Lernen durch Machen: Die October School 2025

In Brüssel wurde vier Tage lang gebaut, gemischt und getestet: Die October School von BC Studies untersuchte regenerative Architektur im Maßstab 1:1.

Vier Tage, ein Ort, diverse Hände: Ende Oktober 2025 lud BC Studies zur viertägigen October School nach Brüssel. Vom 28. bis 31. Oktober kamen rund 120 Studierende, Lehrende und Praktiker*innen aus fünf europäischen Hochschulen zusammen: der KU Leuven, der Universität Hasselt, der RWTH Aachen, der Estnischen Kunstakademie und der Technischen Universität Wien

Inhaltlich knüpfte die October School an das Selbstverständnis von BC Studies an: Architektur nicht als rein formale Entwurfsdisziplin zu begreifen, sondern als materiellen, gesellschaftlichen und ökologischen Prozess. Durch unmittelbares Bauen und Arbeiten mit lokalen, biogenen Materialien sollten die Teilnehmenden ihre gewohnten Lern- und Arbeitsweisen hinterfragen. Die Aufgabe war klar: Natürliche Materialien mit Hilfe direkter Experimente in tragfähige strukturelle Systeme zu übersetzen. Dabei entstand unter anderem eine gemeinsame Kuppelstruktur aus Bambus, Ton, Stroh und Fasern, die am Ende der Woche realisiert wurde.

Bau in Originalgröße

Den Kern der October School bildeten die Praxisworkshops im Maßstab 1:1. Gearbeitet wurde in Bauateliers, unter Bedingungen, die bewusst reale Baustellen simulierten. In einem Workshop errichteten die Gruppen eine tragende Stampflehmsäule, bei der sie traditionelle handwerkliche Techniken mit vorgefertigten Elementen kombinierten. Weitere Experimente beschäftigten sich mit Gips – von mechanisierten Grundierungsschichten bis hin zu traditionellen Oberflächenbearbeitungen. 

Ausprobieren statt berechnen

Digitale Werkzeuge blieben bewusst außen vor. Stattdessen eigneten sich die Teilnehmenden Wissen über strukturelles Verhalten durch unmittelbares Ausprobieren an. Eine offen zugängliche Materialbibliothek mit Fasern, Kork, Ton, Sand und Ziegelbruch stand den Studierenden zur Verfügung. Daraus entwickelten sie eigene Rezepturen und erkannten: Schon minimale Änderungen im Mischungsverhältnis beeinflussen Festigkeit, Oberfläche und Verarbeitung spürbar. 

Vorträge und Ortsbesichtigungen begleiteten die praktische Arbeit und stellten den experimentellen Umgang mit Materialien in einen größeren Kontext. Grundlegende Fragen rückten in den Fokus: Woher kommen Materialien? Wer entscheidet über ihren Einsatz? Welche Regularien verhindern ihre Wiederverwendung?

Die Praxis im Gespräch

Öffentliche Round Tables öffneten die October School bewusst nach außen. An vier Abenden trafen sich die Teilnehmenden nach den Workshops zu Gesprächsrunden, die von Jean Souviron moderiert wurden. Jeder Abend setzte einen eigenen thematischen Schwerpunkt – von veränderten Rollenbildern der Architekt*innen über materialbasierte Entwurfsstrategien auf Grundlage von Lebenszyklusanalysen bis hin zu politischen und institutionellen Hürden bei der Etablierung regenerativer Praktiken. Impulse lieferten beispielsweise Tina Gregorič (TU Wien), Barbara Oelbrandt (KU Leuven) und Guillaume Habert (ETH Zürich). Die abschließende Runde „Lehren durch Machen“ bündelte die Erkenntnisse der Woche. Dabei wurde deutlich, was sich durch keine Theorie ersetzen lässt: Das unmittelbare Arbeiten mit Material schärft den Respekt vor handwerklicher Praxis – und vor den Grenzen des Entwerfens.