Reversibel und nah am Wasser gebaut: Campus Masters September/Oktober entschieden

Zwei Industrieareale an der Spree, zwei temporäre Konstruktionen: Die prämierten Arbeiten der Campus Masters September/Oktober 2026 reagieren unterschiedlich auf Fragen des Wohnens und Forschens.

Auf den ersten Blick fallen formale Gemeinsamkeiten auf, doch bald wird die inhaltliche Bandbreite der Preisträger*innenprojekte sichtbar. Zwei Entwürfe verwandeln ehemalige Industrieareale an der Berliner Spree und integrieren  Wasser in ihre Konzepte. Die beiden anderen setzen auf leichte, rückbaubare Konstruktionen für zwei grundlegend verschiedene Kontexte: Der eine Entwurf schützt eine Ausgrabungsstätte, der andere soll wohnungslosen Menschen einen Rückzugsort bieten.

Den Jurypreis verlieh diesmal das interdisziplinäre Team von ora aus Leipzig und Berlin. Er geht an Josephine Beger (Technische Universität Delft) für ihre Masterarbeit From Swamp to Structure. Das Projekt nimmt die einstigen Sumpfgebiete im Berliner Untergrund zum Ausgangspunkt für eine nicht-extraktive Baukultur. Dafür schlägt es zwischen Spreeufer und Stadt ein Feuchtbiotop inmitten eines Neubauensembles mit Rohrkolbenplattenfabrik vor. So soll die frühere Landschaft wieder erlebbar werden. Die Jury lobte dabei die Auseinandersetzung mit essenziellen Fragen zu Raumentwicklung und Ressourcenumgang in der Zukunft. Überzeugend seien vor allem die resultierende Aufenthaltsqualität des Ortes sowie die gestalterische, konstruktive und bautechnische Ausarbeitung.

Benjamin Hostermann (Fachhochschule Potsdam) sichert sich mit Wohnen mit Wasser den 1. Platz im Online-Voting. Er verwandelt das Gelände der ehemaligen Geschützgießerei in Berlin-Spandau, ebenfalls an der Spree, in ein Wohnquartier und rückt den Umgang mit Regenwasser in den Mittelpunkt. Ein altes Betonsilo dient dabei zugleich als Wohnraum und Zisterne für das Quartier.

Den 2. Platz belegen Dominik Straub und Leander Baumann mit ihrer Masterthesis (über)lebenswert. Die Studenten der HafenCity Universität Hamburg entwickeln ein modulares Bausystem als Rückzugsort für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Einfache Fügungsprinzipien und gängige Baustoffe ermöglichen dafür einen werkzeuglosen Aufbau und Rückbau. 

REVERSIBLE von Aidan Kolland, David Claassen und Jakob Lechner (Technische Universität München) landet auf dem 3. Platz. Sie entwerfen eine reversible Dachkonstruktion für eine archäologische Ausgrabungsstätte auf dem Kölner Heumarkt. Das erweiterbare und materialsparende Stahltragwerk funktioniert wie ein Regal: Über der Ausgrabung entsteht Platz für Nutzungen, die die archäologische Arbeit inhaltlich und forschend begleiten.

Alle Preisträger*innen dieser Wettbewerbsrunde erhalten Publikationen aus den Verlagen Birkhäuser und JOVIS. Ferner haben sie sich für die Teilnahme an der Jahreswertung qualifiziert. Aktuelle Informationen zum Wettbewerb und weitere Termine gibt es auf Instagram.

Campus Masters wird unterstützt von GIRA.