Den Campus hacken: Studio „Old School, New School“

Ein Café in der Eingangshalle, Tischtennis im Arbeitsraum: Studierende haben untersucht, wie das Stammgelände der TU München zum neuen Treffpunkt werden kann. Auch den Brandschutz nahmen sie sich vor.

Vorlesungen gibt es als Aufzeichnung, Literatur als PDF. Für vieles im Studium müssen Studierende heute nicht mehr an die Universität. Wer trotzdem kommt, findet auf dem Stammgelände der TUM wenig Anlass, zu bleiben. In etlichen Räumen stecken Lehrformate und eine Haltung, die das Studio „Old School, New School“ für nicht mehr zeitgemäß hält.

Wie lässt sich das ändern, ohne den teils denkmalgeschützten Bestand zu verlieren? Das fragten sich im Sommersemester 2026 Studierende im Studio von Prof. Anne Kaestle und suchten Ideen, die Kommiliton*innen vom Bildschirm auf den Campus locken.

Erst die Regeln

Jede Gruppe bekam einen Gebäudeteil zugelost. Die Studierenden kartierten, wie die Räume genutzt werden, und suchten Flächen, die  meist leer stehen. Beobachtungen und erste Ideen hielten sie in einer Collage fest, die der Fantasie noch freien Lauf ließ. Bevor daraus Entwürfe wurden, wollte das Studio das Regelwerk der Raumnutzung durchdringen, um es dann zu „hacken“. In Learning Lunches erklärte Laura Franke, wie die Raumorganisation an der TUM funktioniert.

Mit Claudius Hamman ging es um Brandschutz und mögliche Lösungswege. Die Entwürfe fallen unterschiedlich aus. Manche ordnen Flächen und Möbel neu, andere planen Umbauten oder neue Gebäudeteile. Am Ende bauten die Studierenden großformatige Innenraummodelle und setzten sie in einem Workshop mit dem Fotografen und Künstler Adrian Sonderegger in Szene. 

Brandschutz als Hebel 

Den zentralen Eingang des Hauptgebäudes beschreibt das Studio als „leer und blutlos“. Ein Entwurf macht daraus einen Treffpunkt mit Café und Flächen für Ausstellungen und Veranstaltungen. Rund um die Halle gesellen sich offene Arbeitsplätze hinzu. Möglich wird das durch gezielte Eingriffe in das Brandschutzkonzept. Die Collage zeigt, was danach machbar wäre: Violette Treppen führen über den grauen Bestand zu Podesten und Nischen. Wer die Halle durchquert, wird zum Publikum.

An der TU Berlin mussten zuletzt studentische Räume wegen Brandschutzauflagen schließen. Die Münchner Entwürfe gehen den umgekehrten Weg und behandeln den Brandschutz als etwas, das sich gestalten lässt.

Ein Raum, drei Modi

Eine andere Gruppe hat denselben Bereich dreimal gezeichnet, jeweils für ein anderes Nutzungsszenario. Im ersten Plan stehen Arbeitstische zwischen den Stützen, im zweiten sitzt das Publikum der Schlusskritik in Reihen. Im dritten ist der Raum mit Tischtennisplatten möbliert. Die Stützen bleiben, es bewegen sich nur Trennwände und Vorhänge. Andere Entwürfe bringen Sport in Räume, die abends leer stehen, oder bauen Hörsäle für neue Lehrformate um. 

Am Ende des Semesters stehen viele Strategien für das Stammgelände nebeneinander. Manche widersprechen sich, andere ergänzen sich. Ob davon etwas realisiert wird, hängt auch davon ab, ob die TUM bereit ist, an ihren eigenen Regeln zu arbeiten. Wie ein lebendigerer Campus aussehen könnte, zeigen die Modelle schon jetzt.