Frankfurter Institution reinvented: Das wandelbare Wasserhäuschen

Ein Kiosk nach dem Transformers-Prinzip, eine Bar, die niemanden ausgrenzt, und eine Typologie, die neu erfunden wird.

Seit dem 19. Jahrhundert prägen sie das Frankfurter Stadtbild: die bunten Kioske, bekannt als Wasserhäuschen. Die Typologie diente als Ausgabestelle für Mineralwasser – eine günstige Alternative, um den Konsum von Alkohol und unhygienischem Leitungswasser zu verringern. Heute funktionieren sie weiterhin als Nahversorger, haben aber weitere Rollen übernommen: Das Wasserhäuschen steht inzwischen für Treffpunkt, Nachbarschaft und Austausch.

Masterstudierende der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS) griffen diese Typologie in einem DesignBuild-Projekt auf. Ergebnis des interdisziplinären Projekts der Studiengänge Architektur und Inclusive Design war ein Kiosk für alle: die WandelBar. 

Das Wasserhäuschen im 21. Jahrhundert

Die Aufgabe bestand darin, die jahrhundertealte, bewährte Typologie zeitgenössisch weiterzudenken. Die Struktur sollte veränderbar sein und niemanden ausschließen. Ein niedrigschwelliger Ort für Personen mit unterschiedlichen Hintergründen und Bedürfnissen, der die Idee des Nachbarschaftstreffs fortsetzt. Zudem sollte das Wasserhäuschen Raum für soziale wie kulturelle Formate bieten.

er WandelBar-Prototyp basiert auf dem Wettbewerbsentwurf der Studierenden Kiana Khederazadeh und Mike Klimszak. Wie oft bei DesignBuild-Projekten entwickelte das gesamte Team der FUAS das Konzept im nächsten Schritt weiter. Das Büro Dietrich Untertrifaller Architekten beteiligte sich am Entwurfsprozess, die Baumgarten GmbH realisierte den Holzbau. 

Aufklappbar und kommunikativ

Geschlossen, misst der Holzkubus nur 3 × 3 Meter – eine ungewöhnliche Größe für den Transport auf einem Anhänger, trotzdem als mobiles Element konzipiert. Der Baukörper lässt sich an unterschiedlichen Standorten aufsetzen. Über vertikale und horizontale Klappelemente öffnet sich die Box auf zwei Seiten, mit Ausschanktheken auf zwei Bedienhöhen. Hier zeigt sich der extrovertierte Charakter des Wasserhäuschens: Mit wenigen Gesten schafft es Öffentlichkeit. Rollstuhlfahrer*innen und Kinder erreichen den Verkaufsbereich barrierefrei und nutzen großzügige, teils überdachte Bewegungsflächen. Ausklappbare Felder bieten zusätzliche Sitz- und Stehmöglichkeiten.

Zugänglichkeit und Inklusivität waren zentrale Entwurfsvoraussetzungen. Wie bereits bei der Wahlkabine, einem weiteren Prototypen der FUAS, liegt auch bei der WandelBar der Fokus auf der Gestaltung eines öffentlichen Programms, das räumliche Barrieren abbaut und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

Impact im Kleinen

Die WandelBar war Teil der Ausstellung „dreams, ideas & prototypes“ im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain. Nun zieht das Wasserhäuschen weiter in den Innenhof der Kirche St. Franziskus, ebenfalls in Frankfurt. Somit bleibt es seiner Mission treu und bewährt sich als übertragbares Modell für inklusive Architektur im Kleinformat.