Teamgeist ahoi! Boote aus Papier im Stegreif "Paper Vessel"

Mit Karton, Kleister und Kreativität ins neue Semester: Im Rahmen eines Einführungsstegreifs bauten Erstsemester der Fakultät Gestaltung in Wismar schwimmfähigen Gefährten aus Papier.

Jedes Wintersemester beginnt an der Hochschule Wismar mit einem besonderen Ritual: einem studiengangsübergreifenden Einführungsstegreif, der Theorie und Praxis auf spielerische Weise verbinden soll. Mit dem diesjährigen Entwurf „PAPER VESSEL – Zu Wasser lassen“ starteten Studierende der Studiengänge Architektur, Innenarchitektur, Architectural Lighting Design sowie Produkt-, Schmuck- und Kommunikationsdesign in das Wintersemester 2025/26. Vier Tage lang verwandelte sich das Foyer der Fakultät Gestaltung in eine provisorische Werft, in der über hundert Erstsemester mit Karton, Pappmaché und Farbe experimentierten. Das Ziel: schwimmfähige Boote, entworfen und gebaut in Teamarbeit. Der Workshop, organisiert und betreut von Prof. Philipp Loeper, Prof. Bettina Menzel und Prof. Ulrike Rahe, führte die neuen Studierenden auf spielerische, aber anspruchsvolle Weise in das Entwerfen, Konstruieren und Zusammenarbeiten ein.

Gemeinsam andocken 

Ohne Umschweife stürzten sich die Studierenden in die Aufgabe: In Teams von etwa zehn Personen entstanden zunächst Papiermodelle im Maßstab 1:20, die in improvisierten Wasserbecken auf ihre Tragfähigkeit geprüft wurden. Die Studierenden diskutierten Formen, Proportionen und Materialien, optimierten ihre Ideen und entwickelten daraus größere Modelle im Maßstab 1:10. Neben ästhetischen Überlegungen standen dabei elementare physikalische Prinzipien wie Auftrieb, Verdrängung und Stabilität im Vordergrund – theoretische Grundlagen, die in der Praxis schnell greifbar wurden.

Vom Modell zur Umsetzung

Nach der Entwurfsphase ging es an den Bau in Originalgröße. Aus zugeschnittenen Kartonplatten und mit Kleister, Farbe sowie mehrschichtigen Verstärkungen entstanden individuelle Konstruktionen, robust genug für die abschließende Regatta am Strand von Wendorf. Die Schiffsbauer*innen nutzten Steckverbindungen, Falttechniken und gebundene Knoten, um Stabilität und Dichtigkeit zu erzielen – und erprobten zugleich kreative Fortbewegungslösungen: Paddel, Schaufelräder, sogar kleine Segel.

Ein besonderes Beispiel für die kreative Bandbreite des Stegreifs war das Boot „AVA“, dessen Design auf einer einfachen, doch prägnanten Dreiecksform basiert. Drei Schwimmkörper sorgten für Stabilität und Balance, während die klar betonten Kanten der Konstruktion eine dynamische, fast futuristische Anmutung verliehen. Ergänzt durch eigens entworfene Pappbrillen ihres Teams, wurde das Projekt zum Sinnbild des spielerischen Gestaltungswillens.

Zu Wasser lassen

Der Höhepunkt folgte am Freitag: Bei sommerlichen Temperaturen gingen die selbstgebauten Flöße am Strand neben der Seebrücke Wendorf zu Wasser. In einer Regatta traten die Teams gegeneinander an. Von einer Jury bewertet wurden neben Geschwindigkeit und Zielankunft auch Gestaltung, Konstruktion und Originalität. Unter lautem Jubel der Kommiliton*innen bewiesen die Boote ihre Tragfähigkeit. Trotz teilweise schwierigen Bedingungen ging kein Boot unter, und alle meisterten den Regattalauf erfolgreich. Nach dem Stegreif wurden einige Boote für weitere Ausstellungen eingelagert. Andere wurden schichtenweise zerlegt und die Materialien sortenrein für eine spätere Wiederverwendung aufbewahrt.

Mit dem Abschluss des Workshops endete nicht nur ein Stegreif, sondern begann eine gemeinsame Haltung für den interdisziplinären Ansatz der Studiengänge: Entwerfen heißt ausprobieren, hinterfragen, verbessern – und am Ende gemeinsam ins Ziel paddeln.