Mentoring in 1:1: Nachhaltig lernen durch gemeinsames Bauen
Ein neues Mentoring-Projekt unterstützt Studierende des Bauingenieurwesens beim Einstieg ins Studium – mit Praxis, Peer-Begleitung und Fokus auf Nachhaltigkeit.
Der Beginn eines Bauingenieurstudiums bringt oft große Hürden mit sich: komplexe Inhalte, fehlendes räumliches Vorstellungsvermögen, hoher organisatorischer Druck. Genau hier setzt das Projekt „Sustainable Learning by Collaborative Building“ an, initiiert von Prof. Michael Engelmann und Laura Oberender vom Institut für Baukonstruktion der Technischen Universität Dresden. Es richtet sich an Studierende, die im Modul Baukonstruktion eine Zweitprüfung absolvieren müssen oder über einen Studienabbruch nachdenken. Der Ansatz: gemeinsames Bauen im Maßstab 1:1, begleitet von erfahrenen Kommiliton*innen, um fachliche Unsicherheiten abzubauen und gleichzeitig Kompetenzen im nachhaltigen Bauen zu stärken. In Teams bearbeiten die Studierenden eine problembasierte Konstruktionsaufgabe und setzen sie anschließend selbständig um. Die Lösung umfasst unter anderem die Umgestaltung einer konventionellen Konstruktion zu einer nachhaltigen Variante sowie den Bau eines Modells dieser überarbeiteten Konstruktion. Ziel ist es, die Motivation für das Studium zu erhöhen, um dadurch Studienabbrüche zu reduzieren und das Zusammenhangswissen zu stärken.
Mentoring als Schlüssel
Den Kern des Projekts bildet der Peer-Ansatz. Studierende höherer Semester begleiten die Gruppen, geben fachliche Hinweise und unterstützen auch in organisatorischen Fragen. Gerade zu Beginn des Studiums schafft dieses Mentoring ein Klima des Austauschs und der Sicherheit. Besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung von Studentinnen: Ihr Anteil im Bauingenieurwesen ist nach wie vor gering und Verunsicherung häufig hoch. Das Projekt ermutigt Frauen, an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben. Darüber hinaus fließen inhaltliche wie auch methodisch-didaktische Erkenntnisse aus dem Projekt in die reguläre Lehre zurück.
Konstruktionen verstehen durch Handeln
Die Gruppen – jeweils fünf Studierende mit einer studentischen Mentor*in – bearbeiten drei praxisnahe Fälle zu spezifischen Bauteilen wie Anschlüssen zwischen Wand und Fundament, Dach und Wand oder Wand und Decke:
- Fall 1 führte direkt auf die Baustelle: Der*die Bauherr*in zweifelte an der Ausführung einer Konstruktion. Die Studierenden analysierten das Gebaute, recherchierten in Fachliteratur und überprüften, ob die Ausführung den Anforderungen entspricht.
- In Fall 2 möchte der*die Bauherr*in wissen, ob sein Gebäude nachhaltig gebaut wurde. Er würde das gleiche Gebäude gerne nochmals realisieren und überlegt, wie er es umsetzt. Die Teams entwickeln alternative Konstruktionsvarianten, vergleichen diese und wählen jene aus, die den nachhaltigen Kriterien am besten entspricht.
- Fall 3 bringt alles zusammen: Der*die Bauherr*in möchte ein Modell zur Veranschaulichung von den Studierenden erhalten. Gemeinsam überlegen die Studierenden, welche Materialien und Werkzeuge benötigt werden und planen den Bauablauf. Schließlich entsteht ein maßstabsgerechtes 1:1 Modell auf Euro-Paletten, gebaut mit Unterstützung technischer Mitarbeiter*innen. Dabei dient das Modell als Lernobjekt, an dem sich praktische Prozesse nachvollziehen lassen.
Nachhaltigkeit doppelt gedacht
Das Projekt verknüpft zwei Ebenen der Nachhaltigkeit: Zum einen setzen sich die Studierenden mit nachhaltigen Konstruktionsweisen auseinander – vom Materialeinsatz bis zur Bewertung baulicher Kriterien. Zum anderen soll das Lernen selbst nachhaltig werden, da geplant ist, die Erfahrungen direkt in spätere Lehrveranstaltungen einfließen zu lassen, um so langfristig Lerndefizite abzubauen. Wer außerdem einen Blick auf die Ergebnisse werfen möchte, kann das diesjährige Klimafestival besuchen – dort werden die Modelle präsentiert.