Seufzende Türen und eine freche Zunge: Ars Electronica Festival 2025
Drei Meter hohe Schiebetüren, die seufzen, lachen und singen, eine Zunge, die frech an Fenstern leckt - und viele weitere Installationen fordern das Publikum auf dem Campus-Festival heraus.
Seit vielen Jahren macht die Kunstuniversität Linz im Rahmen des Ars Electronica Festivals ihren Campus in der Innenstadt zum Ausstellungsareal. Von hier aus wandert das Programm in die Stadt und verwandelt diese in ein Labor für Medienkunst und Architektur. Vom 2. bis zum 7. September 2025 öffneten Studierende und Lehrende den Campus – mit Performances, Diskursen und Installationen, kostenlos zugänglich für alle. Besucher*innen trafen auf ungewöhnliche Interventionen: Schiebetüren, die den Stadtraum rhythmisieren, eine animierte Zunge, die am Infopoint auf Passant*innen reagierte, oder den „Fantomat“, einen androidartigen Automaten, der für weitere Irritationen sorgte. Über allem stand das Festivalmotto "PANIC – yes/no", das die drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ins Zentrum rückte.
Alles. Immer. Offen.
Wir alle kennen automatische Schiebetüren aus Shopping-Malls. Sie versprechen Zugänglichkeit, markieren eine scheinbar offene Schwelle – und führen doch in eine Öffentlichkeit, die letztlich Markt bleibt. Doch was geschieht, wenn sie nicht mehr den Konsumfluss regulieren, sondern Offenheit als gesellschaftliche Praxis inszenieren?
Genau hier setzte die interaktive Installation „Alles. Immer. Offen.“ an. Auf dem Linzer Hauptplatz errichteten Paul Eis (MArch 2024), Kuratorin Prof. Manuela Naveau und ihr Team drei überdimensionale Schiebetüren, die mit dem Publikum in Form von Klängen, Geräuschen und Texten in Kommunikation traten. Alltägliche Bewegungen verwandelten sich so in ein Spiel mit Raum und Wahrnehmung: Mal öffneten sich die Türen abrupt, mal zögerten sie – und führten so einen subtilen Dialog mit den Besucher*innen. Zudem blieb die Konstruktion bewusst leicht, modular und transparent. Selbst der Boden hob sich leicht an, sobald jemand den Sensorbereich betrat, wodurch der Moment des Durchschreitens intensiviert wurde. Außerdem sind alle Bauteile wiederverwendbar: Die Türen samt Antrieb gehen zurück an den Hersteller, der Rest wandert in die Werkstätten der Kunstuniversität.
Ein Turm ohne Aussicht
Schon im Jahr zuvor setzten Paul Eis und Max Meindl mit dem „Lynkeus Turm" ein starkes Zeichen am Linzer Hauptplatz. Der temporäre Bau erhob sich 18 Meter hoch und führte die Besucher*innen über einen abgedunkelten Tunnel hinauf zu einer Plattform. Doch anstelle eines Panoramablicks über die Stadt erwartete sie eine Reflexion ins Unendliche: unzählige Spiegelungen des eigenen Ichs. Der Turm wurde damit weniger zu einem Aussichtspunkt als vielmehr zu einem Ort der Selbstbefragung. Ein Turm ohne Aussicht, der keine Macht demonstriert, sondern uns dazu bringt, über unser eigenes Sehen nachzudenken: Wie blicken wir auf die Welt? Und was wollen wir überhaupt sehen?
Zwischenräume sichtbar machen
Die Leitfrage des Festivals – PANIC – yes/no – bringt die Ambivalenz unserer Zeit auf den Punkt: Alarmismus oder Gelassenheit? Stillstand oder Handlung? Gerade hier setzt die Kunst an. Sie öffnet Zwischenräume, in denen Perspektiven aufeinandertreffen, sich reiben und neue Sichtweisen hervorbringen. In dieser Offenheit liegt die eigentliche Qualität des Festivals: Stadt wird nicht nur bespielt, sondern zum Resonanzraum, in dem die Gegenwart selbst zur Verhandlung steht.