Baustelle Robotik: Das Symposium „Startup Architecture“ in Zürich

Was können Roboter auf der Baustelle leisten – und wie verändert das die Architektur? Beim Symposium „Startup Architecture: Big Ideas for the Physical World“ ging es um neue Bauprozesse, wirtschaftliche Hürden und die Grenzen der Automatisierung.

Welche Aufgaben können Roboter auf der Baustelle übernehmen? Darüber diskutierte am 24. September 2026 das Symposium „Startup Architecture: Big Ideas for the Physical World“ am Institute of Technology in Architecture (ITA) der ETH Zürich. Während bei der Ausgabe 2025 hauptsächlich Architekt*innen auf den Podien saßen, kamen diesmal Expert*innen aus Robotik, Investment, Soziologie und Geschichtswissenschaft zusammen. Die international besetzten Panels beleuchteten in vier Sessions, welche Rolle Robotik im Bauwesen spielen kann – von der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine über neue Fertigungsmethoden bis zum materialgerechten Rückbau. Was ist technisch heute möglich und was lässt sich am Ende realisieren? BauNetz CAMPUS war vor Ort.

Den Auftakt machte der Tragwerksingenieur und Autor Brian Potter mit einer nüchternen Bilanz. Schon 1854 wurde in den USA das erste Patent für eine Wandverputzmaschine erteilt. Bislang funktioniert Automatisierung vor allem dort, wo sich Arbeitsschritte standardisieren lassen – in der Fabrik oder bei gleichförmigen Tätigkeiten wie Betonmischen und Asphaltieren. Doch auf der Baustelle ist jedes Gebäude anders. Für jeden Einsatz muss die Maschine an die jeweiligen Bedingungen angepasst und eingerichtet werden. Auch das Überwachen und Nachbessern kosten Zeit und fressen oft den Produktivitätsgewinn wieder auf. Die rasante Entwicklung von KI könnte Robotern jetzt helfen, flexibler zu reagieren. Stehen wir vor einem neuen Wendepunkt im Bauen? Und was bremst uns, wenn nicht die Technik?

Startup Architecture Symposium 2026, Video: Institut für Technologie in der Architektur (ITA), ETH Zurich

Assistenz und Autonomie

Wie lässt sich schneller und in größerem Maßstab bauen? Die erste Session, „May You Live in Interesting Times“, nahm neue Technologien, Infrastruktur und Stadtentwicklung in den Blick. Prof. Daniela Mitterberger von der ETH Zürich zeigte, wie Robotik die Arbeit auf der Baustelle unterstützen kann. Ihr Team hat dafür ein System entwickelt, das Ziegel räumlich erkennt und Maurer*innen in Echtzeit anzeigt, wo sie den nächsten Stein setzen können. Anders als eine starre Roboterlösung rechnet es damit, dass sich Mörtel und Material während der Arbeit verändern. Den Stein setzen weiterhin die Handwerker*innen, ihr Erfahrungswissen fließt ins System ein. Wie viel Entscheidung sie an die Maschine abgeben, bestimmen sie selbst.

Warum sich Bauroboter selten rechnen

Helen Oleynikova, Mitgründerin des Zürcher Start-ups Exclaim Robotics, suchte nach Aufgaben, für die sich Robotik tatsächlich lohnt. Bei ihren Gesprächen mit potenziellen Anwender*innen stieß sie auf ein simples Beispiel: In einer Raffinerie lässt sich ein Ventil für rund 200 US-Dollar motorisieren. Einen Roboter für 120.000 US-Dollar einzusetzen, um es zu bedienen, wäre dagegen kaum wirtschaftlich. Solche Kostenvergleiche erklären mit, warum Robotik auf der Baustelle bislang kaum verbreitet ist. Investor Juan Nieto brachte das Verhältnis auf eine Zahl: Von 10.000 Euro, die im Bau ausgegeben werden, fließen gerade einmal drei Euro in Roboter.

Gedruckte Wände aus Aushub

In der dritten Session, „Altering the Face of the Earth“, ging es darum, mit welchen Materialien Roboter bauen können. Andrew Kudless entwickelt mit seinem Startup Many Robots Verfahren, um Wände aus Erde zu drucken – bislang mit dem Aushub der eigenen Baustelle. Das spart Transportwege und nutzt einen Baustoff, der vielerorts verfügbar ist und nur wenig Verarbeitung benötigt. Doch Erde ist kein standardisierter Werkstoff: Ton-, Schluff- und Sandanteile sowie die Feuchtigkeit variieren von Ort zu Ort. Rezeptur und Druckprozess müssen deshalb jeweils angepasst werden. Kudless’ Ziel ist es, lokales Material mit robotischer Fertigung für den Bau in größerem Maßstab nutzbar zu machen. Den großen Maßstab bremsen laut Panel aber vor allem Planungsverfahren und politischer Widerstand.

Schön für wen – und auf wessen Kosten?

Was wir automatisieren können, heißt noch nicht, dass wir es auch bauen sollten. In der vierten Session, „Can We Have Nice Things?“, ging es deshalb auch darum, wie Architektur künftig aussehen soll und für wen sie entsteht. Dan Carlberg entwickelt zum Beispiel mithilfe von KI eigene Entwurfssoftware. Sie soll aus einfachen Zeichnungen direkt dreidimensionale Modelle erzeugen und so den Entwurfsprozess vereinfachen. Doch technische Machbarkeit allein macht noch keine gute Architektur. Schönheit, so der Tenor des Panels, hängt auch mit handwerklichem Wissen und Ressourcenverbrauch zusammen.

Moleworks, Video: Institut für Technologie in der Architektur (ITA), ETH Zurich

Start-ups für die automatisierte Baustelle

Zum Abschluss des Symposiums stellten 15 Start-ups ihre Entwicklungen vor. Bei der anschließenden Preisvergabe gingen drei der vier Auszeichnungen an Projekte, die direkt auf der Baustelle ansetzen:

Jury Award (gesponsort von SIKA):

  • 1. Platz – Moleworks: Entwickelt autonome Steuerungen für schwere Baumaschinen.
  • 2. Platz – Déploya Robotics: Das Spin-off der EPFL entwickelt Roboter für die Fassadenmontage.

Publikumspreis:

  • 1. Platz – 4QT: Entwickelt einen hybrid-elektrischen Dumper, der bereits auf Schweizer Baustellen fährt und für autonomes Fahren ausgelegt ist.
  • 2. Platz – VAULTED: Das Spin-off der ETH Zürich entwickelt Betondecken, die mit deutlich weniger Material auskommen.

Was wollen wir automatisieren?

Über alle Sessions zog sich eine Beobachtung: Die Technik ist selten das Problem. Es hakt am Geld und an eingespielten Abläufen. Und es ging immer wieder um die Frage, was nach dem Bauen kommt: Wie lassen sich Bauteile zurückgewinnen? Welche Orte wollen wir erhalten?

Dass Roboter künftig mehr Aufgaben übernehmen, scheint kaum aufzuhalten. Offen bleibt, wofür wir sie einsetzen. Sollen sie vor allem schneller und günstiger bauen? Oder können sie auch helfen, Materialien wiederzuverwenden, mit lokalem Aushub zu arbeiten und Bauteile zu erhalten? Die Technik entwickelt sich weiter. Was wir aus ihr machen, liegt auch an uns.