Architektur mit Haltung: Max-Taut-Preis 2024/25

Was macht gute Architektur heute aus? Der Max-Taut-Preis 2024/25 würdigt herausragende Masterarbeiten an der UdK Berlin – zwischen Entwurf, Analyse und gesellschaftlichem Anspruch.

Bei sommerlichen Temperaturen fand am 17. Juni im grünen Ruinengarten der Universität der Künste Berlin die Verleihung des Max-Taut-Preises, benannt  nach Taut, der vor rund 80 Jahren als erster Dekan der Architekturfakultät an der damaligen Hochschule für bildende Künste (HfbK) wirkte – und damit als Wegbereiter des heutigen Studiengangs gilt, statt. Der Preis steht für Arbeiten, die mit klarer Formensprache, tiefgehender Konzeption und gesellschaftlichem Anspruch überzeugen – ganz im Sinne von Tauts sozial engagierter und funktionaler Bauweise, die die Berliner Moderne prägte.

Die  Jury, bestehend aus Duy An Tran (co/now), Andrea Rausch (Vorstand der Architektenkammer) und Daniel Rozynski (CKRS Architekten), kürte drei gleichwertige Gewinner*innen und vergab darüber hinaus zwei Anerkennungen.

Von lokalen Geschichten bis globalen Krisen

Die diesjährigen Gewinner*innen des Max-Taut-Preises zeigen mit ihren Arbeiten die Bandbreite aktueller Fragestellungen in der Architektur auf.

Angely Angulo Meza erhielt den Preis für ihre Arbeit „Geschichten aus Macondo“. Die Installation behandelt den wechselseitigen Zusammenhang von Klima- und Kulturwandel am Beispiel eines kolumbianischen Küstenortes. Sie zeigt, wie moderne Bauweisen zur Entfremdung vom lokalen Klima und zum Verlust gemeinschaftlicher Praktiken führen. Mithilfe eines architektonisch-ethnografischen Ansatzes macht ihre Ausstellung diesen Wandel über persönliche Alltagsgeschichten erfahrbar.

Leonie Eliana Hartung wurde für ihre Arbeit „The River and The Risk“ ausgezeichnet. Die Arbeit analysiert die Folgen der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal und untersucht, wie Wiederaufbau und Hochwasserschutz den Raum und seine Bewohner*innen beeinflussen. Durch Interviews, Gesetzesanalysen und eine Zukunftsvision wird das Spannungsfeld zwischen Naturrisiken, Rechtsprechung und gesellschaftlicher Verantwortung erkennbar.

Kristina Hendker und Kalle Niemann erhielten die Auszeichnung für ihre Abschlussarbeit „Scheitern“. Die Arbeit widmet sich drei Berliner Orten, die für gescheiterte Stadtentwicklungsprozesse stehen und lotet unkonventionelle Zukunftsperspektiven aus. Dabei werden bestehende Stadtstrukturen kritisch hinterfragt und das Scheitern als produktive Kraft für neue Planungsansätze verstanden.

Neben den drei Preisen wurden zwei Anerkennungen vergeben. Die Arbeit „Die Schönheit der Schadstoffsanierung“ von Richard Dmitri Hees beleuchtet die Herausforderung der Schadstoffproblematik im Gebäudebestand. Anhand eines Familienhauses aus den 1970er-Jahren wird gezeigt, wie architektonische Planung zur nachhaltigen und präzisen Schadstoffsanierung beitragen kann.

Eine weitere Anerkennung gilt der Arbeit „City in Crisis“ von Irem Doğa Akgül und Selin Doğaner. Sie dokumentiert die Folgen des Erdbebens 2023 in der Türkei und Syrien, insbesondere systematische Rechtsverletzungen und Zwangsräumungen bei Wiederaufbaumaßnahmen. Die Untersuchung verweist auf die komplexen sozialen und politischen Herausforderungen, denen sich marginalisierte Gemeinschaften in Krisensituationen stellen müssen.

Zwischen Exzellenz und Existenzdruck

Die diesjährigen Preisträger*innen des Max-Taut-Preises verdeutlichen, wie relevant, vielschichtig und gesellschaftlich wirksam Architekturlehre heute sein kann. Umso dringlicher stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen diese Qualität entsteht – und wie sie künftig gesichert werden kann. Die Ende letzten Jahres vom Berliner Senat beschlossenen Kürzungen im Hochschulbereich betreffen auch die UdK und gefährden die Grundlagen eines anspruchsvollen, interdisziplinären Studiums. Gerade Auszeichnungen wie der Max-Taut-Preis unterstreichen den Wert einer gut ausgestatteten, kritisch-reflektierten Architekturausbildung für Baukultur und Stadtentwicklung. Studierende und Lehrende sind sich einig: Bleibt eine politische Reaktion aus, droht genau jene Qualität verloren zu gehen, die der Preis sichtbar macht.