Global denken, lokal bauen: OMT Architects zwischen Nairobi, Berlin und Poznan
Gegründet mitten in der Pandemie, arbeitet OMT heute auf zwei Kontinenten – und entwickelt Holzbauprojekte vom kompakten Wohnhaus bis zum Hochhaus in Hybridbauweise.
Als sich Leander Moons und Andreas Trampe-Kieslich 2010 bei Baumschlager Eberle kennenlernten, war ein eigenes Büro noch nicht in Sichtweite. Damals arbeiteten beide in großen Teams an internationalen Projekten – Erfahrungen, die sie später in eine ganz eigene Richtung tragen sollten. 2021, mitten in der Corona-Pandemie, gründeten sie dann das Büro OMT Architects. Heute leiten sie mit sieben weiteren Partner*innen drei Standorte: Berlin, Nairobi und Poznań. Von Beginn an setzten sie auf schnelles Wachstum: Vier Jahre nach der Gründung zählt das Team bereits 19 Mitarbeitende. Eine Geschichte über digitale Anfänge, lokale Wertschöpfung und Architektur auf Augenhöhe.
#StudioUnderConstruction wirft einen Blick auf Entstehungsgeschichten, Projekte und Philosophien von Architekturbüros, die ihre Gründung innerhalb der letzten fünf Jahre vollzogen haben – oder mittendrin stecken. Eine Reihe von und für Newcomer*innen.
Drei Standorte, unterschiedliche Dynamiken
Jeder Standort wird von drei Partner*innen geführt – ein Modell, das Verantwortung teilt und Stabilität schafft. Die Arbeitsrealitäten unterscheiden sich jedoch deutlich: In Nairobi und Posen entstehen neue Projekte vor allem über persönliche Netzwerke, während der Berliner Markt für junge Büros härter umkämpft ist. Dort fehlt oft die formale Referenz, weil frühere Großprojekterfahrungen nicht unter eigenem Namen sichtbar sind. Dennoch halfen Leanders lokale Erfahrung in Nairobi ebenso wie Andreas Expertise in Deutschland, um schnell in der Praxis anzukommen: Schon im ersten Jahr startete OMT mit mehreren Wohnungsbauprojekten in Ostafrika.
Digitale Anfänge, internationale Strukturen
Die Gründung fiel in eine Zeit, in der der gesamte Workflow ins Digitale wanderte. Zoom ersetzte Baustellenbesuche, Skizzen entstanden direkt im Video-Call. Was als Notlösung begann, entwickelte sich zu einer festen Arbeitskultur: OMT arbeitet seit Tag eins standortübergreifend – und das gemeinsame Skizzieren am Bildschirm ist bis heute ein fester Bestandteil des Prozesses.
Holzbau mit lokaler Verankerung
OMT setzt konsequent auf Holzbau. Mit ihren Bauweisen wollen sie einen Beitrag zu dringend benötigtem Wohnraum in Ostafrika. In Kenia spielte Holz historisch im Schiffsbau eine zentrale Rolle: Sieben unterschiedliche Holzarten übernahmen dabei jeweils eigene Funktionen. Dieses Prinzip überträgt das Team auf die Architektur und plant jedes Projekt unter Berücksichtigung der spezifischen Eigenschaften der Materialien, anstatt sich auf eine einzelne Holztypologie zu beschränken.
Heute wird Holz jedoch in Kenia fast ausschließlich als Brennmaterial genutzt und kaum als hochwertiger Baustoff geschätzt. Das Büro arbeitet daran, lokale Industrien in Kenia aufzubauen, Zertifizierungen einzuführen und Materialkreisläufe zu etablieren. So wollen sie die regionale Wirtschaft stärken und nachhaltige Baupraktiken fördern. Dazu kooperiert das Team eng mit lokalen Partner*innen, die das Wissen und die praktischen Rahmenbedingungen vor Ort kennen, um mit den Projekten dauerhaft tragfähige Strukturen zu schaffen.
„Unsere Mission ist es, die Potenziale afrikanischer Baukultur sichtbar zu machen, denn wir sind der Meinung, wir können viel mehr von Afrika lernen, als Afrika von uns.“ Andreas Trampe-Kieslich
Vom Prototyp zum Stadtbaustein
Mit dem Vizazi House entstand das erste Brettsperrholz-Wohnhaus Ostafrikas. Darauf aufbauend entwickelte OMT eine Hybridbauweise, die CLT, Holzrahmen und Massivbau kombiniert. Flexible Grundrisse, modulare Elemente und natürliche Belüftung machen die Gebäude anpassungsfähig und klimafreundlich. Das Prinzip findet sich inzwischen in Projekten wie CheiChei Living oder Moyoni wieder – mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum für die wachsende Mittelschicht zu schaffen. Ein weiteres Großprojekt ist Fumba Town auf Sansibar, entwickelt mit CPS.africa und dem Generalunternehmer volks.house. Dort reicht das Spektrum vom zweigeschossigen Holzbau bis zu einem 27-geschossigen Holz-Hybrid-Hochhaus – dem künftig höchsten seiner Art in Afrika.
Präsenz in Venedig
Zwischen dem 10. Mai und dem 22. November präsentieren OMT ihre Arbeit auf der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig. Unter dem Titel Africa Timber City zeigen sie in der Time Space Existence Ausstellung, wie sich in Ostafrika eine gesamte Wertschöpfungskette rund um den Holzbau etablieren lässt. Besonders die Pläne für den Holz-Hybrid-Turm in Fumba Town haben international Aufmerksamkeit geweckt. Damit knüpft das Büro an seine Verbindung in Ostafrika an – und setzt zugleich den nächsten Schritt, um sich auch im europäischen Markt dauerhaft zu etablieren.