Ein Kletterturm für Ziegen: Vom Wettbewerb zum DesignBuild

Wenn Tiere unseren Alltag unterstützen, sollten wir uns auch einmal bei ihnen bedanken – beispielsweise mit einer architektonischen Struktur, die zum Spielen einlädt. Vom internationalen Realisierungswettbewerb zur konkreten Bauaufgabe auf dem Campus.  

Holzarchitektur für Tiere – lautete die Aufgabe eines europaweiten Studierendenwettbewerbs, den der Fachbereich Architektur (fatuk) der RPTU Kaiserslautern im Sommer 2025 ausrief. Unter dem Titel „goat-lab“ plante der Forschungsbereich t-lab – Holzarchitektur und Holzbau im digitalen Zeitalter den Bau eines Kletterturms mit innovativen Holzbautechniken für Ziegen. Der Siegerentwurf wurde Ende September in einer DesignBuild-Sommerschule realisiert. Moment mal, Ziegen?

Ein Dank an die tierischen Helfer 

Seit 2023 besitzt die fatuk eine eigene Werk- und Forschungshalle im Diemersteiner Tal, nahe Kaiserslautern. Umgeben vom dichten Pfälzerwald dient die Werkstatt als Lernraum, Veranstaltungsort und Labor für neue Bauweisen. An diesem Ort läuft das Freiraummanagement anders: Ziegen und zwei Esel halten die wuchernde Vegetation im Zaum. Indem sie Büsche und junge Bäume fressen, legen die Tiere alte Gartenanlagen wieder frei. Diese Leistung verdiente eine besondere Geste – einen vertikalen Spielplatz für die Vierbeiner. 

Ausgelobt, ausgezeichnet, ausgeführt

Für den artgerechten Kletterturm startete die fatuk einen durchdachten Planungsprozess. Die scheinbar einfache Aufgabe stellte hohe Anforderungen, bereits in der Wettbewerbsphase: Die Struktur sollte sich harmonisch in die Landschaft einfügen, den Ziegen robuste Klettermöglichkeiten und schattige Rückzugsorte bieten und zugleich „eine gebaute Manifestation nachhaltiger Architektur sein“. Auch die Materialvorgaben waren eindeutig: ausschließlich massives, nicht verleimtes Holz aus regionaler Forstwirtschaft, reversible Holzverbindungen und kein chemischer Holzschutz. Die Jury vergab vier Preise. Der erste ging an Ameli Dammann und Alexandra Kasper von der TU München für ihren Entwurf „twist the g.o.a.t.“.

Zur Umsetzung des Siegerprojekts organisierte die fatuk eine fünftägige Summer School am Diemersteiner Campus. Unterstützt durch Fachleute der RPTU lud die Hochschule alle Preisträger*innen ein, sich am Bauprozess zu beteiligen – eine bereichernde 1:1-Erfahrung, auch für jene, deren Entwürfe nicht realisiert wurden.

Gedrehte Dreiecke

Der Entwurf setzte auf eine einfache Geometrie, inspiriert von der traditionellen Strickbauweise – mit einem Twist. Übereinander gestapelte, um die eigene Achse gedrehte Dreiecke aus Massivholz formten eine skulpturale Struktur, die sich spiralförmig in die Höhe entwickelte. Eine Art endlose Säule für Ziegen, angelehnt an die Form ihrer Hörner. Mit 42 Ebenen erreichte der Turm fünf Meter Höhe und drei Meter Breite. Die Materialkosten für die Konstruktion, die das achtköpfige Team in der Diemersteiner Werkstatt fertigte, lagen bei 3.000 Euro.

Ganz nah bei den Nutzerinnen

In nur vier Tagen baute das Team die vier Module des Turms, transportierte sie zum nahegelegenen Bauplatz und montierte sie dort. Selten erleben die Nutzer*innen den Bau so unmittelbar: Die neugierigen Ziegen beobachteten, wie die Struktur wuchs und nahmen den Turm sofort in Besitz. Mit einem lauten „Määh“ zeigten sie ihre Zufriedenheit und erklommen die verdrehten Ebenen. Warum sollten nicht auch Vierbeiner Holzarchitektur vom Besten genießen – regional, zirkulär, gestalterisch hochwertig?