Entwerfen in Bewegung: Die Transformershow

Aus Bewegungsanalysen und Körperzeichnungen entwickeln Studierende tragbare Papier-Transformer im Maßstab 1:1.

Mit der „Transformershow“ eröffnet der Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens an der RWTH Aachen traditionell jedes Wintersemester die architektonische Grundlagenausbildung. In der diesjährigen Ausgabe entwickelten Studierende im Wintersemester 2025/26 unter der Leitung von Prof. Anne-Julchen Bernhardt tragbare Körperobjekte aus großformatigen Papierbahnen. Den Höhepunkt bildete eine öffentliche Performance im Foyer der Fakultät: Studierende höherer Semester empfingen die Erstsemester mit den entstandenen Objekten.

Bewegung als Entwurfswerkzeug

Die Vorübung „Transformer“ begann mit der Analyse von Bewegung: Die Studierenden dokumentierten ihren Gang über die große Foyertreppe in einer Fotoserie und verdichteten die Sequenzen zu Bewegungszeichnungen nach dem Vorbild der Chronofotografien von Étienne-Jules Marey. Sie untersuchten Rhythmus, Geschwindigkeit und Bewegung des Gehens und übertrugen diese Parameter in eine Zeichnung. 

Der Körper als Maßsystem

Ausgehend von der Bewegungszeichnung entwickelten die Studierenden Körperdarstellungen im Maßstab 1:10. Sie hielten Körpergröße, Augenhöhe, Armspanne oder Schrittlänge zeichnerisch fest und schufen damit die Grundlage für den weiteren Entwurf.

Papier als Konstruktion

Anschließend entwarfen die Studierenden aus der Überlagerung von Körper- und Bewegungszeichnung Schnittmuster für tragbare Körperobjekte. Durch Falten, Skalieren und Vervielfältigen übersetzten sie die zweidimensionale Zeichnung in eine dreidimensionale Struktur. Die Objekte sollen direkt auf Bewegung reagieren: Sie erweitern, begrenzen oder verfremden den Körper und machen dessen Transformation sichtbar. Als Referenz dienten unter anderem die körpererweiternden Arbeiten der Künstlerin Rebecca Horn, etwa Finger Gloves (1972), die Bewegung, Wahrnehmung und Konstruktion miteinander verschränken.

Den Abschluss bildete das daraus resultierende Umwandlungsobjekt im Maßstab 1:1. Auf der großen Treppe des Foyers testeten die Studierenden ihre Transformer im Einsatz und überprüften den Entwurf unter realen räumlichen Bedingungen in Form einer Modenschau – zwischen Körper, Konstruktion und Bewegung.