Vom Weltraum zum Wohnraum: Das Studio „Hello my cosmic friend!“

In einer alten Spielwarenfabrik entwickelten Weimarer Architekturstudierende zeitgenössische Wohntypen. Der Frage, wie wir zukünftig wohnen könnten, geht dort die Professur Entwerfen und Wohnungsbau nach.

Für einen Ort, an dem einst Miniaturen sowjetischer Weltraumträume gefertigt wurden, entwarfen Bachelorstudierende der Bauhaus-Universität Weimar ihre Visionen für ganz irdische Bedürfnisse: nachhaltigen, gemeinschaftsorientierten Wohnraum. Zusammen mit Prof. Verena von Beckerath und den Mitarbeitenden an der Professur Entwerfen und Wohnungsbau bearbeitete der Kurs im Wintersemester 2023/24 die baulichen Überbleibsel des ehemaligen Werks der VEB Metallspielwaren in der Weimarer Milchhofstraße.

Transformation für die Gemeinschaft

Die zweigeschossige, etwa 65 Meter lange und 11,75 Meter breite Lager- und Montagehalle entstand 1974 aus Betonfertigteilen. Das Werk ist längst Geschichte, und das Gebäude befindet sich derzeit in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Der Betrieb stellte unter anderem Modelle von futuristischen Mondfahrzeugen her, heute begehrte Sammlerobjekte. Daher der Name des Studios: „Hello my cosmic friend!“

Viel Aufmerksamkeit und Liebe zum Objekt sollten nun auch die Kursteilnehmer*innen aufbringen: Nach einer Ortsbegehung haben die Studierenden die Rohbauruine zeichnerisch festgehalten und ihren aktuellen Zustand erforscht. Im darauffolgenden Entwurfsprozess wurde das alte Industriegebäude in ein auf Gemeinschaft ausgerichtetes Wohnhaus mit zusätzlicher gewerblicher Nutzung transformiert. Der Entwurf sollte sich in die durch Gewerbe und Mischnutzung geprägte Umgebung einfügen und auf die sich wandelnden Bedürfnisse von künftigen Nutzer*innen eingehen. Es war wichtig, dass die Planungen sowohl eine Erweiterung als auch eine Verkleinerung der Wohneinheiten ermöglichen, im Sinne einer nachhaltigen Raumnutzung.

Mit guten Beispielen voran

Auf einer Exkursion nach Nürnberg und Fürth konnten sich die angehenden Architekt*innen gebaute Beispiele für neue Wohnkonzepte ansehen – beispielsweise den Führter Genossenschaftsbau „Spiegelfabrik“: Ein generationenübergreifendes und inklusives Wohnprojekt auf einem vormaligen Industriegelände, ausgeführt vom Büro der Professorin Heide & von Beckerath. Aber auch historische Wohnexperimente wie Otto Steidles Anlage „Elementa 72“ in Nürnberg aus den frühen 1970er standen auf dem Besichtigungsprogramm.

Die Lehre vom Wohnen

Die Suche nach einem Ausdruck für eine Wohnarchitektur, die aktuelle Fragestellungen wie die Weiternutzung des Bestandes und ressourcenbewusstes Bauen inkludiert, ist das Anliegen von Prof. von Beckeraths Weimarer Professur. Zum Einsatz kommen die klassischen Methoden der Architekturproduktion wie Zeichnungen und Modellbau, aber auch die Mittel der Textproduktion, Fotografie oder von Performances finden Eingang in das Lehrkonzept. Die Professur macht zudem ihre Arbeiten und Arbeitsweisen über das Publikationsprojekt „Places We Live“ öffentlich zugänglich. Neben ausgewählten studentischen Projekten können Leser*innen dort Einblick in Ausstellungen, Referenzprojekte und Beiträge von Gäst*innen erhalten. Beim Stöbern durch die Sammlung sollen den Betrachtenden die Synergieeffekte aufgezeigt werden, die das gleichzeitige Lehren, Lernen und Forschen in der Architektur haben können.