Holz und Geschichte als Baustoff: Die Summer School „Cabin Fever“
Fünf Teams aus Studierenden und Berufsanfänger*innen entwarfen und realsierten zwei Cabins und drei Rauminstallationen an einem geschichtsträchtigen Ort in Tschechien.
Vom 20. bis 28. Juli 2026 lief im nordböhmischen Česká Kamenice die Summer School „Cabin Fever“. Studierende und angehende Architekt*innen aus aller Welt planten und bauten dort zwei Cabins und drei Installationen. Sie sollen an die schwere Geschichte des Ortes anknüpfen und gleichzeitig die Region für Besucher*innen öffnen. Veranstaltet hat die Sommerschule das ungarische Büro Hello Wood. Es hatte bereits im Vorjahr ein ähnliches Format am selben Ort ins Leben gerufen.
Ein Tal mit doppelter Vergangenheit
Im Zentrum der Sommerschule steht der Ort Rabštejn, ein ehemaliges Industriegelände nahe der Stadt. 1860 wurde auf dem Gelände eine Baumwollspinnerei errichtet, die bis Ende der 1930er-Jahre in Betrieb war. Während des Zweiten Weltkrieges verlagerte ein deutsches Rüstungsunternehmen seine Waffenproduktion ins Rabštejn-Tal. 1944 wurde in dem Ort ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg errichtet. Die 630 bis 690 Häftlinge wurden hier unter unmenschlichen Bedingungen zu schwersten Arbeiten untertage gezwungen.
Heute ist das Gelände von Natur umgeben und ein beliebter Radweg führt hindurch. Gemeinsam mit der Stadt und dem tschechischen Büro Mjölk will Hello Wood herausfinden: Wie können Architektur und Kunst Orten mit schwieriger Vergangenheit zu einer neuen Identität verhelfen, ohne ihre Geschichte zu verdrängen?
Vom Open Call zur Baustelle
Die Veranstalter*innen suchten über einen internationalen Open Call nach Entwürfen für transportable Holzhütten und ortsspezifische Installationen. Eine Jury wählte aus den Einreichungen pro Kategorie jeweils zwei Entwürfe aus. Realisiert wurden schließlich fünf Bauwerke: zwei Cabins und drei Installationen. In nur neun Tagen entstanden nach dem DesignBuild-Prinzip fünf nutzbare Räume im Maßstab 1:1. Anders als im Vorjahr reichten die Projekte diesmal bis in die Stadt hinein. Die neuen Cabins stehen in einem Waldstück, die Installationen am Fluss Kamenice und im Stadtpark. Inzwischen gibt es in der Region fünf solcher Hütten, die langfristig als Unterkünfte für Besucher*innen dienen sollen.
Zwei Cabins, drei Installationen
Alle realisierten Bauwerke sind in Holzbauweise ausgeführt. Zwei ungleiche Hälften bilden die Hütte „Joint“: ein Wohnmodul und ein Funktionsmodul. Sie unterscheiden sich in ihren Geometrien, Oberflächen und Nutzungen. Zusammen ergeben sie eine bewohnbare Cabin. Die Beteiligten lernten im DesignBuild-Prozess die Grundlagen von Holzkonstruktion, modularer Montage und optimierten Bauabläufen kennen.
Das Projekt „Three Rooms“ versteht sich nicht als fertiges Objekt, sondern als modulares System. Ein kompakter Kern nimmt Betten und Technik auf. Ein zweiter, stützenfreier Raum wird je nach Bedarf zum Wohnzimmer, Arbeitsplatz oder Esszimmer. Der dritte Raum funktioniert ähnlich wie ein Wintergarten als klimatische Pufferzone. Diese drei Räume lassen sich auf unterschiedliche Weise miteinander kombinieren, sodass die mobile Cabin auf ihren Standort reagieren kann.
Außerdem sind im Rahmen der Sommerschule drei Rauminstallationen entstanden. Bei dem Projekt „Forest Bathing“ handelt es sich um geneigte Holzflächen, auf die Passant*innen sich legen und in die Baumkronen schauen können. „Chry-sail-is“ ist ein Holzgerüst, an dem ausgediente Bootssegel befestigt wurden. Segeltuch und Konstruktion sollen an die Textilindustrie und die Flugzeugproduktion erinnern, die den Ort vor und während des Zweiten Weltkrieges geprägt haben. Aus den Restmaterialien der letzen Sommerschule wurde im Kirchgarten die offene Bühne „Life is a Theatre“ geschaffen. Sie soll für Theateraufführungen, Feste und Nachbarschaftstreffen genutzt werden.