Wenn der Sommer geht: Eine Erzählung über das Prinzenbad im Jahresverlauf

Was passiert eigentlich mit Freibädern, wenn die Saison vorbei ist? Eine Masterarbeit zeigt das schlummernde Potenzial dieser ungenutzten Freiräume.

Jede*r hat eine Freibadgeschichte, aber warum spielt die immer nur im Sommer? Freibäder sind weit mehr als nur Orte des Schwimmens und ermöglichen durch ihre hohe Nutzungsvielfalt diverse soziale Begegnungen. Jedoch sind sie im Durchschnitt nur drei bis vier Monate geöffnet und liegen bis zu 75 Prozent des Jahres brach. Dieser temporäre Leerstand bietet angesichts zunehmenden Freiraumdrucks in Städten ein großes Potenzial.

Vor diesem Hintergrund untersuchte ich im Rahmen meiner Masterarbeit, wie Freibäder ganzjährig genutzt werden können. Am Beispiel des Berliner Prinzenbads zeigte ich, wie landschaftsarchitektonische Eingriffe dieses Potenzial aktivieren. Die Arbeit entstand im Sommersemester 2026 am Institut für Landschaftsarchitektur der Universität Kassel und wurde von Prof. Ariane Röntz und Olympia Tomczyk betreut.

Kurzgeschichten zur Analyse, Vermittlung und Reflexion

Das Prinzenbad eignet sich als Entwurfsort besonders aufgrund seiner Lage im dicht bebauten Stadtteil Kreuzberg, der von einem hohen Freiraumdruck und einem multikulturell geprägten sozialen Umfeld gekennzeichnet ist.

Um die unterschiedlichen Nutzer*innen und ihre individuellen Ansprüche an den Raum abzubilden, entwickelte ich fiktive Kurzgeschichten, in denen verschiedene Personen zu Stellvertreter*innen für unterschiedliche Teilräume und Zeitpunkte werden. Anhand dieser Methode war es mir möglich, die Überlagerungen individueller Nutzungsansprüche mit den räumlichen und zeitlichen Dimensionen des Freiraums besser nachzuvollziehen und sie auf eine anschauliche Weise zu vermitteln. So dienen die Erzählungen als Analysewerkzeug und bilden die Sommersaison im Prinzenbad ab, während die Entwurfsgeschichten von neuen Nutzungsszenarien erzählen, wenn der Sommer geht.

Flexibel zuschaltbare Teilräume

Die Analysegeschichten bieten zahlreiche Zugänge zum Ort, zeigen jedoch übergreifend, dass Nutzer*innengruppen nicht alle Bereiche zur selben Zeit nutzen. Darauf aufbauend sieht das Konzept vor, den Gesamtraum in drei atmosphärische Teilräume mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten zu gliedern. Diese Zonen können zeitlich und bedarfsorientiert flexibel zu- oder abgeschaltet werden – entweder als eigenständige Freiräume oder als Erweiterung der Badeplatte. So entsteht eine Vielzahl von Nutzungsszenarien über das gesamte Jahr hinweg.

Die bewusste Gestaltung der Grenze zwischen den Teilräumen durch topografische Sprünge und einen Zaun ermöglicht es, die einzelnen Bereiche mal subtiler und mal offensichtlicher voneinander abzugrenzen und an bestimmten Stellen sogar miteinander zu verbinden. Somit übernimmt die Grenze ebenfalls eine räumliche Funktion und schafft vielfältige Aufenthaltsqualitäten, anstatt nur als Abgrenzung zu dienen.

Ausblick

Dieser konzeptionelle Ansatz lässt sich auch an die funktionalen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen anderer Freibäder anpassen. Somit hinterfragt das Konzept nicht nur den typischen räumlichen Aufbau eines Freibads, sondern eröffnet auch eine neue Perspektive auf die klassische Trennung zwischen Sommer- und Nebensaison. Angesichts der klimawandelbedingten Verlängerung von Hitzeperioden erscheint diese saisonale Begrenzung zunehmend überholt. Das Freibad wird so zu einem ganzjährig vielseitig nutzbaren Ort, in dem die Freibadgeschichten auch über den Sommer hinausgehen.