Find Your Darling: Formulieren und Realisieren eigener Initiativen

Durch selbst initiierte Projekte etwas zu verändern und so die Rolle der Architektur in aktuellen Krisen zu hinterfragen – Diesen Anspruch verfolgte das Studio „Initiatives for Transformation“.

Wie können Studierende in der Architekturlehre reale Orte praxisnah transformieren, statt nur zu entwerfen? Das von Jurek Brüggen und Anđela Brašanac geleitete Studio „Find Your Darling – Initiatives for Transformation“ forderte Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Sommersemester 2025 dazu auf, aus ihrer persönlichen Haltung heraus einen „Darling“ zu finden – eine Bestandssituation, die sie in ein aktivistisches Projekt überführen sollten. 

Entwicklung von Narrativen

Angesichts sogenannter Polykrisen wie Klimakatastrophen, Artenverlust, Wohnungsmangel sieht Jurek Brüggen Architekt*innen in der Pflicht, selbst Projekte zu initiieren. Diese Denkweise vermittelte er den Studierenden im Studio, indem er ihnen weitgehende Autonomie in der Konzeption und Durchführung ihrer Initiativen einräumte.

So begann die Projektarbeit mit der Suche nach geeigneten Orten mit Potenzial. Die Teilnehmenden analysierten bauliche, politische und soziale Zusammenhänge und entwickelten Narrative, die sie im Laufe des Semesters verfeinerten. Film, Fotografie und Texte dienten als zentrale Medien, um die eigenen Initiativen auszuformulieren. 

Perspektivwechsel durch kollektives Lernen und Arbeiten

Als Teil der Lehrmethode wechselte das Studio vorübergehend in ein völlig anderes Setting: ins ländliche Werben an der Elbe. Dort besuchten die Studierenden das Verwalterinnenhaus, ein Transformationsprojekt der Association for Ecological Architecture (AFEA) in Zusammenarbeit mit Jurek Brüggen, das aus einem selbst initiierten Projekt entstand. Sie lebten über mehrere Tage gemeinschaftlich und arbeiteten an experimentellen Strukturen, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen sollten. Ein Lehmworkshop unter der Leitung von Tobias Titz diente dabei als Grundlage ihrer Praxis. Zudem sanierten sie mit Lehmputz einen salzbelasteten Mauerabschnitt eines Bestandsgebäudes auf dem Areal. Diese Erfahrung im ruralen Raum übertrugen die Teilnehmenden anschließend auf ihre eigenen Initiativen.

Von Parkplatz bis Hochhaus

Zurück in Karlsruhe: Die im Semester entwickelten Initiativen reichten von Installationen im öffentlichen Raum bis hin zur langfristigen Umgestaltung großer Gebäudestrukturen. 

Thomas Breiderts Initiative „Temporärer Vollstand“ untersuchte die Parkplatzdichte in der Karlsruher Oststadt. Er schlug bauliche Konzepte vor, um Parkflächen in halböffentliche Räume umzuwidmen und veränderten Wohnbedürfnissen zu begegnen. Seine realisierte Intervention „Das Freiluftwohnzimmer“ besetzte einen Parkplatz und regte den Dialog mit der Nachbarschaft an. 

Die Initiative „Im Bestand. Im Betrieb.“ von Joscha Bold und Delphine Holzwart beschäftigte sich mit dem sanierungsbedürftigen Physikbau des KIT. Das Zweierteam entwickelte eine Strategie für eine „Sanierung ohne Stillstand“. Dabei legten sie dar, wie sich die Transformation des Bauensembles in Phasen umsetzen ließe, ohne den Lehr- und Forschungsbetrieb stillzulegen.

Der stark versiegelte, überhitzte Platz vor dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) diente der Initiative „KUBUS als Untersuchungsort. Kühlung und Bewässerung unter Stress“ von Moana Ühlein und Paul Rohr. Sie zeigten Lösungen für das Kühlen öffentlicher Räume in verschiedenen Maßstäben auf – von „XS“ bis „XL“. Die Intervention „S“ realisierten sie sogar als Prototyp aus handelsüblichen Materialien und erprobten ihre Kühlungswirkung. Die beiden Initiator*innen stehen zu ihrem Vorhaben mit dem ZKM und politischen Vertreter*innen in Kontakt.

Ausblick

Auch die anderen Initiativen erweckten Aufmerksamkeit: Thomas Breidert ist mit einem lokalen Politiker sowie dem Transformationszentrum für nachhaltige Zukünfte im Gespräch, ein weiteres Treffen ist geplant. Das Sanierungskonzept von Delphine Holzwart und Joscha Bold wird aktuell vom KIT auf Realisierbarkeit geprüft. Nach Semesterende unterstützt der AFEA die Weiterführung der Projekte.