Neues Leben fürs Vereinshaus: Das design.build studio in Lindabrunn
Mit gezielten Eingriffen verwandeln Studierende das Vereinshaus des Symposion Lindabrunn in einen flexiblen Ort für Kunst, Kultur und Miteinander.
Seit über zwei Jahrzehnten bietet das design.build studio der Technischen Universität Wien einen direkten Zugang zum Bauen: Studierende begleiten Projekte vom Konzept bis zum fertigen Bau und erleben dabei, wie eng Entwurf, Handwerk und Nutzung zusammenhängen. Entscheidungen, die morgens auf dem Papier fallen, wirken schon kurze Zeit später im Werkraum oder auf der Baustelle nach. Anders als in der Praxis gibt es hier keine strikte Trennung zwischen Theorie und Umsetzung. Zudem liegt der Fokus bewusst auf gemeinwohlorientierten Aufgaben, sodass die Projekte nicht nur architektonisch, sondern auch gesellschaftlich etwas bewegen.
Im Wintersemester 2024/25 stand das Team vor einer neuen Herausforderung: Das Vereinshaus des Symposions Lindabrunn benötigte dringend eine räumliche und funktionale Neuaufstellung. Unter der Leitung von Assoc. Prof. Peter Fattinger erarbeiteten die Studierenden gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern ein Umbaukonzept, reichten es ein und setzten es im darauffolgenden Sommersemester um. Trotz knappen Budgets entstand ein präziser Eingriff, der das Haus als Ort der Gemeinschaft neu einordnet und die Qualitäten des Geländes stärker einbindet.
Ein Kulturort mit reparaturbedürftiger Basis
Das Symposion Lindabrunn entstand 1967 als Steinbildhauer-Symposion und hat sich seither zu einem offenen Experimentierfeld für zeitgenössische Kunst entwickelt. Heute trägt ein junges, interdisziplinäres Team den Verein und entwickelt Programme, die künstlerische Praxis mit Forschung und gesellschaftlichen Fragen verknüpfen. Viele Künstler*innen verbringen Wochen vor Ort, um die Landschaft mit ihren Brüchen, offenen Flächen und historischen Schichten zu erkunden. Diese abwechslungsreiche Umgebung erstreckt sich über 24 Hektar südlich von Wien und wird je nach Anlass als Bühne, Werkstatt oder Freiraum genutzt.
Im Zentrum des Geländes liegt eine rund 150 Quadratmeter große Holzbaracke aus den frühen 1980er-Jahren, ergänzt durch einen separaten Sanitärtrakt aus Beton sowie mehrere temporäre Strukturen. Ihre räumlichen Grenzen als auch der bauliche Zustand entsprachen längst nicht mehr den heutigen Anforderungen und riefen eine Sanierung auf den Plan.
Neues Leben für das Vereinshaus
Gemeinsam mit dem Team des Symposions entwarfen die Studierenden ein Konzept, das räumliche Klarheit schafft, zusätzliche Nutzungen eröffnet und dem Haus einen robusten, zeitgemäßen Ausdruck gibt. Aus den Gesprächen mit den Nutzer*innen entstanden die Entwürfe, die sie anschließend für die Einreichung ausarbeiteten. Mit dem Start des Sommersemesters ging es direkt auf die Baustelle. Die Studierenden organisierten Materialien, arbeiteten an Details vor Ort und setzten das Projekt Schritt für Schritt um. Unterstützung erhielten sie dabei von der sto-Stiftung, dem Fonds für Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich sowie von Materialsponsoren wie Solarlux und Wopfinger Ökobeton.
Gemeinschaft als Entwurfsparameter
Im Inneren entstand eine neue Struktur, die sich konsequent an der Nutzung orientiert. Die Fassade wurde nach vorne versetzt, wodurch ein größerer Aufenthaltsbereich entstand und das Haus offener wirkt. Das große Sitz- und Liegefenster verbindet den Innenraum mit der Landschaft und wird zu einer Bühne für kleinere Kunstpräsentationen. Ergänzt wird es durch ein markantes Eckfenster mit zwei Schiebeflügeln, das den Blick zur Steinarena öffnet und bei Veranstaltungen als unkomplizierte Ausschank dient. Der Raum wirkt viel flexibler und bekommt eine neue Mitte, in der sich verschiedene Aktivitäten zusammenfügen lassen.
Auch der Außenraum wurde weitergedacht: Südwestlich des Gebäudes spannten die Studierenden eine leichte Stahlkonstruktion mit transluzenter Deckung auf, die eine wettergeschützte Freifläche schafft – eine Art erweitertes Wohnzimmer im Park. Darin befindet sich eine Freiluftküche mit integriertem Stauraum, die Aufenthalte und Veranstaltungen deutlich erleichtert. So greifen Innen- und Außenraum stärker ineinander und machen das Vereinshaus zu einem lebendigen Treffpunkt: offen, flexibel und einladend. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig Experimentierräume wie das design.build studio sind, um zukünftige Architekt*innen für die Praxis, die sozialen Zusammenhänge und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu sensibilisieren.