Open Resource: Masterarbeit zur Suche nach Zirkularität im Architekturstudium
Linus Werner setzt sich in seinem Abschlussprojekt kritisch mit dem ressourcenintensiven Modellbau im Architekturstudium auseinander. Ausgehend von eigenen Erfahrungen an der TU Berlin untersucht er, wie räumliche, materielle und soziale Infrastrukturen zur Entwicklung einer zirkulären Architekturlehre beitragen können.
Anstatt vor der gewaltigen Aufgabe zu kapitulieren, die Transformation der Baubranche zu bewältigen, setzt meine Masterarbeit bei uns selbst an: bei unserer kleinen Architekturproduktion. Unser verschwenderischer Umgang mit Ressourcen zeigt sich schon im Kleinen – in der Materialschlacht des Modellbaus. Wenn wir in der Lehre nicht lernen, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, wie sollen wir es später in der Praxis besser machen? Ziel meiner Arbeit ist es, lineare Materialströme in ein zirkuläres System zu überführen – mit dem Modellbau als Experimentierfeld. Ausgehend von meinen Erfahrungen am Institut für Architektur (IfA) der Technischen Universität Berlin untersuche ich, wie räumliche, materielle und soziale Infrastrukturen Impulse für eine kreislaufgerechte Architekturlehre geben können. Dabei stelle ich die Frage: Wie kann unser Architekturgebäude selbst zum Prototyp des Wandels werden?
Chapter A – Material Encounters
Wie wird aus dem Ende ein Anfang? Und wie denkt man am Anfang schon ans Ende? Ausgangspunkt meiner Suche ist eine selbst initiierte Sammlung von Restmaterialien im und um das Architekturgebäude. Das Sammeln wird zur Methode: Es dient als Zugang zum Material und als experimentelle Annäherung an das Thema zirkulären Bauens. Im Selbstversuch erfasse ich unseren Materialverbrauch – durch Analyse, Beobachtung und Inventur. Die Dokumentation des Prozesses wird Teil meiner Arbeit: Tagebücher, Modelle, Fotos und Mappings begleiten und reflektieren den Weg. Dabei zeigt sich die Infrastruktur als entscheidender Faktor für Wiederverwendung – zwischen vergangener und zukünftiger Nutzung.
Chapter B – Investigating the System
Ich betrachte das Architekturgebäude als lebendigen Organismus: Wie bewegen sich Materialien durch das System? Wer sind die Akteur*innen? Welche räumlichen oder organisatorischen Strukturen fördern oder behindern zirkuläre Prozesse? Im Zentrum meiner Untersuchung steht das Materiallager – ein selbstorganisierter Raum im Keller, geschaffen für den Austausch von Restmaterial. Dieser vielversprechende Ansatz, der Materialflut in den Studios etwas entgegenzusetzen, scheitert jedoch an fehlender Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Flexibilität. Versteckt im Labyrinth des Kellers bleibt das Lager ungenutzt. Unser kollektives Versagen zeigt, wie sehr wir die Folgen unseres Verbrauchs ausblenden.
Chapter C – Intervention Material Shelf
Dieses Kapitel begleitet den Entwurf einer raumgreifenden Lagerstruktur im Herzen des Gebäudes. Warum Reuse-Infrastrukturen im Keller verstecken, wenn Materialien Teil des Alltags und der Begegnung werden können? Das Materialregal belebt den Zwischenraum, der die Studios verbindet. Es wird zur physischen Materialbibliothek – einer Plattform für Austausch und Inspiration. Aus gesammelten Materialien gebaut und mit reversiblen Verbindungstechniken konstruiert, wird die Intervention selbst zum Experiment für zirkuläres Bauen. Inspiriert vom Setzkasten inszeniert das offene, rhythmische Raster den Übergangszustand der Lagerung als sichtbares, zugängliches und dynamisches Element im Raum.
Chapter D – Toward a Culture Shift
Materielle, räumliche und soziale Ressourcen rücken ins Zentrum der Architekturlehre. Ein neues Verständnis für den Umgang mit begrenzten Ressourcen entsteht – umgeben von Material, konfrontiert mit dem, was bereits da ist. Nichts verlässt das System, nichts entkommt dem Kreislauf. Das Architekturgebäude wird zum Versuchsfeld, zum Vermittler einer neuen Materialkultur. Wenn wir lernen, Zirkularität in unsere alltägliche Studiopraxis zu integrieren, legen wir den Grundstein für eine tiefgreifende Transformation der Baubranche. „Open Resource“ steht für eine neue Ressourcenkultur: Materialien werden erfahrbar, zugänglich – und als Teil eines ständigen Wandels begriffen.