Eine Jahresausstellung, zwei Formate, ein kuratorisches Konzept: Die Projects Review 2024 an der AA

Eine Hochschule präsentiert sich mit einem Konzept, das auf Dialog, Offenheit und Teilhabe setzt. Bis zum 12. Juli 2024 ist die Jahresausstellung der Architectural Association (AA) in London und online zu sehen.

Rundgang, Jahresausstellung, Sommerfest, Expo oder Design Open – viele Bezeichnungen für das gleiche Highlight eines jeden universitären Jahres: die Ausstellung der Studierendenarbeiten. Die Bandbreite der Projekte und architektonischen Perspektiven in einer physischen Veranstaltung zu präsentieren, ist für jede Architekturschule ein Balanceakt. An der Londoner Architectural Association (AA) hat das Projects Review eine lange Tradition, einen großen Stellenwert und ein neues kuratorisches Konzept.

Eine Ausstellung in zwei Medien

Seit Langem präsentiert die AA die Arbeiten des abgeschlossenen Jahres sowohl digital als auch physisch. Eine große Herausforderung angesichts der Vielfalt der Programme und Lehreinheiten. Im Projects Review werden Projekte aus dem gesamten Querschnitt der Hochschulstruktur gezeigt: vom Grundlagenkurs über die 18 Intermediate Units, 22 Diploma Units, neun Postgraduate-Programme bis hin zu den PhD-Arbeiten. 

Wie vereinbart man die Interessen der Lehrenden und einer meinungsstarken Studierendenschaft, um so ein Event zu konzipieren? Leute zusammenbringen, die nicht einer Meinung sind, um produktiv zu streiten – so käme alles zustande, erklärte die Direktorin der AA. Ingrid Schroeder, seit 2022 als zweite Frau in dieser Position, hinterfragte den Aufbau bisheriger Ausstellungskonzepte. Letztes Jahr clusterte sich beispielsweise die Review nach Darstellungsformaten: Es gab einen Zeichensaal, einen Modellraum und einen Filmraum. Die Exponate der diesjährigen Veranstaltung wiederum gliedern sich in sechs Bühnen, jede davon ist einem bestimmten Maßstab gewidmet: „Atmosphere“, „Land“, „City“, „Street“, „Home“ und „Body“. Die physische Schau bespielt die Hochschulräumlichkeiten mit ausgewählten Modellen, Plakaten, Mock-ups, Installationen und einem performativen Programm. Das digitale Pendant ist allumfassend – eine dynamische Schaufläche für jedes Projekt und jede*n Student*in. 

Die Fähigkeit, miteinander zu sprechen, statt zu debattieren

Parallel zur Würdigung der Studierendenarbeiten möchte jede Hochschule im Rahmen der Jahresausstellung ihren spezifischen Ansatz und Beitrag zur Architekturausbildung zeigen. Ingrid Schroeder betonte die Bedeutung eines fach- und themenübergreifenden Gesprächs – eine Konversation, die kollektives Verständnis ermöglicht. Die Inszenierung der Arbeiten ist einerseits eine Momentaufnahme der Leistungen der Studierenden, Lehrenden und der gesamten Schule. Das aktuelle Portfolio der AA-Projekte zielt jedoch darauf ab, Fragen aufzuwerfen und einen offenen Austausch auszulösen. 

Die Architectural Association ist in sieben alten georgianischen Reihenhäusern untergebracht, die wenigsten Räume bieten Platz für mehr als 20 Personen. Diese Maßstäblichkeit fördere die Kultur des Dialogs, der Zusammenarbeit auf Augenhöhe und der aktiven Teilnahme, so die Direktorin. Die Studierenden sind präsent, meinungsstark und artikuliert, und daher federführend in der Konzipierung und Gestaltung der Jahresschau. Deswegen sind die Projects Reviews nicht nur ein Schaufenster der Architekturschule, sondern zelebrieren jedes Mal die Kultur der Association – eine Kultur, die auf Pluralismus, demokratischen Strukturen, diskursiven Lehrmethoden und Bottom-Up-Ansätzen aufbaut.

Kollektive Vision

Projects Review 2024 schildert die Entwicklung der Prioritäten der Hochschule: weg von der Dominanz der Parametrik, die vor 15 Jahren die DNA der Institution prägte, hin zu einer stärkeren Betonung des kollektiven Handelns und Offenheit für unterschiedliche Ansätze. Es gibt keine singuläre Antwort, die die Architekturdisziplin künftig ausmachen wird. So ist es auch nicht die individuelle Vision einer neuen Direktorin, die sich durchsetzt, sondern ein kollektives Verständnis einer Disziplin im Wandel, getragen von denen, die diesen Wandel vorantreiben.