Forschungsprojekt „BAMP! - Bauen mit Papier“

Das an der Technischen Universität Darmstadt ins Leben gerufene Forschungsprojekt „BAMP!-Bauen mit Papier“ befasst sich mit der Frage, wie Papier als Werkstoff für das Bauen eingeführt werden kann. Im Papiermuseum Düren findet vom 06. März bis zum 09. Oktober 2022 eine Ausstellung statt.

Technische Universität Darmstadt

jm | 29.03.2022

Während Holz und die meisten seiner weiterverarbeiteten Produkte einen festen Platz im Bauwesen haben, wurde ein wichtiges Holzerzeugnis von der Branche bislang wenig beachtet: das Papier. Zu Unrecht, finden die beiden Koordinatoren des Grundlagenforschungsprojektes Dr. Ing.-Samuel Schnabel und Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack von der Technischen Universität Darmstadt. Ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Architektur, Chemie, Mathematik, Maschinenbau und Ingenieurswissenschaften lotet die potentiellen bautechnischen Möglichkeiten von Papierprodukten versuchsweise aus. Das vom Land Hessen geförderte Programm soll schwerpunktmäßige Rückwirkungen auf die Darmstädter Architekturlehre haben.

Wieso Papier?

Papier, Karton und Pappe entstehen in einem Prozess, bei dem der natürliche Ausgangsstoff Holz aufgespalten und wieder neu zusammengesetzt wird. Dieser Umstand macht es zum einen möglich, den Werkstoff selbst zu optimieren. Zum anderen garantiert es eine kostengünstige Massenproduktion mit gleichbleibender Qualität. Die nachwachsende Rohstoffquelle und die einfache Recycelbarkeit könnten Papier zu einer nachhaltigen Alternative zu vielen mineralischen- und synthetischen Baustoffen machen. Speziell geschichtete und gefügte Papierbauteile weisen bereits heute enorme Festigkeiten auf. Allerdings verhinderte die mangelnde Feuer- und Feuchtebeständigkeit des Materials bisher eine größer angelegte Verwendung beim Bauen. Um diese negativen Eigenschaften auszugleichen, wird derzeit intensiver Forschungsaufwand betrieben.

„Papioniere“ 

Die Idee, Papier zum Bauen von Häusern zu verwenden, ist keineswegs neu, was allein schon die traditionellen japanischen Shoji-Wände belegen. Im Zuge der Industrialisierung haben Tüftler immer wieder versucht, Papierprodukte als Baumaterial zu nutzen. Aufgrund der günstigen Herstellung hatten die Experimente der „Papioniere“ vor allem in Notzeiten Konjunktur. Als Vater der zeitgenössischen Papierarchitektur gilt der japanische Pritzkerpreisträger Shigeru Ban, der seit den 1980er Jahren Gebäude aus Papprollen zusammensetzt. Wirklich durchgesetzt hat sich der Baustoff jedoch bisher nicht, aber das „BAMP!“ -Projekt hat es sich zum Ziel gesteckt, dies nun zu ändern.

Ergebnisse, die sich sehen lassen können

Nachdem die Installation des Fachgebietes Plastisches Gestalten der Technischen Universität Darmstadt und des „BAMP!“–Projektes auf der Architektur-Biennale 2021 vom ECC – European Cultural Centre als bestes Universitätsprojekt ausgezeichnet wurde, sind die Ergebnisse der bisherigen Forschung vom 06. März bis zum 09. Oktober 2022 im Papiermuseum Düren zu bestaunen. Die Ausstellung wurde ebenfalls vom Fachgebiet Plastisches Gestalten kuratiert. Darüber hinaus entsteht basierend auf der „BAMP!“-Hybridkonferenz Bauen mit Papier Architektur und Konstruktion , die im November 2021 in Darmstadt stattfand, eine Publikation im Birkhäuser Verlag. Das Buch ist ab September 2022 erhältlich.