Alles ist Umbau: BmB-Archiv bietet Wissen über historische Baukonstruktionen
Umbau heißt das Gebot der Stunde – erhalten, sanieren und weiternutzen anstatt abzureißen, darin sind sich Architekt*innen und immer mehr Bauherren einig. Aber wie? Das BmB-Archiv, ein digitales Nachschlagewerk zu typischen Konstruktionsweisen vergangener Epochen, bietet Hilfe.
Die mühevolle Arbeit hat sich gelohnt: An der Bergischen Universität Wuppertal entstand unter der Leitung von Prof. Georg Giebeler das BmB-Archiv, eine digitale Sammlung historischer Baukonstruktionen aus verschiedenen Epochen. Das Archiv dient der fundierten Umbaulehre und -praxis und ist über DETAIL Inspiration zugänglich. Den digitalen Startschuss lieferte ein Symposium, an dem zahlreiche Vertreter*innen deutscher Architekturhochschulen teilnahmen. Gemeinsamer Tenor: Wir brauchen mehr Umbau, auch in der Lehre.
Aufbau des BmB-Archivs
Für Georg Giebeler ist das BmB-Archiv ein Herzensprojekt, das er mit seinem Team vom Lehr- und Forschungsgebiet Bauen mit Bestand und Baukonstruktion (BmB) und mit studentischer Unterstützung erfolgreich umsetzen konnte. Allen Widrigkeiten und knappen Geldbeuteln zum Trotz arbeiteten die Beteiligten über vier Jahre beständig daran, alte Baukonstruktionsbücher zu sammeln, deren Inhalte zu katalogisieren und zu digitalisieren. Ziel war es, eine Plattform aufzubauen, die Standardkonstruktionen nach Bauteil und Epoche sortiert. Damit könnten Planende die Bestandssituation schon vor Bauteilöffnung besser einschätzen.
Zugang zum Fachwissen vergangener Zeiten
Der Sanierungsbedarf wächst und damit auch das Arbeitsfeld Bestand: Nach Umfragen der Bundesarchitektenkammer entfällt der größte Anteil des Jahresumsatzes deutscher Architekturbüros auf Umbauvorhaben. Ohne entsprechendes Konstruktionswissen stehen Planer*innen ahnungslos vor Kappendecke, Fachwerkwand oder Holzbalkendecke. Mit über 1.600 Artikeln und 3.400 Zeichnungen sammelt das BmB-Archiv Wissen über typische Konstruktionsweisen aus Baukonstruktionsbüchern zwischen 1875 und 1975. Einst bekannte Fachbücher von Autoren wie Gustav Breymann, Franz Hart oder Leopold Wiel sind im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Aktuelle Sanierungsaufgaben und die ökologische Trendwende im Bauwesen machen sie wieder relevant – für Lehre und Praxis.
Das Archiv in Wort und Bild
Nach aufwändiger Sichtung und Aufarbeitung ist das Archiv nun online. Auf der Plattform DETAIL Inspiration ist es für alle Abonnent*innen erreichbar und über Hochschulzugänge auch kostenfrei nutzbar. Mit Such- und Filterfunktionen wie etwa Entstehungszeit und Bauteil lassen sich zielgenau Auszüge aus den Büchern in Form von Artikeln mit Beschreibungstexten, Tabellen und Zeichnungen abrufen. Die jeweiligen Quellenangaben erleichtern eine weiterführende Recherche. Bislang erfasst das Archiv einen Zeitraum von 100 Jahren, eine schrittweise Erweiterung des Datenumfangs ist geplant.
Umbau der Baukonstruktionslehre
Im Mai 2025 lud Prof. Giebelers Lehrstuhl zum festlichen Go-Live-Event ein, mit einem hochschulübergreifenden Austausch über die Zukunft der Architekturausbildung. Von Lübeck bis München, von Trier bis Berlin – über 100 Lehrende und Studierende deutscher Architekturfakultäten folgten der Einladung nach Wuppertal. Der Kongress „Bauen mit Bestand: Konstruktion“ thematisierte, dass trotz zunehmender Umbauvorhaben die Pflichtmodule der Baukonstruktionslehre an den Hochschulen noch immer auf den Neubau konzentriert sind. Vorbereitung auf die Praxis? Fehlanzeige. Das soll sich ändern: durch zukünftige Netzwerktreffen, gemeinsame Weiterentwicklung der Umbaulehre, eine stärkere Einbindung von Lehrmodulen in Bestandsbauten und durch die nun digital zur Verfügung stehende Sammlung. Erst wenn die gestalt- und konstruktionsprägenden Merkmale des Bestands in der Lehre beleuchtet werden, kann die nächste Generation von Architekt*innen eine Aussage über deren Erhalt, Transformation oder Überschreibung treffen. In einem Manifest stellt das Team aus Wuppertal klar, es braucht einen „Umbau der Baukonstruktionslehre: weil im Grunde alles Umbau ist“.