Kühe und Server brauchen Wasser: Das Studio Water Ever Bavaria
Was haben eine Alm, Hopfenfelder und ein Münchner Rechenzentrum gemeinsam? Sie brauchen Wasser. Ein Entwurfsstudio untersucht Bayerns Wasserproblematik – und entwirft neue Orte für den Umgang mit der Ressource.
Wasser verschwindet aus dem öffentlichen Raum – oberirdisch wie unterirdisch, durch Trockenheit oder Rückbau. Brunnen werden abgestellt, Badestellen schließen, Flüsse führen aktuell historische Niedrigwasserstände. Mit dem Wasser gehen auch die Orte verloren, die als selbstverständlich galten: der Brunnen auf dem Platz, die Badestelle am Fluss, der kühle Ort im Sommer.
Hier setzt die Studioreihe „WATER EVER“ an der TU München unter der Leitung von Prof. Francis Kéré an. Studierende sollen untersuchen, wie Architektur auf Dürre, Überschwemmungen, Wasserknappheit und Klimawandel reagieren kann. Im Wintersemester 2025/26 holte das Studio „Water Ever Bavaria“ das Problem vor die Haustür: nach Bayern.
Bayern: Wasser im Mangel und Überfluss
Bayern zählt bis heute zu den wasserreicheren Regionen Deutschlands – doch diese Statistik täuscht zunehmend: Regional gibt es deutliche Unterschiede, und auch hier gerät die Ressource unter Druck. Für Prof. Kéré ist das ein persönliches Thema. Aufgewachsen in Burkina Faso, kennt er Wasserknappheit. Daher ist für ihn Wasser eng mit der Frage verbunden, wie Menschen ihre Umgebung nutzen und gemeinsam gestalten. Diese Haltung prägt auch die Arbeit seines Büros und bildet einen wichtigen Hintergrund für „WATER EVER“.
Deshalb sollten auch die Studierenden einen persönlichen Zugang zum Thema finden und sich ihre Entwurfsorte selbst suchen. Aus dem, was sie vor Ort fanden, entwickelten sie ihre Konzepte. Manche Projekte blieben klein und setzten bei einem einzelnen Element an, andere griffen weit in Stadt und Landschaft ein, ergänzt durch Experimente im Maßstab 1:1.
Eine Alm als Wasserspeicher
An der Tegernseer Hütte trocknen die Weiden aus. Mehr Hitze und längere Dürreperioden machen die alpine Bewirtschaftung schwieriger. Das Projekt „Nebelalm“ setzte deshalb bei der Frage an, wie sich Wasser in der Landschaft sammeln und speichern lässt. Der Entwurf nutzte die natürliche Topografie und verknüpfte verschiedene Möglichkeiten der Wassersammlung und -speicherung. So könnte der Landwirt auch im Sommer auf den Weiden bleiben. Das würde seine Existenz sichern und zugleich die traditionelle Bewirtschaftung und das Ökosystem der Alm am Leben halten.
In der Hallertau wird das Grundwasser knapp; Dürre gefährdet den Hopfenanbau. Deshalb sah das Projekt „Co-Hoperative“ ein gemeinsames Wasserreservoir vor. Zusammen mit einem Hopfenhaus und Unterkünften für Saisonarbeiter bildete es die neue Mitte des Dorfes. Der Speicher übernahm im Entwurf mehrere Aufgaben: Er sichert Wasser für den Anbau und schafft zugleich einen neuen gemeinschaftlichen Ort.
Ganz anders im Münchner Tucherpark: Im Projekt „THERM[AI]“ speiste ein unterirdisches Wärmebad die Abwärme eines Rechenzentrums.
Ausstellung: Water Futures
Die Auseinandersetzung mit Wasser endete nicht beim Entwurf. Es geht weiter mit der Wanderausstellung „Water Futures“ – gezeigt in München und Zürich, entstanden in Kooperation mit der Accademia di Architettura di Mendrisio. Die Ausstellung versammelt studentische Entwürfe und Forschungsarbeiten, die Wasser als physische Substanz, als Teil urbaner Räume und als soziale Ressource betrachten.
Wie wir zukünftig mit Wasser leben
Wasser lässt sich nicht allein architektonisch bearbeiten. Landwirtschaft, Wasserversorgung, Landschaft und Stadt bringen jeweils eigene Fragen mit. Deshalb sucht der Lehrstuhl den Austausch außerhalb der Universität und baut sein Netzwerk mit Institutionen, NGOs, Forschung und Partner*innen aus der Praxis aus, etwa mit der WasserStiftung oder den Stadtwerken.
Dabei ist Wasser nicht nur eine technische Frage. Es prägt die Orte, an denen wir unseren Alltag verbringen. Wenn wir diese Funktion aus unseren Städten verdrängen, verlieren wir mehr als nur einen Brunnen oder eine Badestelle – wir lassen Stück für Stück auch den öffentlichen Raum aussterben.