Sauna zum Mitnehmen: Portable Entwürfe für schnelle Wellness

Kompakt Schwitzen: Wie klein und mobil kann eine Sauna sein? Zwei Saunaentwürfe bringen Wärme dorthin, wo man sie haben will: an den Strand, in den Wald, ans Wasser – oder an den Grillplatz.

Saunen sind eine beliebte Aufgabe im Studium – nicht nur im Winter. Im Masterkurs von Prof. Bettina Menzel und Prof. i. V. Philipp Loeper an der Hochschule Wismar entwarfen Studierende im vergangenen Sommersemester eine Sauna. Ihr Ziel: ein leicht transportierbares, gemeinschaftlich nutzbares Bauwerk, das auch umgesetzt werden kann. Nach intensiver Recherche zu Saunakultur, Konstruktion und Energiequellen wählten sie zwei Konzepte aus und entwickelten Prototypen. Der Bauprozess wurde zum Gemeinschaftserlebnis: entwerfen, schrauben, dämmen, einheizen – alles im Team. 

Teleskopsauna

Einer der realisierten Entwürfe trägt den Namen „Raumerweiterungssauna“. Inspiriert von den „Raumerweiterungshallen“ der DDR basiert sie auf einem modularen Teleskopprinzip: Zusammengeschoben passt sie auf einen Fahrradanhänger, ausgezogen bietet sie Platz für bis zu vier Personen. Die Form folgt der Funktion und dem Material: Innen entsteht ein warmer, geschützter Raum, während die Umgebung Teil des Erlebnisses wird. Licht, Wetter und Ausblick verändern je nach Standort das Raumgefühl. 

Die Konstruktion verzichtet bewusst auf überflüssige Komplexität: Ein Rahmen aus wiederverwendeten Vierkantleisten trägt lichtdurchlässige Doppelstegplatten. Aluminiumwinkel schützen die Kanten, ineinandergreifende L-Profile ermöglichen das Ausziehen. Eine flexible Kunstledereinfassung dient als Türscharnier und reduziert Wärmeverluste. Die Materialien stammen größtenteils aus dem Bestand der Hochschule oder von regionalen Partner*innen – Polycarbonatplatten vom Gartenbaubedarf vor Ort und Fahrradreifen aus dem lokalen Fahrradladen.

Einheizen (doppeldeutig)

Der zweite Entwurf mit dem Namen „LÜTT NÖRR“ überzeugt durch doppelte Nutzung: Im Winter bietet die Sauna einen geschlossenen, beheizten Raum, im Sommer verwandelt sie sich in einen offenen Treffpunkt mit Grillfunktion. Die Materialwahl verfolgt funktionale Einfachheit: Die äußere Hülle besteht aus recyceltem Segeltuch, ist wetterfest und robust. Transparente Surfsegel lassen Licht und Wind durch, rote Akzente betonen die Struktur. Als Dämmung dient regionales Seegras – schimmelresistent, hitzebeständig und vollständig biologisch abbaubar. Ausgebaut wurde ganz klassisch in Vollholz.

Die Konstruktion ist modular, demontierbar und schnell aufzubauen. Der dreigeteilte Boden besteht aus einem zentralen Saunaelement und zwei Terrassenteilen. Alle Module werden über höhenverstellbare Füße nivelliert und mit lösbaren Holzverbindern zusammengefügt. Seitenwände hängen an Schwerlastbändern und lassen sich vollständig öffnen; segmentierte Steckstützen stabilisieren die Konstruktion im aufgeklappten Zustand. Auch innen bleibt die Sauna flexibel: Rückenlehnen lassen sich abnehmen und zu Sitzflächen umklappen – von der Sauna zum Grillplatz in wenigen Handgriffen.

Wärme aus Restholz

Die Energiequelle ist ebenso einfach wie nachhaltig: Mit Abfallholz aus den Werkstätten der Hochschule werden die kompakten Saunaöfen geheizt. Innerhalb eines Semesters entstanden so funktionierende Prototypen, die Temperaturen über 80 °C erreichen und von wenigen Personen transportiert, auf- und abgebaut werden können.

Sauna als sozialer Raum

Das Projekt zeigt, wie Architektur, Handwerk und Gemeinschaft zusammenfinden: bauen mit dem, was da ist. Folgende Fragen bleiben: Trifft sich die Fachschaft (Innen-)Architektur Wismar jetzt regelmäßig zum Saunieren auf dem Campus? Oder werden die Prototypen übers Wochenende verliehen? Dann würde sich ein Besuch in Wismar bestimmt mal lohnen.