10m² zum Sitzen, Gießen, Nachdenken: Die Wasserbank

Gieß mich, Baby! In leuchtendem Gelb, recycelten Materialien und mit 1.000 Litern Regen im Tank verwandelt die Wasserbank graue Stadtflächen in grüne Aufenthaltsorte. Zuerst war sie beim Konvent der Baukultur in Potsdam zu sehen und nun wandert sie weiter.

Im Juni 2024 feierte die Wasserbank ihre Premiere beim Konvent der Baukultur in Potsdam. Als eines der Gewinnerprojekte des Wettbewerbs 10 m² Baukultur der Bundesstiftung Baukultur verwandelte sie dort einen Parkplatz in einen Ort mit Aufenthaltsqualität. Hinter dem Entwurf stehen Adrian Sauer und Tim Gebhardt, unterstützt von Freund*innen, Familie und einer Berliner Gerüstbaufirma. Ihr Ziel: Flächen sinnvoller nutzen, Wasser im urbanen Raum speichern und einen Denkanstoß geben – alles nur auf zehn Quadratmetern.

Eine Bank als kleine Maschine für Stadtökologie

Jährlich gehen auf einem einzelnen Parkplatz in Potsdam rund 7.500 Liter Regenwasser ungenutzt verloren. Die Wasserbank begegnet diesem Problem mit einem einfachen Prinzip: Regen auffangen, speichern und nutzbar machen.

Unter ihrem Schmetterlingsdach sammelt sie Regen, speichert ihn in einem 1.000-Liter-IBC-Container und gibt ihn dosiert an die Pflanzen ab – aber nur, wenn jemand den Hebel betätigt. Das ist Absicht. Erst durch menschliches Zutun wird aus grauem Raum lebendiges Grün. Gleichzeitig dient der Container als Rankhilfe für die Pflanzen.

Modulbau auffällig in Gelb

Die Konstruktion besteht fast vollständig aus recyceltem Material. Wiederverwendete Gerüstteile der Firma Layher bilden das tragende System, ergänzt durch lackierte Seekieferplatten, ein Dach aus Doppelstegpaneelen und Pflanzkübel aus alten Mörteltonnen. Die meisten Elemente stammen von Baustellenresten oder wurden als Verschnitt gespendet – die beteiligte Gerüstbaufirma Tisch leistete dabei wertvolle Unterstützung. 

Und die gelbe Farbe? Nicht nur auffällig, sondern auch nützlich – sie zieht Insekten an, die sich in urbanen Landschaften oft schwer orientieren. Bepflanzt wurde die Wasserbank mit robusten Arten wie Wiesensalbei, Färberkamille, Farn und Glockenblume – Pflanzen, die nicht nur dekorativ, sondern auch standortgerecht und pflegeleicht sind.

Vom Parkplatz auf den Schulhof

Nach ihrem Auftakt in Potsdam war die Wasserbank im Mai 2025 Teil einer Klimaaktionsfläche zur Leipziger Turnfestwoche – prominent platziert direkt an der Thomaskirche. Zwei Monate lang stand sie dort als Symbol für alternative Stadtentwicklung: Aufenthaltsqualität statt Asphalt.

Doch damit endet die Reise nicht. Ab Juli 2025 zieht die Wasserbank auf den Schulhof einer Leipziger Schule. Dort wird sie zum grünen Lernort, zum Schattenspender, zum Pausenplatz – aber vor allem zum Impuls. Denn sie stellt weiterhin die Frage, die überall gilt: Wem gehört unser Stadtraum, und wie wollen wir ihn gestalten?