Jahresausstellung 2025: Studiengang Innenarchitektur

Vom ehemaligen Heizkraftwerk bis zu neu gestalteten Möbeln: Die Jahresausstellung 2025 an der AdBK München zeigt, wie die Disziplin aktuelle Antworten auf den Umgang mit Bestand findet.

Wie kann sich Innenarchitektur als eigenständige Disziplin neben der Architektur behaupten? Eine mögliche Antwort bietet die Jahresausstellung 2025 des Studiengangs Innenarchitektur mit dem Titel „INNEN:RAUM — EIN NEUES BILD DER INNENARCHITEKTUR“ an der Akademie der Bildenden Künste München: Vom 27. Juli bis 3. August präsentierten die Studierenden in drei Räumen der Akademie Arbeiten des Studienjahres 2024/25, die sich mit Strategien der Weiternutzung und Transformation auseinandersetzen. Im Mittelpunkt zahlreicher Projekte steht die Frage: Wie lassen sich vorhandene Strukturen, Oberflächen und Materialien weiternutzen, wenn ihre ursprüngliche Funktion erloschen ist? Denn darin liegt das Potenzial der Disziplin: Sie kann präzise auf Räume und ihre sich wandelnden Nutzungen reagieren. Die gezeigten Semesterentwürfe und Abschlussarbeiten geben darauf differenzierte Antworten – mal experimentell, mal pragmatisch. 

Entstanden ist die Ausstellung selbst als Entwurfsaufgabe am Lehrstuhl Entwurf und Produkt im Sommersemester 2025, wobei die Studierenden die Konzeption und Umsetzung in die eigene Hand nahmen.

Innenarchitektur als gesellschaftlicher Raum

Der Lehrstuhl für Entwurf und Darstellung (EDa) von Prof. Katja Knaus erarbeitete, wie breit Innenarchitektur auf gesellschaftliche Fragen reagieren kann: 

  • Das Projekt „Schauburg Labor“ transformierte ein ehemaliges Heizkraftwerk in eine neue Spielstätte für junges Theater in München-Ramersdorf. Die Entwürfe fördern Partizipation mit architektonischen Mitteln und pflegen zugleich einen minimalinvasiven, respektvollen Umgang mit dem Bestand.

  • Spielerischer setzten sich die Studierenden im Kurzprojekt „Transform Space“ mit historischen Innenräumen auseinander, die sie filmisch neu interpretierten. In dreiminütigen Stop-Motion-Filmen wurden Räume atmosphärisch verwandelt und in unerwartete Szenarien überführt. Im Film „Schütten sei Dank“ von Lili Hotz, Katharina Leichtle und Celine Garlichs etwa stand die Frankfurter Küche im Fokus: Ihre ikonischen Aluminiumschütten wurden zu Hauptdarstellern einer experimentellen Erzählung.
  • Einen analytischen Blick warf das Projekt „Elements & Interplay“, das sich in diesem Jahr dem Bauteil Fenster widmete. Untersucht wurde, wie dieses scheinbar banale Element innen und außen verknüpft und dadurch Raumstimmungen prägt. Entstanden ist eine zeichnerische Sammlung, die die Vielfalt der Fensterformen und -atmosphären dokumentiert.

Von Alltagsgegenständen zu neuen Objekten

Unter der Leitung von Prof. i. V. Julia Czirnich stand am Lehrstuhl für Entwurf und Produkt (EPr) das Objekt als soziales Medium im Zentrum:

  • Im Projekt „Talk to Me“ erforschten die Studierenden, wie Möbel, Installationen und Objekte die Kommunikation fördern. Am Ende entstand jeweils ein Prototyp, der sowohl funktional als auch benutzerfreundlich sein sollte.
  • Ebenfalls kreativ-pragmatisch ging das Projekt „Kombinieren, Reduzieren, Neuordnen“ vor: Mithilfe der SCAMPER-Methode entwickelten die Studierenden aus zwei Ausgangsobjekten ein völlig neues Möbelstück. Durch Prinzipien wie Substitute, Combine, Adapt, Magnify und Rearrange wurden ungewöhnliche Ideen zugelassen und spielerisch weiterentwickelt.
  • Experimenteller zeigte sich „Alien Things“: Alltagsgegenstände wurden aus einer völlig fremden Perspektive betrachtet, zerlegt und ihre Bestandteile zu neuen Objekten zusammengesetzt. So entstanden Entwürfe, die vertraute Bedeutungen infrage stellen und zeitgemäße Funktionen ermöglichen.
  • Zudem wurde die Jahresausstellung selbst im Projekt „Form to Frame“ zur Entwurfsaufgabe: Studierende am Lehrstuhl EPr entwickelten ein kuratorisches Konzept, das die Arbeiten aus beiden Semestern sowie die Abschlussprojekte in einer atmosphärisch dichten Ausstellung vereinte. Die praxisnahe Aufgabe verband Analyse und Theorie mit einer 1:1-Umsetzung, bei der Szenografie, Materialität und räumliche Dramaturgie unmittelbar in gebaute Realität übersetzt wurden.

Neue Perspektiven für Wohnraum

Am Lehrstuhl für Entwurf und Raum (ERa) unter der Leitung von Prof. Jan Meier und Prof. Lena Unger stand der Umgang mit Bestand in unterschiedlichen Maßstäben im Fokus:

  • Im Projekt „APPROPRIATE“ untersuchten die Studierenden ein Wohnhaus der 1930er-Jahre und entwickelten angemessene Eingriffe, die sowohl räumliche als auch soziale Qualitäten stärken.
  • Das Projekt „Forms of Living“ griff die Vielfalt heutiger Lebensentwürfe auf und übertrug diese auf fiktive Bestandsgebäude. Jede*r Studierende analysierte ein Referenzprojekt und bezog dessen räumliche Qualitäten auf ein imaginäres Ausgangsgebäude mit spezifischen Parametern – etwa ungewöhnliche Gebäudetiefen, komplexe Erschließungen oder eingeschränkte Belichtung. Die daraus entstandenen Grundrisse und Wohnkonzepte reagierten auf die Herausforderungen des Bestands und entwickelten eigenständige architektonische Ausdrucksformen.

Zusammenfassend macht die Jahresausstellung 2025 deutlich: Innenarchitektur ist längst mehr als Gestaltung im Inneren. Sie ist ein Werkzeug, um gesellschaftliche Veränderungen, neue Lebensformen und nachhaltige Strategien des Weiterbauens räumlich zu verhandeln.