Warum ist Literaturrecherche im Architekturstudium wichtig und wie gehe ich sie an?

02.09.2022

Natalie Pawlik aus der Campus Redaktion antwortet

Eine fundierte Literaturrecherche ist ein integraler Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens und will gelernt sein. Wer bei der Bearbeitung von Studienaufgaben nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe gehen und den Entwurf architekturtheoretisch und -historisch einbetten will, kommt um die Recherche nicht herum. Außerdem finden sich in der Fachliteratur im Vergleich zum Internet, Informationen, die oftmals stärker gefiltert und kuratiert wurden. Die schiere Menge und Vielfalt an Möglichkeiten der Literaturbeschaffung kann jedoch überfordern und den Einstieg in ein Thema erschweren. Wie ihr effizient und zielführend recherchiert und welche Anlaufstellen lohnenswert sind, fassen wir euch deshalb in diesem Leitfaden kompakt zusammen.

Relevante Literatur finden

Welche Quellen, Bücher und Texte sind für mein Thema relevant? Diese Frage steht am Anfang jeder Recherche. In diesem ersten Schritt geht es noch nicht darum, sich in ein Thema einzulesen, sondern darum, sich einen Überblick über die vorhandene Fachliteratur zu verschaffen und zu beurteilen, welche Publikationen besonders relevant sind. Ein erster Anhaltspunkt können hier Literaturlisten oder Semesterapparate sein, die im Rahmen eines Seminars ausgehändigt beziehungsweise zur Verfügung gestellt werden. Außerdem empfiehlt es sich, Dozent*innen an eurer Hochschule, die sich mit eurem Themenfeld beschäftigen, direkt im Seminar oder in der Sprechstunde nach Literaturempfehlungen zu fragen. Selten findet man eine Publikation, die sich genau mit dem spezifischen Aspekt beschäftigt, der euch interessiert. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die wichtigsten Unterthemen zu identifizieren und explizit nach diesen Schlagworten zu suchen – das können beispielsweise die Typologie, das zu bebauende Grundstück, der historische Kontext oder relevante Theorien sein.

Oftmals ist es einfacher mit der Sekundärliteratur zu beginnen. Sobald ihr ein paar passende Publikationen gefunden habt, seht die Fußnoten und Literaturverzeichnisse dieser Bücher nach Titeln durch, auf die die Autor*innen verweisen. Ihr werdet feststellen, dass einige Titel häufiger zitiert werden als andere. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass diese Quelle für das Thema besonders wichtig ist. In jedem Fall solltet ihr dies jedoch kritisch prüfen. Sammelt alle relevanten Publikationen, die ihr sichten wollt, an einem Ort, sodass ihr später mit dieser Liste arbeiten und sie kontinuierlich ergänzen könnt.

Wege der Literaturbeschaffung

Sobald euch eine erste Übersicht über relevante Fachliteratur vorliegt, geht es an die Literaturbeschaffung. Prüft zuerst über das Suchportal eurer Universitätsbibliothek, welche Bücher und Publikationen ihr dort finden könnt beziehungsweise ob sie verfügbar sind. Notiert euch bei Printmedien direkt die Signatur und den Standort, damit ihr diese Daten nicht später nochmal nachschauen müsst. Wenn es die gewünschte Publikation in eurer Universitätsbibliothek nicht gibt, schaut in den nächstgelegenen Fachbibliotheken. Gegebenenfalls müsst ihr einplanen, dass die Literatur vorbestellt werden muss. Eine weitere Anlaufstelle können lokale Archive sein. Auch wenn viele Archive inzwischen große Teile ihrer Bestände digitalisiert haben, lohnt es sich – auch aufgrund der besonderen Atmosphäre – zumindest ein Mal in einem Archiv recherchiert zu haben.

Digitale und digitalisierte Medien findet man am besten über Datenbanken und wissenschaftliche Suchmaschinen. Eine gute Übersicht über die wichtigsten Datenbanken, Suchmaschinen und Kataloge für die Recherche nach wissenschaftlicher, architektonischer Literatur hat das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt zusammengestellt. Außerdem kann man die Archive vieler Fachzeitschriften auf deren Websites einsehen. Beispielsweise reicht das Online-Archiv der „Bauwelt“ bis in das Jahr 1925 zurück. Die Bibliothek der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) hat vergangene Ausgaben zahlreiche Schweizer Zeitschriften – etwa die „Werk, Bauen + Wohnen“ oder die „Hochparterre“ – digitalisiert und auf der Plattform „E-Periodica“ zugänglich gemacht.

Mit System sichten

Bevor es an die vertiefende Lektüre geht, ist es sinnvoll, die einzelnen Publikationen thematisch zu gruppieren. Beim ersten Querlesen können in der Regel einige Medien aussortiert und andere für die engere Auswahl vorgemerkt werden. Notiert euch, welche Publikation für welchen Teilaspekt eures Themas relevant, damit ihr die Literatur später schneller wiederfindet. Bei Printmedien kann man sich zum Beispiel mit Klebezetteln behelfen. Achtet darauf, dass ihr inhaltlich bei eurem Thema bleibt und nicht zu weit abschweift. Führt parallel eure Literaturliste weiter und schreibt euch weitere interessante Titel direkt auf, wenn sie euch über den Weg laufen.

Nachdem ihr eure Literatur vorsortiert habt, könnt ihr mit dem detaillierten Lesen beginnen. Bei der Lektüre könnt ihr beispielsweise die Exzerpt-Methode anwenden, also die Kernaussagen des Textes zu einer bestimmten Fragestellung notieren. Schreibt euch unbedingt immer die Seitenzahlen auf, für den Fall, dass ihr später nochmal etwas nachlesen oder die Textstelle referenzieren wollt. Eure Literaturliste könnt ihr später als Grundlage für euer Literaturverzeichnis nehmen. Haltet euch dabei an die Vorgaben eurer Universität. Beim Literaturverzeichnis wird in der Regel vor allem auf Einheitlichkeit wert gelegt. Entscheidet euch für eine Form und wendet diese konsequent an.