Vom Entwurf zum Podcast: Eine Besteckfabrik wird Holzbauakademie

Ein Umbauprojekt, unkonventionell präsentiert: Studierende entwickelten für einen Industriebau im Schwarzwald ein Transformationskonzept zur Holzbauakademie und übersetzten ihre Entwürfe zusätzlich in ein Hörformat.

Studierende der Innenarchitektur an der HFT Stuttgart nahmen im Wintersemester 2025/26 eine ehemalige Besteckfabrik im Schwarzwald unter die Lupe. Unter der Leitung von Thomas Gerstmeir sollten die Studierenden im Bestandsgebäude eine Holzakademie unterbringen, um das Material Holz und seinen Produktionsweg besser kennenzulernen. 

Zwei Lernebenen mit einer Klappe im Bestand 

Das Studio begann mit einer Ortsbegehung: Schon bei der Einfahrt ins malerische Altensteig fällt das langgestreckte, rational gegliederte Fabrikgebäude entlang der Straße auf. Seine Bauweise aus Stahlbetonskelett von 1925 verrät den industriellen Ursprung. Nach Jahrzehnten des Leerstands kam das Gebäude vor etwa 25 Jahren in Privatbesitz. Auf 2000 Quadratmetern soll nun eine Holzbauakademie entstehen. Das Thema war von Thomas Gerstmeir bewusst gewählt, damit die Studierenden in dieser Aufgabe gleich zweierlei lernen: einerseits ein vorgegebenes Raumprogramm in einen Bestand unterzubringen, andererseits den Produktionsweg des Holzes kennenzulernen. So stand auch eine Exkursion zu einem Holzbau-Bildungszentrum auf dem Semesterprogramm. 

Die Werkstatt oben oder unten? 

Das vorgegebene Raumprogramm stellte die Studierenden vor knifflige Entscheidungen, besonders bei der großen Maschinen- und Abbundhalle. Wie sollte das Holz angeliefert werden? Unkompliziert durchs Erdgeschoss oder spektakulär per Hebekran ins oberste Stockwerk? Den zusätzlichen Platzbedarf konnten die Gestalter*innen durch Aufstockung des Bestands decken. Die Aufgabe zeigte einmal mehr, dass Architektur selten eine einzige Lösung bietet. Stattdessen erfordert sie ein ständiges Abwägen von Vor- und Nachteilen. 

Haltung zeigen! 

Zur Lehrmethode von Thomas Gerstmeir gehört das Erstellen von sogenannten Venturiblättern. Diese Fantasiecollagen ergänzen die klassischen Plan- und Schnittdarstellungen und können das Kernthema des Entwurfs kurz, prägnant und geradezu spielerisch ausdrücken. Neben Darstellungstechniken standen auch die Präsentationsfähigkeiten der Studierenden im Fokus. „Schaut das ganze Publikum an, nicht nur den, der die Noten gibt!“, lautete eine Anmerkung bei der Zwischenkritik. Die Wirkung zeigte sich bei der Endpräsentation: Mit selbstbewusster Körpersprache und sichtbarem Stolz stellten die Studierenden ihre Ergebnisse vor. 

Ein offenes Ohr für Architektur 

Für die Endabgabe forderte Gerstmeir neben Entwurfsunterlagen auch etwas für die Ohren: einen Podcast – maximal 15 Minuten lang. Dieses Medium eröffnete neue narrative Zugänge zur Architektur. Einige Gruppen arbeiteten mit fiktiven Interviews, die ihre Entwürfe in eine bereits gedachte Nutzung überführten. Andere inszenierten akustische Atmosphären mit Naturgeräuschen und Musik, bevor sie ihre Konzepte erläuterten. So wurde Architektur nicht nur visuell, sondern auch auditiv erfahrbar gemacht.

Ein Entwurfsstudio als Anstoß für die Kommunalpolitik?

Die Zukunft der ehemaligen Besteckfabrik in Altensteig ist weiterhin offen. Die derzeitigen Eigentümer, die das Gebäude als Studio und Werkstatt nutzen, zeigten sich offen gegenüber der Idee einer öffentlich zugänglichen Holzbauakademie. Ob und in welcher Form eine Umsetzung erfolgen kann, hängt jedoch maßgeblich von kommunalpolitischen Entscheidungen ab. Die im Studio entwickelten Projekte zeigen das Potenzial des Bestands auf – und machen deutlich, dass neue Nutzungen nicht nur räumliche, sondern auch gesellschaftliche Impulse setzen können.