Frischer Wind im Baudenkmal: Palast Kiosk neu eröffnet

Zwei Berliner Kunststudentinnen eröffnen den Palast Kiosk am Steinplatz neu – mit Workshops, Kunst im Kleinformat und Open-Air-Kino.

Der Palast Kiosk ist zurück – und verwandelt den Steinplatz in Charlottenburg in einen lebendigen Treffpunkt für kreative Formate unter freiem Himmel. Zeichnen, kollektives Stricken oder Keramikworkshop? Gibt’s alles – und mehr. Hinter dem Projekt stehen Nicola Schüschke (UdK Berlin) und Elena Höller (Kunsthochschule Weißensee), die den lange verwaisten Kiosk innerhalb eines Monats liebevoll sanierten und zum Gallery Weekend wiedereröffneten.

Ein Denkmal als Praxis-Plattform

Mit Eigeninitiative und Unterstützung von Kommiliton*innen wurde der Bau aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Der Pavillon, entworfen vor rund 120 Jahren vom Architekten Alfred Grenander, ist sowohl Teil der Berliner U-Bahn-Geschichte als auch des oberirdischen Stadtbilds: ein kleiner grüner Pavillon mit Spitzdach an der Hardenbergstraße. Lange Zeit verrammelt dient er nun nicht nur der Versorgung mit Eis, Snacks und Zeitschriften, sondern als Plattform für lokale Kleinkunst und studentische Projekte. Das Sortiment im Kiosk ist kuratiert: Kunstwerke, Magazine, Postkarten und Drucke stammen aus einem Open Call für junge Künstlerinnen und Studierende.

Kunst im öffentlichen Raum

Der eigentliche Kern des Projekts entfaltet sich draußen, auf dem Steinplatz: Denn hier zeigt sich, wie öffentlicher Raum gemeinsam mit der Nachbarschaft gestaltet werden kann. Dafür entwickelten Nicola Schüschke und Elena Höller ein vielseitiges Sommerprogramm, das zum Mitmachen einlud. Beim Buchbinden mit Julia Fiutowska entstanden handgefertigte Notizbücher, während die Künstlerin Marie Salcedo Horn in ihrem Keramik-Workshop das Arbeiten mit Ton unter freiem Himmel ermöglichte. Literarische Interventionen gesellten durch eine Lesung von Linda Hermann hinzu, parallel illustrierte Anaïs Edely die Szenen live. In weiteren Workshops zeigte Anaïs, wie die Stadt zeichnerisch erforscht und selbst zur offenen Skizzenfläche wird. Der Steinplatz konnte so zum Labor urbaner Praxis werden.

RESISTANCE CINEMA

Den Abschluss des Sommers bildet ein Open-Air-Kino auf dem Platz, in Kooperation mit dem Kollektiv ufoufo. Gezeigt werden Filme zu Widerstand, politischem Engagement und Solidarität. Am 07.09.2025 um 20 Uhr läuft die Dokumentation"Chão / Landless" (Camila Freitas, 2019), die über vier Jahre eine Gruppe landloser, für Reformen kämpfende Arbeiter im brasilianischen Goiás begleitet. Der Eintritt ist frei, Picknickdecken und Klappstühle können mitgebracht werden, Getränke und Popcorn gibt’s am Kiosk. Der Ort lädt so zum Dabeisein, Beobachten und Diskutieren ein – eine Intervention, die über einen Sommer hinauswirken kann.