Austausch à la carte: Das Projekt "Zukunftshungrig"
Mit einer mobilen Küche im öffentlichen Raum schaffen Studierende Orte des Dialogs, die zum Mitgestalten des Strukturwandels in der Lausitz einladen. Das Projekt zeigt: Kochen verbindet – und kann Demokratie schmecken lassen.
Die brandenburgische Lausitz ist nach dem Rheinischen Revier die zweitgrößte Braunkohlenlagerstätte Deutschlands. Mit dem Kohleausstieg und den damit einhergehenden Wandel hin zu erneuerbaren Energien steht die Region jedoch vor enormem Herausforderungen. Das Projekt Zukunftshungrig der Lehrstühle Kooperative Architektur und Stadtplanung der BTU Cottbus nahm sich dieser Aufgabe an. Entscheidend für das Entwurfsstudio unter der Leitung von Prof. Jana Richter und Prof. Henri Praeger war, alle Bewohner*innen aktiv in den bevorstehenden Strukturwandel einzubeziehen – damit er gemeinschaftlich, offen und demokratisch gestaltet werden kann.
Partizipation zum Anrichten
Das zentrale Element des Projekts bildete eine mobile Küche, entworfen und gebaut von Studierenden in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen. Der Entwurfsprozess wurde von Toni Kunau und Tamara Granda Ojeda betreut und verstand sich als praktisches Experiment für kooperative Planung. Bereits zu Beginn wurden Vereine und Akteur*innen aus der Region eingebunden, um gemeinsam Bedarfe, Wünsche und Nutzungsszenarien zu entwickeln. Aus diesen Gesprächen entstand die Grundlage für einen internen Wettbewerb, bei dem die Entwürfe auf Alltagstauglichkeit, Mobilität und Offenheit geprüft wurden.
Spanisch-Französische Fusion-Kitchen
Das überzeugendste Konzept stammte dabei von Pablo Arribas Perez und Lia Dupuis-Beets, zwei Erasmus-Studierenden aus Spanien und Frankreich. Ihr Entwurf gliedert die Küche in drei Module – Wasser, Herd und Make-it-bigger – montiert auf Fahrradanhängern. Das modulare System erlaubt flexible Kombinationen und spontane Einsätze im Stadtraum.
Die Jury, bestehend aus Lehrenden und Vertreter*innen der Initiativen, lobte vor allem die klare Struktur, die einfache Handhabung und die einladende Geste des klappbaren Dachs. Im Bauprozess wurde das Konzept angepasst: Statt Aluminium kam auf Wunsch der Partner Holz zum Einsatz – für eine niedrigere CO₂-Bilanz, leichtere Reparaturen und eine wärmere Anmutung. Textildächer und reduzierte Klappmechanismen senkten zusätzlich das Gewicht und steigerten die Alltagstauglichkeit.
Schritt-für-Schritt
Gefertigt wurde die Küche im FabLab auf dem Campus – einem selbstorganisierten Verein, der Werkstatt, Austauschplattform und Lernort zugleich ist. Die Studierenden übernahmen eigenverantwortlich sämtliche Aufgabenbereiche: Beschaffung, Fertigung, Abrechnung, Kosten- und Zeitmanagement, Dokumentation sowie Bauleitung. Parallel entstand eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung, um die Reproduktion als Open-Source-Projekt zu ermöglichen. Verwendet wurden ausschließlich handelsübliche Materialien aus dem Baumarkt – für einen möglichst einfachen, kostengünstigen und schnellen Nachbau, auch durch Lai*innen
Abschluss mit Ausblick
Ihren ersten Einsatz feierte die Küche auf der abschließenden Semesterausstellung der Fakultät der BTU Cottbus. Zwischen den Präsentationen der Architektur- und Stadtplanungsstudierenden wurde gekocht und gemixt, sodass die Besucher*innen mit frisch zubereiteten Tacos und Drinks versorgt waren. Aktuell betreut die Fakultät die Küche, für gemeinwohlorientierten Zwecke steht sie kostenfrei zur Verfügung. Um Zugang und Nutzung zu erleichtern, arbeitet man derzeit am Lehrstuhl für Stadtplanung daran, die Küche auch online buchbar zu machen. Wer das Mobil selbst nachbauen möchte, findet dort künftig auch die Open-Source-Bauanleitung oder kann diese direkt beim Lehrstuhl für Kooperative Architektur / Ökonomisches Bauen anfordern.