OutoftheNetz: Stoff für neue Ideen
Materialien erzählen von Ressourcen, Herstellungsprozessen und Kreisläufen – und stehen im Mittelpunkt einer wachsenden Zahl digitaler Sammlungen auf Social Media.
Das Internet quillt über vor Architektur-Accounts und Informationsarchiven. In unserer Reihe OutoftheNetz filtern wir die Fundstücke heraus, denen zu folgen sich lohnt.
In einem Detail, einer Oberfläche oder der Art, wie ein Material verarbeitet wird, steckt mehr als eine ästhetische Entscheidung. Herkunft, Herstellung, technische Eigenschaften und die Frage nach seiner Wiederverwendbarkeit gehören ebenso zu dessen Geschichte. Auf Instagram gibt es inzwischen zahlreiche Accounts, die genau diese Zusammenhänge in den Mittelpunkt stellen. Sieben davon präsentieren wir euch hier.
Materialien im Feed
materialmatters.design beschäftigt sich mit der Frage, wie Materialien unsere gebaute Umwelt prägen. Der Account versammelt Projekte, Produkte und Entwicklungen. Dabei betrachtet dieser Materialität nicht nur als Ergebnis eines Entwurfs, sondern als möglichen Ausgangspunkt für Gestaltung. Auch material_cultures sieht Materialien nicht losgelöst von ihrem Kontext. Ressourcen, Herstellungsprozesse und gesellschaftliche Fragen spielen dabei ebenso eine Rolle wie alternative Formen des Bauens und Forschens. Immer wieder geht es um die Frage, wie sich bestehende Materialkreisläufe neu denken lassen. Der Account gehört der gleichnamigen Londoner Organisation für Design, Forschung und Bildung. Für weitere Einblicke in ihre Arbeit empfehlen wir auch die Alumni-Podcast-Folge mit Gründerin Summer Islam.
Bei materialdriven wird der Feed selbst zur Materialsammlung. Verschiedene Oberflächen, Produkte und Anwendungen geben einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und zeigen, wie eng Materialwahl und Gestaltung miteinander verbunden sind. Einen deutlich engeren Fokus hat clayworksclayplasters. Der Account widmet sich Lehm und mineralischen Oberflächen und zeigt Materialien nicht nur über seine Optik. Im Vordergrund stehen ebenso handwerkliche Eigenschaften sowie haptische und räumliche Wirkung, die daraus entstehen kann.
Auch revalu.io richtet den Blick auf den Wert von Materialien – insbesondere dann, wenn Gebäude umgebaut oder zurückgebaut werden. Statt Baustoffe am Ende eines Gebäudelebenszyklus als Abfall zu betrachten, geht es um die Ressourcen, die bereits vorhanden sind, und um die Möglichkeit, sie in neuen Kreisläufen weiterzuverwenden.
Zwischen Ästehtik und Daten
Hinter _matterialista steht eine Interior Designerin, die seit zehn Jahren mit Materialien arbeitet und heute in Berlin eine physische Materialbibliothek betreibt. Der Account, kuratiert von Kasia Mijas-Galloway, ist dabei nur ein Teil einer größeren Praxis: Materialien werden recherchiert, getestet und anschließend in Workshops oder Pop-up-Formaten vermittelt. Für sie zählt vor allem die Verbindung von visueller Anziehung und fundierter Information. Der Account sieht ein Problem, wenn ästhetisch überzeugende Inhalte benutzt werden, um schwierige Fragen rund um Nachhaltigkeit auf einfache Aussagen zu verkürzen. Stattdessen geht es darum, Materialeigenschaften besser verständlich zu machen und Designer*innen den Zugang zu den Informationen zu erleichtern, die sie für konkrete Gestaltungsentscheidungen benötigen.
Das wachsende Pilzarchiv
mycelium.resources konzentriert sich auf ein einziges Material: Myzel. Gegründet wurde die Plattform von der Schweizer Grafikdesignerin, Art Directorin und Materialforscherin Nina Flaitz. Was zunächst als Ausgleich zu ihrer grafischen Arbeit begann, ist inzwischen zu einer weitreichenden Forschungsplattform für myzelbasierte Materialien und deren Anwendungen in Architektur und Design geworden. Seit 2022 wächst das Archiv kontinuierlich und dokumentiert Forschung, Materialien, Produkte, Technologien und internationale Akteur*innen aus unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen. Interessant wird ein Projekt dabei vor allem dann, wenn es neue Fragen aufwirft oder das Verständnis myzelbasierter Materialien erweitert. Mit dem 2026 erschienenen Buch „Mycelium Resources in Architecture and Design“ und einer geplanten Ausstellung verlässt das digitale Archiv inzwischen auch den Bildschirm.
Mehr als Oberflächen
Die unterschiedlichen Accounts zeigen, dass Materialität weit über die Frage hinausgeht, wie etwas aussieht. Ob visuelle Sammlung, physische Materialbibliothek oder spezialisierte Forschungsplattform – bei allen stehen Materialien am Anfang, um über Gestaltung, Ressourcen und zukünftige Formen des Bauens nachzudenken.