Kind und Kunst im Kopf: Die digital gefertigte Skulptur „Zardoz“

Wie verbindet man Forschung, Kunst und Spiel? Am Kunsthaus Zürich ist ein skulpturales Experiment zwischen digitaler Fertigung und öffentlichem Raum entstanden.

Was passiert, wenn digitale Bauforschung auf gelebte Kunst trifft? Im Garten des von David Chipperfield entworfenen Kunsthaus Zürich steht seit Sommer 2025 eine acht Meter hohe, begehbare Skulptur. Mit dem künstlerischen Projekt „Zardoz“ der britischen Künstlerin Monster Chetwynd begegnen sich Architektur, Kunst und Materialforschung in einem unerwarteten Format. Die Skulptur, die mithilfe digitaler Fertigung und Computational Design konstruiert wurde, ist zugleich Spielplatz, Bühne und Symbol. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Büro Contouro, geleitet von Andrei Jipa und Angela Yoo, die beide an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) forschen. Ein Werk, das Bildwelten aus der Science-Fiction mit dem technischen Know-how digitaler Betonkonstruktion verbinden soll.

Forschung als Fundament

Contouro entstand als Spin-off aus der Forschung am Lehrstuhl für Digital Building Technologies (dbt) der ETH Zürich. Hier arbeiten die beiden Mitbegründer*innen Andrei Jipa und Angela Yoo an der Schnittstelle von Computational Design, digitaler Betontechnologie und Fertigung - wie beispielsweise an 3D-gedruckter Schalung für die Betondecke „HiRes Concrete Slab“. Gemeinsam übertragen sie so Erkenntnisse aus der akademischen Forschung in gebaute Realität. Beide verstehen Contouro als Labor für angewandte Materialforschung: Ihre Projekte entwickeln sie aus digitalen Werkzeugen und robotischen Fertigungsmethoden, um neue Formen architektonischer Effizienz und Ästhetik zu schaffen.

Zardoz bot die Gelegenheit, diese Forschung in einem kulturellen Kontext zu erproben. Ursprünglich als 30-Meter-Entwurf gedacht, wurde das Projekt in enger Abstimmung mit dem Kunsthaus Zürich und Künstlerin Chetwynd zu einer realisierbaren Skulptur verdichtet. Statt Grundlagenforschung stand hier die praktische Anwendung bereits erprobter Verfahren im Vordergrund – ein Wissenstransfer, der das Spannungsfeld zwischen akademischer Entwicklung und gesellschaftlicher Nutzung sichtbar macht.

Zwischen Skulptur und Stadtmöbel

Das Kunsthaus Zürich beauftragte Chetwynd, den neu angelegten Garten der Künste zu beleben – einen Ort, der bisher kaum genutzt wurde. Ihre Antwort: eine spielerische, subversive Figur, inspiriert von Science-Fiction und barocker Gartenarchitektur. „Zardoz“ zitiert die ikonischen Formen filmischer Mythen und verwandelt sie in eine partizipative Skulptur. Durch ihre Begehbarkeit – mit Kletternetz, Aussichtsplattform und Rutsche – wird Kunst so zum sozialen Raum.

Für Contouro bedeutete das Projekt mehr als reine Umsetzung: Es galt als Praxisforschung, wie sich digitale Fertigung in partizipative, zirkulär gedachte Architektur übersetzen lässt. Die Skulptur ist vollständig modular konstruiert und kann 2027 demontiert und an einem neuen Standort wiederaufgebaut werden. Damit setzt Zardoz ein Statement für Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit und liefert den Beweis, dass Forschung auch außerhalb des "Labors" lebendig werden kann.

Digitale Fertigung als Gestaltungswerkzeug

Die Realisierung von „Zardoz“ war ein komplexer technischer Prozess. Ausgehend von einem 40-Zentimeter-Tonmodell der Künstlerin wurde die Form 3D-gescannt, digital skaliert und in 10.000 Bauteile zerlegt. Die äußere Hülle besteht aus einer 15 Millimeter starken, glasfaserbewehrten Betonschale, getragen von einem Netzwerk aus optimierten Betonrippen. Mithilfe digital gefräster Holzformen konnten die komplizierten Geometrien präzise umgesetzt werden.

Die 38 vorgefertigten Betonelemente – jeweils bis zu 3,5 Tonnen schwer – wurden vor Ort zu einem scheinbar nahtlosen Ganzen montiert. Verschraubte Stahlverbindungen erlauben den Rückbau ohne Materialverlust, eine konstruktive Lösung, die den Prinzipien nachhaltiger Bauproduktion folgt.

Zardoz ist damit mehr als ein Kunstobjekt: Es ist ein Experimentierfeld, auf dem sich digitale Forschung, künstlerische Vision und urbane Öffentlichkeit begegnen – und ein Beispiel dafür, wie Architektur durch das Hinterfragen des Gewohnten neue Wege finden kann.