Vom Detail zum Modell: Praxisnahes Arbeiten mit EcoCocon

Abfallholz, Textilreste und Präzision dienten Architekturstudierenden der London Metropolitan University für den Nachbau von Konstruktionsdetails des EcoCocon-Wandsystems.

Wie lernt man nachhaltiges Bauen am besten? Indem man selbst baut. An der School of Art, Architecture and Design (AAD) der London Metropolitan University widmeten sich Architekturstudierende im zweiten Bachelorjahr der Verarbeitung natürlicher Baumaterialien. Damit brachte Assoc. Prof. George Fereday, der den Kurs im Wintersemester 2024/25 leitete, Lehre und Bauindustrie näher zusammen. Die Aufgabe: ein Konstruktionsdetail aus dem EcoCocon-Detailkatalog auswählen und als präzises Modell umsetzen. 

Das EcoCocon-System besteht aus vorgefertigten Holzrahmen, gefüllt mit gepresstem Stroh und eignet sich für energieeffiziente und diffusionsoffene Gebäude. Mit Lehm- oder Kalkputz entstehen Wände, die nicht nur hervorragend dämmen, sondern auch ein gesundes Raumklima schaffen. Für die Studierenden bot das System ein anschauliches Beispiel, wie sich natürliche Baustoffe in moderne Fertigteilbauweisen integrieren lassen – und wie viel Genauigkeit das erfordert. 

Vom Plan zum Modell

Bevor gesägt, geklebt und montiert wurde, analysierten die Studierenden die Details genau. Sie studierten technische Zeichnungen, fertigten Skizzen und Explosionsdarstellungen an, um die Abfolge der Bauteile zu verstehen. Erst danach ging es in die Werkstatt – mit Maßband, Kreissäge, Bandsäge und Handwerkzeugen. 

Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit bestand jedes Modell aus recycelten Materialien und Werkstattabfällen. Holzreste wurden zu I-Trägern, Sperrholz und Leisten zu Latten, Verkleidung und Belüftungsschichten. Für die Strohdämmung kamen ungewöhnliche Ersatzstoffe wie faserige Textilabfälle oder sogar zerkleinerte Blumen zum Einsatz.

Detailarbeit mit Lerneffekt

Roxana Mihali entschied sich beispielsweise für das Dachvorsprung-Detail – eine komplexe Verbindung, in der Struktur, Isolierung, Belüftung und Wetterschutz aufeinandertreffen. Zita Slupetzky wählte hingehen den Übergang zwischen Außenwand und Decke, wo thermische Leistung, Feuchtigkeitsregulierung und Stabilität ineinandergreifen. Während des gesamten Prozesses hielten die Studierenden ihre Arbeitsschritte in Skizzen und Notizen fest, um daraus Erkenntnisse für zukünftige Projekte zu gewinnen.

Praxis als Schlüssel zum Verständnis

Die AAD ist bekannt für ihren Fokus auf praktisches Lernen und sozial engagierte Gestaltung. In diesem Projekt erfuhren die Studierenden die Prinzipien des nachhaltigen Bauens unmittelbar, indem sie Konstruktionen eigenhändig umsetzten. Schicht für Schicht, Schritt für Schritt formte sich theoretisches Wissen zu greifbarer Erfahrung. Denn nachhaltiges Bauen lernt man nicht allein aus Büchern – man muss machen.