Bildung auf Tour: Das Lernhaus togo

Wie lassen sich Museumspädagogik und angewandte Architekturlehre unabhängig von festen Lernräumen vermitteln? Ein Forschungsprojekt liefert mit einem transportablem Ausstellungssystem Antwort.

Auf dem Gelände des Freilandmuseums Oberpfalz entsteht seit 2020 das „Lernhaus für Umweltbildung“. Das Projekt leitet Juniorprofessor Max Otto Zitzelsberger am Fachgebiet Tektonik im Holzbau der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Nun konzipiert das Forschungsteam ein mobiles Ausstellungssystem, das die Vermittlungsarbeit außerhalb des Museums ermöglicht.


Fortschritt im Takt der Ressourcen

Der neue museumspädagogische Holzbau ergänzt einen ehemaligen Vierseithof, dessen Hauptgebäude Anfang der 1980er-Jahre durch einen Brand zerstört wurde. Die Planung folgt den drei Prinzipien: Effizienz, Suffizienz und Konsistenz. Das Haus, in Ständerbauweise errichtet, besteht aus Ressourcen des nahegelegenen Walds. Im Winter geschlagen, vor Ort gesägt und zwei Jahre lang schonend getrocknet, wurde das Material sparsam eingesetzt. Die Fläche wurde auf das Nötigste reduziert, der Grundriss ist bewusst kompakt und möglichst effizient.

Das Gebäude umfasst Seminarräume, Schlaf- und Lagerräume sowie Sanitärbereiche. Die zugrundeliegende Forschungsarbeit untersucht, wie sich Inhalte und Prozesse eines Lehr- und Lernhauses didaktisch vermitteln lassen. Dabei ist nicht nur das fertige Ergebnis, sondern auch der Entstehungsprozess Teil des pädagogischen Konzepts. Das Gebäude selbst wird zum aktiven Element im Lernprozess. Anstelle eines starren Bauzeitenplans existiert ein strategisches Konzept: Es wird nur gebaut, wenn Materialien und Ressourcen verfügbar sind. Ein vollständig „fertiges“ Haus ist nicht das Ziel, sondern der Prozess steht im Mittelpunkt.

Mobile Wandelbarkeit

Um das Prinzip auch über die Grenzen des Museums hinauszutragen, entsteht das „Lernhaus togo“: ein transportables, modular aufgebautes Ausstellungssystem mit eigenem Dachtragwerk. Es fungiert als mobile Präsentationsfläche, Werkstatt oder Materiallager für handwerkliche Workshops und Bildungsformate. Die einzelnen Module lassen sich flexibel anordnen: in Reihe geschaltet, kreisförmig gruppiert oder gegenübergestellt zu einem Haus mit Sattel- oder Grabendach je nach Ort, Bedarf und Nutzungsszenario. Das Forschungsteam realisierte bereits einen ersten Prototyp. Wie beim stationären Lernhaus stammt das verbaute Holz aus dem museumseigenen Wald. Ergänzt wird es durch wiederverwendete Materialien wie Trapezblechreste, gebrauchte Gitterroste und ausgediente Gerüstfüße. Die Baustoffwahl soll ein bewusstes Statement für ressourcenschonendes Bauen und zirkuläre Materialkreisläufe setzen.


Lernhaus auf Reisen

Das „Lernhaus togo“ ist ein wanderndes Bildungsprojekt. Es zieht von Kindergärten über Schulen bis zu Universitäten, bewegt sich durch Dorfstraßen, Stadtplätze und Festivalgelände und macht an den unterschiedlichsten Orten Halt. Auf seinem Weg soll es eine zentrale Botschaft vermitteln: Langsames, achtsames Bauen führe nicht nur zu einem bewussteren Prozess, sondern auch zu nachhaltigeren und durchdachteren Ergebnissen.