Räume in Bewegung: Studio „Building Upon Fitness“

Vom Motorikspiel bis zum Sportgerät: Studierende in Siegen untersuchen Fitness als räumliche Praxis.

Laufen im Park, Training im Studio, Yoga im Innenhof – Fitness gehört für viele zum Alltag. Dabei spielt der Ort eine entscheidende Rolle. Räume strukturieren Bewegungen und geben Abläufe vor. Dieser räumlichen Dimension von Fitness widmete sich im Sommersemester 2025 das Entwurfsstudio „Building Upon Fitness“ der Universität Siegen. Während im vorherigen Semester im Studio „Building Upon Villa“ der klassische Villentyp weiterentwickelt wurde, untersuchten die Studierenden unter der Leitung von Amelie Bimberg und Jantje Engels nun körperliche Aktivität als räumliche Praxis. Bekannte Hallenbauten – etwa von Mies van der Rohe, Pier Luigi Nervi oder Peter Behrens – dienten dabei als Grundlage für neue Sportprogramme. Darüber hinaus entwarfen sie experimentelle Sportgeräte: Aus gefundenen Materialien bauten sie 1:1-Prototypen, an denen sie Bewegung und Konstruktion direkt im Raum testeten.

Campus als Spielfeld

Den Auftakt bildete der Stegreif „Eton Five“. Hier entwickelten die Studierenden kurze, experimentelle Bewegungsspiele auf dem Campus. Die Umgebung der Universität – Wege, Treppen, Freiflächen – wurde zum Ausgangspunkt für neue Spielformen. Anschließend analysierten sie zeichnerisch verschiedene Sportarten und stellten wichtige Fragen: Welche Bewegungsabläufe entstehen? Welche Geräte kommen zum Einsatz? Wie organisiert sich ein Spielfeld? Ihre Erkenntnisse hielten sie in Diagrammen und Inventuren fest. Auf dieser Grundlage folgte der architektonische Entwurf.

Springreiten bei Behrens

Jede Gruppe erhielt eine bekannte Halle als Referenzbau, die für eine spezifische Sportart transformiert werden sollte. So wurde die Maschinenhalle der AEG von Peter Behrens zur Arena für Springreiten. Der Kristallpalast von Joseph Paxton verwandelte sich in eine Golfanlage. Pier Luigi Nervis monumentale Ausstellungshalle diente als Schwimmbad, während Albert Kahns Ford Engineering Laboratory zur Basketballarena wurde.

Innenraummodelle im Maßstab 1:25 und Plansätze dokumentierten diese Eingriffe. Die Studierenden entwickelten neue Spielflächen, Tribünen und Trainingszonen und organisierten die logistischen Abläufe der Sportprogramme. Dabei zeigte sich, wie flexibel große Hallenräume sind: Ihre enormen Spannweiten und klaren Tragstrukturen ließen sich leicht für neue Bewegungsprogramme anpassen.

Bricolage im Maßstab 1:1

Zum Abschluss wechselte das Studio erneut den Maßstab. In 1:1-Prototypen bauten die Studierenden alternative Sportgeräte aus gesammelten Materialien. Holzreste, Metallteile oder Alltagsobjekte wurden so zu Trainingsgeräten umfunktioniert. Die Aufgabe löste sich bewusst von den vorherigen Hallenentwürfen und konzentrierte sich ausschließlich auf die Sportart und Konstruktion. Die improvisierten Geräte folgten dabei der Idee des „Architect as Bricoleur“, wie sie der Architekturtheoretiker Irénée Scalbert beschreibt: Entwerfen als Arbeiten mit dem, was bereits vorhanden ist.

Auch die Dokumentation griff diese experimentelle Haltung auf. 3D-Scans der Modelle hielten die Prototypen fest – inklusive digitaler Brüche. Am Ende zeigt das Studio: Fitness ist ein Experimentierfeld. Es lädt dazu ein, räumliche Routinen mit Mut, Improvisation und unkonventionellem Denken neu zu gestalten.