Haltung behalten, Bauchplatscher vermeiden: Ein Gespräch zum NAT:26
Am 23. Oktober 2026 findet zum dritten Mal der Nachwuchsarchitekt:innentag (NAT) statt. Zwei Organisatorinnen erzählen über blinde Flecken der Kammern, holprige Berufseinstiege, aber auch junge Erfolge und realistische Ziele.
Nach Berlin (2022) und Düsseldorf (2024) richten die Bundesarchitektenkammer (BAK) und Nexture plus e. V. (Nexture+) den NAT:26 am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aus. Zehn Workshops widmen sich den Themen, die Studierende, Planende und Kammern gleichermaßen umtreiben. Zwei davon organisieren Jana Krippleben (JK) und Mirjam Schnapper (MS). Mit ihnen sprachen wir über Erwartungen, Reibungspunkte und die Zukunft des Berufsstands.
Der NAT bringt Studierende, Berufseinsteiger*innen und Kammern zusammen. Tauschen sich diese Gruppen im Alltag zu selten aus?
JK: Im Alltag bewegt man sich meist in der eigenen Bubble. Deshalb ist es wichtig, auch mal mit Menschen zu sprechen, die sonst nicht zum eigenen Arbeitsumfeld gehören. Beim NAT treffen Menschen aus verschiedenen Berufsphasen und Disziplinen auf Augenhöhe aufeinander und sprechen darüber, was sie gerade wirklich bewegt.
MS: Entscheidend dabei ist die Grundhaltung, mit der wir uns begegnen. Unser Berufsstand lebt ja von unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen. Den aktuellen Herausforderungen begegnen wir nur, wenn wir die eigene Position hinterfragen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Welche Erfahrungen aus den vergangenen Nachwuchsarchitekt*innentagen fließen in die Ausgabe 2026 ein? Was wollt ihr diesmal anders machen?
JK: Da ich zum ersten Mal dabei bin, habe ich mich gefragt: Was ist seit dem letzten NAT vorangekommen? Welche Positionen brauchen heute mehr Nachdruck, welche sind neu – und wo lassen sich Lösungsansätze mitdenken?
MS: Mir ist wichtig, dass offen angesprochen wird, was nicht gut läuft. Genau diese Gespräche bringen uns weiter. Für das Thesenpapier wünsche ich mir deshalb mehr Tiefe und Konkretheit: Was bedeutet Veränderung tatsächlich für unseren Planungsalltag?
Mirjam, in deinem Workshop wird es um das Selbstverständnis von Planenden gehen. Welche Überzeugungen aus dem Studium geraten beim Berufseinstieg schnell in Konflikt mit der Praxis?
MS: Bei einem früheren NAT hat ein Berufsanfänger den Einstieg als „schmerzhaften Bauchplatscher“ beschrieben. Im Studium entwickelt man eine Haltung und eigene Ideale. Im Berufsalltag trifft man dann auf komplexe Planungsprozesse und praktische Zwänge. Schnell entsteht das Gefühl, nichts zu können – oder die Frage, wofür man überhaupt jahrelang studiert hat. Deswegen interessiert mich: Wie bewahren wir unsere Haltung, ohne an der Realität zu scheitern? Und wie entwickeln wir unser Berufsbild unter veränderten Bedingungen weiter?
Jana, dein Workshop fragt wiederum, wen und was die Kammern eigentlich vertreten. Wo siehst du eine Lücke zwischen Anspruch und Erwartung?
JK: In der Kammer arbeiten wir viel an berufspolitischen Aufgaben – und verlieren manchmal aus dem Blick, für wen wir diese Arbeit eigentlich machen. Viele junge Kolleg*innen begegnen der Kammer kritisch oder wissen wenig über sie. Wir müssen also besser erklären, was die Kammer macht und warum sie auch für junge Planende wichtig ist.
Ihr engagiert euch beide in den Juniorausschüssen der Architektenkammern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Was wollt ihr dort verändern?
MS: Die Perspektive des Nachwuchses muss gehört werden. Es geht nicht um ein „besser“ und schon gar nicht um Revolution, sondern darum, Sichtweisen zusammenzubringen und den Berufsstand gemeinsam weiterzuentwickeln.
JK: Mein Ziel ist, die Kammer für junge Planende transparenter und zugänglicher zu machen. Dabei helfen manchmal ein unvoreingenommener Blick und eine gewisse Naivität, Dinge zu hinterfragen, die anderen längst selbstverständlich sind.
Was konnte der Juniorausschuss bereits initiieren und umsetzen, Jana?
JK: Besonders stolz sind wir auf den bundesweiten Kammerguide, der pünktlich zum NAT erscheint. Die Idee haben wir gemeinsam mit Nexture+ angestoßen und entwickelt, die BAK hat sie finalisiert und bundesweit veröffentlicht. Der Guide zeigt Studierenden und angehenden Mitgliedern, was die Kammer leistet und was für die Eintragung nötig ist. Weil sich das von Bundesland zu Bundesland unterscheidet, schafft er einen Überblick und beantwortet viele Fragen. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, weil die Idee aus dem Nachwuchs kam und jetzt bundesweit verfügbar ist.
Mirjam, du findest es wichtig, Nachwuchspositionen regelmäßig neu zu besetzen. Was können erfahrene Planende weitergeben, ohne jüngeren Stimmen den Raum zu nehmen?
MS: Irgendwann entwachsen wir alle der Nachwuchsposition – das ist richtig so. Deshalb sollten diese Positionen von denen vertreten werden, die die Situation gerade selbst erleben. Genau dieser Wandel der Perspektiven bringt unseren Berufsstand weiter.
Wenn ihr ein Jahr nach dem NAT zurückblickt: Was müsste passiert sein, damit ihr sagt, Karlsruhe hat etwas bewirkt?
JK: Die Dynamik sollte spürbar bleiben. Der NAT sollte einen Impuls gesetzt haben, der weiterwirkt – und vielleicht den ein oder anderen Stein ins Rollen bringt.
MS: Wenn jede*r Teilnehmende einen Impuls mitnimmt, ist schon viel gewonnen. Vor allem hoffe ich, dass die Akteur*innen die Thesen in ihre Büros, in die Lehre und in die Kammern tragen. Dann endet der Austausch nicht mit dem NAT, sondern geht in den Büros, an den Hochschulen und in den Kammern weiter.
Wir sehen uns in Karlsruhe!