Bauen im Grenzbereich: Dreißig Kubikmeter Baukultur

Kein Bauantrag, aber klare Haltung: Der Wettbewerb der Bundesstiftung Baukultur zeigt, wie viel Architektur unterhalb der Genehmigungsgrenze möglich ist.

Maximal 30 Kubikmeter Volumen, höchstens 2 × 5 Meter Grundfläche – mehr braucht es nicht. Der Wettbewerb „30 m³ Baukultur – Macht was draus!“ der Bundesstiftung Baukultur nutzt diese baurechtlich genehmigungsfreie Größe als Experimentierfeld. Nach dem letzten Wettbewerb zu 10 Quadratmetern Parkraum rückte nun das Volumen in den Fokus. 

Studierende, Auszubildende und Schüler*innen aus ganz Deutschland reichten 238 Entwürfe ein – doppelt so viele wie bei der vergangenen Edition. Die Ideen reichen von Schutz- und Aufenthaltsräumen über Bildungs- und Infrastrukturbauten bis hin zu klimaresilienten Konzepten. Viele Entwürfe setzen auf ressourcenschonende, modulare Systeme, reversible Konstruktionen und wiederverwendbare Materialien. Am 26. Januar 2026 wählte die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Amandus Samsøe Sattler in Berlin zehn Gewinnerteams aus. Für die anschließende Umsetzung im Juni und Ausstellung beim Konvent der Baukultur in Potsdam erhält jedes Team 2.500 Euro Unterstützung. 

Gemeinsam gegen die Hitze

Der Entwurf „Kollektives Abkühlen statt Hitzeinsel!“ schlägt einen selbstbetriebenen Nebelbrunnen vor, der ohne Stromanschluss auskommt. Nutzer*innen füllen Wasser ein und erzeugen durch Pumpen den nötigen Druck für eine feine Sprühnebelfontäne. Die Verdunstung kühlt – und die Zusammenarbeit verbindet. Mit minimalem Wasserverbrauch schafft der Brunnen Abkühlung und kritisiert zugleich den Mangel an frei zugänglichen Erfrischungsangeboten sowie das Badeverbot in vielen öffentlichen Brunnen. Nach dem Konvent soll die Installation weiterziehen, unter anderem auf die Neckarinsel in Stuttgart. 

Windmaschine Mensch

„Aero“ macht Energieverbrauch körperlich spürbar. Drei Fahrräder treiben einen Propeller an, der Luft mit bis zu 25 km/h durch einen Pavillon bläst. Rest-Aluminiumbleche lenken den Luftstrom wie Schotten in einer Turbine. Die Nutzer*innen erzeugen eine Kilowattstunde Strom und erleben direkt, was Kühlung energetisch bedeutet. Die gemeinnützige Fahrradwerkstatt Platten-Fix aus Potsdam unterstützt die Umsetzung der Konstruktion. 

Die Gewinner*innen im Überblick:

  • Evelyn Elisha, Jessica Koconrek, Lea Katharina Seibel; Detmolder Schule für Gestaltung (TH OWL): Loom.Room
  • Ceyda Yalcin, Mia Beckmann, Rebekka Kruschwitz; Technische Hochschule Augsburg: Ein Dach für eine Nacht
  • Joscha Bold, Sophia Katharina Mall, Tim Roßner; KIT: 1.441m
  • Carla Weber, Fabian Hahl, Monja Moll; KIT: lichtf A lter
  • Elaine Braunholz, Max Pfabelhuber, Luca Oszwald, Linus Krug; ABK Stuttgart: Kollektives Abkühlen statt Hitzeinsel!
  • Christina Schröter, Immanuel Bergmann, Lennard Gritzo, Oliver Rosenwald, Magnus Merkle, Nils Nagl; Hochschule Anhalt u.a.: Aero
  • Johannes Zwicker, Xjuscha Antz, Isabel Bodenmiller; Technische Hochschule Augsburg: Dem Stadel die Stimme!
  • Friedrich Carl von Uckro, Niklas Holzhauer; TU München / TU Wien: Kompoststation
  • Jette Lötters, Cäcilia Frederichs, Finn Merlin Horstmann, Nils Spellenberg; TU Berlin: Chillig Brüten – Hitzeschutz für Stadtvögel
  • Anett Eberhardt-Vogel u.a.; Ernst-Reuter-Schule Berlin: Mobiles Fitness-Studio

Baukultur in Aktion

Ab dem 8. Juni 2026 beginnen die Teams mit dem Aufbau, am 10. und 11. Juni zeigen und diskutieren sie ihre realisierten Projekte beim Konvent der Baukultur im Kulturquartier Schiffbauergasse in Potsdam. Aber die 30 Quadratmeter sollen keine temporären Eventbauten bleiben. Sie sollen weiterziehen, genutzt, umgebaut und neu interpretiert werden. Wir sind gespannt, wohin die Reise geht.