichter, räumlicher Körper. 

(Ge)wand Kollisionen, Kurzfilm

Wohin verschwindet unsere Kleidung?

Die Installation zeigt, was sonst unsichtbar bleibt: Die enorme Menge an Kleidung, die zirkuliert, transportiert, sortiert und schließlich entsorgt wird. Dabei wirft das Projekt unbequeme Fragen auf: Wem gehört eigentlich der Textilabfall einer Stadt – und wer trägt Verantwortung dafür? 

Was glaubst du, passiert mit deiner alten Kleidung?